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Landesmuseum in Schleswig : Ausstellung in Schloss Gottorf zeigt Luthers Einfluss in Nordeuropa

vom

„Luthers Norden“ ist bis zum 28. Januar 2018 zu sehen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 12:15 Uhr

Schleswig | Mit seinen 95 Thesen gegen den Ablasshandel traf Martin Luther (1483-1546) die katholische Kirche vor 500 Jahren an ihrer empfindlichsten Stelle - der Verquickung von Ökonomie, Politik und Kirche. Wie sich die Reformation in den kommenden Jahren ausbreitete und besonders im Norden Deutschlands und im Ostseeraum eine besondere Dynamik entfaltete, zeigt von Montag (9. Oktober) an bis zum 28. Januar 2018 die Sonderausstellung „Luthers Norden“ in Schloss Gottorf.

„Luther stach in ein Wespennest“, sagte Ausstellungskuratorin Uta Kuhl in Schleswig. Welche Auswirkungen seine Thesen haben sollten, sei damals weder für Luther noch für seine Gegner absehbar gewesen. Auch Luther habe zunächst ja keine Abspaltung gewollt, sondern eine Erneuerung innerhalb der Kirche, sagte Kuhl.

Bundesweit wird im Lutherjahr 2017 in vielen Ausstellungen, Büchern und Filmen an den Augustinermönch erinnert, der das Weltereignis Reformation anstieß. Einmalig ist der 31. Oktober - der Tag des Thesenanschlags - bundesweit ein Feiertag. Doch der Blick bei allen Aktionen ist meistens auf das Kernland der Reformation und Wittenberg gerichtet.

Der Norden gerät dabei oft in den Hintergrund. Dies wollten die Ausstellungsmacher ändern, denn: Auch wenn Luther selbst nie in den Norden reiste, entwickelten seine Ideen hier eine besondere Dynamik, wie Kuhl betonte. Fast alle Gebiete im Norden schlossen sich der Reformation an.

In den Norden gebracht hat den neuen Glauben Johannes Bugenhagen (1485-1558), ein enger Gefährte und „Außenminister“ Luthers.

Bugenhagen habe dafür gesorgt, dass die Ideen der Reformation hier eine besondere Dynamik entfalteten, sagte Kuhl. Ihm ist daher ein großer Teil der Schau gewidmet. Bugenhagen übertrug die Bibelübersetzung Luthers ins Niederdeutsche und machte sie damit für einen breiten Leserkreis im Norden zugänglich. Gezeigt werden die von Bugenhagen verfassten Kirchenordnungen und niederdeutsche Bibel-Übersetzungen.

Einen weiteren Fokus lege die Ausstellung auf die vielfältigen Wirkungen der Reformation. Die Klöster wurden vielerorts aufgelöst, die oftmals für die Kranken- und Armenfürsorge übernommen haben. „Neue Strukturen mussten geschaffen werden“, sagte Kuhl. Der neue Glaube habe tiefgreifende soziale und kulturelle Veränderungen mit sich gebracht. So bewirkte die Reformation eine Bildungsoffensive und führte zur Ausprägung einer deutschen Schriftsprache.

Auch viele Künstler ließen sich durch die Reformation inspirieren, sagte Constanze Köster, Kunsthistorikerin und Mitarbeiterin der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Dies soll auch in der Schau veranschaulicht werden. Gezeigt werden neben zeitgenössischen Werken von Lucas Cranach (1472-1553) aus der Luther-Zeit auch Gemälde von Caspar David Friedrich (1774-1840) und Philipp Otto Runge (1777-1810) aus der evangelisch geprägten Romantik. Cranach etwa, ein enger Vertrauter Luthers, habe neue Bildthemen entwickelt, die Luthers Botschaft veranschaulichen. Motive wie den „Kindersegen“, gebe es erst seit der Reformation, sagte Köster.

Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsarbeit von Nordkirche, Schloss Gottorf und dem Pommerschen Landesmuseum Greifswald, in dem die Schau von Mai bis September zu sehen war. Neben Exponaten und Schautafeln sollen multimediale Installationen und die Flucht auf die Wartburg im „Tagesschau“-Format gezielt auch Jugendliche angesprochen werden.

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