zur Navigation springen

Prozess um Fledermäuse : Autobahn 20: Weiterbau rückt näher

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seltene Fledermäuse, Fehler in der Trassen-Planung und Feuerwehren, die einen Fledermaustunnel nicht nutzen dürfen: Bei kaum einem Bauprojekt gibt es so vielfältige Prozesse wie die gegen den Ausbau der A20. Im Fall der Fledermäuse könnte es zum Vergleich zwischen Land und Umweltschützern kommen.

Im Rechtsstreit um die Fortführung der Autobahn A20 in Schleswig-Holstein könnte womöglich schon bald ein außergerichtlicher Vergleich den Weg für einen Weiterbau freimachen. Nach Informationen des sh:z loten die gegen den Bau klagenden Umweltverbände BUND und Nabu derzeit mit dem Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) die Chancen für eine einvernehmliche Verständigung aus. Käme die zustande, würde der vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anhängige Prozess hinfällig; die für den 22. Oktober angesetzte Verhandlung fiele aus – jedenfalls dann, wenn auch die weiteren Kläger zurückzögen.

Derzeit stockt die Fortführung der A20 bei Weede im Kreis Segeberg. Der Bau des zehn Kilometer langen und 150 Millionen Euro teuren Anschlussstücks bis Wittenborn liegt auf Eis, bis die Leipziger Richter entschieden haben – oder noch viel länger, falls sie Auflagen machen oder den Planfeststellungsbeschluss von 2012 ganz kassieren. Die Umweltverbände fordern vor allem einen besseren Schutz von seltenen Fledermausarten im Travetal, das von der neuen Autobahn durchschnitten wird. Dazu müsse es etwa ausreichend Querungshilfen geben, fordern die Naturschützer.

Offiziell mag zwar keiner der Beteiligten die Sondierungen für einen Vergleich bestätigen. „Wir tun alles, um den Prozess zu gewinnen“, sagt der schleswig-holsteinische BUND-Vorsitzende Hans-Jörg Lüth. „Unsere nächste Station ist der Termin vor Gericht“, erklärt Minister Meyer. Doch hinter den Kulissen haben bereits Sondierungsgespräche stattgefunden. Die gestalten sich allerdings nicht zuletzt deshalb schwierig, weil man im BUND zerstritten ist: Einige Kreisverbände sind sauer wegen der Gespräche. Sie lehnen jede Verhandlung strikt ab. Stattdessen wollen es auf das Gerichtsurteil ankommen lassen.

Prozessiert haben neben den Umweltverbänden auch die Gemeinden Klein Gladebrügge und Wittenborn sowie die Firma Möbel-Kraft in Bad Segeberg. In Klein Gladebrügge bemängeln die Verantwortlichen Fehler bei der Trassenplanung der A20. So sei eine alternative Linienführung mit einem Tunnel durch Bad Segeberg nicht ausreichend geprüft worden. In Wittenborn stört die Gemeindevertreter, dass die Feuerwehr den geplanten Fledermaustunnel unter der A20 im Segeberger Forst nicht nutzen darf, obwohl sie könnte. Und Möbel-Kraft moniert, dass mit der neuen Autobahn nicht auch die Kreuzung nahe des Möbelhauses ausgebaut wird und die Kunden deshalb im Stau stecken bleiben könnten.
 

zur Startseite

von
erstellt am 20.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen