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EU-Bericht : Baden in Deutschlands Gewässern ist ungefährlich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nur fünf Badestellen fallen bei EU-Untersuchung durch. Die Wasserqualität in SH ließ in einer anderen Studie jedoch zu wünschen übrig.

Kopenhagen | Gute Nachricht für Schwimmer: Das Baden ist in fast allen Flüssen, Seen und an den Küsten in Deutschland ein sauberes Vergnügen. Nach einem neuen EU-Bericht zur Qualität der Badegewässer erfüllen 97,9 Prozent der 2292 untersuchten deutschen Badestellen die EU-Mindeststandards.

Badegewässer können Keime enthalten, die gesundheitsschädlich sind. Dazu gehören unter anderem E.coli-Bakterien genau wie coliforme Bakterien. Sie gelten jedoch nicht zwingend als Krankheitserreger.

An den allermeisten Badestellen bescheinigt der am Mittwoch in Kopenhagen vorgestellte Bericht dem Wasser sogar eine gute bis ausgezeichnete Qualität. Nur fünf Stellen in Deutschland fielen durch: Den Stempel „mangelhaft“ bekamen drei Badeplätze in Baden-Württemberg - am Strandbad Eriskirch, dem Finsterroter See in Wüstenrot und der Kocherbadebucht in Künzelsau. Im Saarland fiel eine Badestelle an der Nied in Rehlingen-Siersburg durch, in Mecklenburg-Vorpommern war es die Glöwitzer Bucht bei Barth.

Die Daten zu den europäischen Badegewässern stammen aus der Saison 2015. Insgesamt nimmt der Bericht mehr als 21.000 Badestellen in den EU-Ländern sowie Albanien und der Schweiz unter die Lupe. 96 Prozent davon erfüllten die Mindeststandards.

SH schneidet bei Wasserqualität schlecht ab

Beim Vergleich der Wasserqualität in Deutschland hatte Schleswig-Holstein zuletzt schlecht abgeschnitten: Geht es darum, wo die Stickstoffeinträge am dringendsten reduziert werden müssen – dann steht die so genannte „Flussgebietseinheit“ Schlei/Trave bundesweit auf dem drittschlechtesten Platz. Die Zufuhr von Stickstoff müsste um 32 Prozent fallen, um den von der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie bereits für heute angepeilten guten Zustand zu erreichen.

Die Eider mit 15 bis 30 Prozent überhöhten Werten folgt auf Rang fünf der Negativ-Hitliste, die Elbmündung mit 22 Prozent überhöhten Einträgen auf Position sechs. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage mehrerer Bundestagsabgeordneter der Grünen hervor, darunter die Schleswig-Holsteiner Konstantin von Notz, Valerie Wilms und Luise Amtsberg. Die Zone Schlei/Trave deckt in der Statistik alle Meereszuflüsse an Schleswig-Holsteins Ostseeküste ab. Die Einheit Eider umfasst den Nordwesten, die Einheit Elbe den Südwesten des Landes mitsamt der Mitte sowie Gebiete Niedersachsens.

Mit einer weiteren „roten Laterne“ wartet Schleswig-Holstein bei einzelnen Messstellen für Nitrat auf: Der Grundwasserkörper Holm, zwischen Wedel und Uetersen gelegen, zählt zu den 15 in Deutschland am meisten belasteten. Dort wird der Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter um 118 Prozent übertroffen. Insgesamt befinden sich von Schleswig-Holsteins Grundwasserkörpern laut Bundesregierung 34,4 Prozent in keinem guten chemischen Zustand. Von den Fließgewässern trifft das auf 60,8 Prozent zu.

„Die Landesregierung braucht dringend ein scharfes Schwert gegen die Gülleflut“, schlussfolgert der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Peter Meiwald. Er sieht dafür die Bundesregierung in der Pflicht: Die müsse „endlich eine Düngegesetzgebung für mehr Gewässerschutz vorlegen.“ Eine „wirkliche Agrarwende“ sei erforderlich – denn der größte Teil des Stickstoffs und Nitrats im Wasser stamme aus der Landwirtschaft. Die hat in Schleswig-Holstein einen Flächenanteil von 70 Prozent.

Auch das grün-geführte Kieler Umweltministerium beklagt ein „viel zu langes Zögern“ der Bundesregierung bei einer strengeren Fassung der Düngeverordnung. Was in der Macht Kiels stehe, habe die aktuelle Koalition auf den Weg gebracht – etwa einen gesetzlich vorgeschriebenen Gewässerrandstreifen, ein Umbruchverbot für Grünland, Meldepflichten für das Verwenden von Wirtschaftsdünger, Bewirtschaftungsauflagen in Wasserschutzgebieten und eine bessere Beratung für Landwirte. Mit dem Bauernverband werbe das Land für freiwillige, noch breitere Randstreifen, die nicht bewirtschaftet werden.

Darauf verweist auch der Pflanzenbau-Referent des Bauernverbands, Sönke Schmidt. Zudem setze seine Zunft auf das „weitere Optimieren des Dünge-Managements“. Dazu zähle das umweltschonendere Einbringen von Gülle – zum Beispiel per Injektionsverfahren. Besserung verspricht sich Schmidt auch vom verstärkten Anbau von Zwischenfrüchten nach der eigentlichen Ernte. Das binde Stoffe im Boden.

Was das Kieler Umweltministerium bei allen Schutzmaßnahmen auch betont: Das Trinkwasser sei unbedenklich, unter anderem, weil es meist aus tieferen Schichten entnommen werde, „in denen die Belastung noch nicht oder erst in niedrigen Konzentrationen angekommen ist.“

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