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Schleswig-Holstein

18. Dezember 2017 | 10:09 Uhr

Baustellen : Ausgebremst durch den Norden

vom

An 20 Autobahnabschnitten in Schleswig-Holstein wird der Verkehr in diesem Sommer durch Baustellen ausgebremst. Muss das unbedingt sein, mitten in der Urlaubszeit?

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erstellt am 06.Jul.2009 | 05:26 Uhr

In 55 Minuten von Kiel nach Hamburg ins Schauspielhaus, oder in 75 Minuten von Flensburg zum HSV-Spiel in die Elbmetropole - solche Rekordzeiten können sich können sich Autofahrer im Norden in diesem Sommer abschminken. Mit dem Bleifuß auf dem Gaspedal kommt man höchstens bis zur nächsten Baustelle. Und davon gibt es auf den Autobahnen in Schleswig-Holstein jede Menge.

Besonders auf der A7 werden Autofahrer ständig ausgebremst. Schon ganz im Norden geht es los: Zwischen Flensburg und Tarp wird die Fahrbahndecke erneuert - vier Kilometer Schleichtempo noch bis zum 13. August. Die nächste Staugefahr: beim Autobahnkreuz Rendsburg. Auf 8,5 Kilometern Länge geht es nur mit Tempo 80 vorwärts. Hier stehen bis zum 15. Juli in beiden Fahrtrichtungen nur zwei enge Fahrspuren zur Verfügung. Ab Mitte August wird dann noch eine 7,1 Kilometer lange Baustelle bei Schuby eingerichtet.
Das Straßennetz werde "erheblich leistungsfähiger"
14,2 Millionen Euro lässt sich Vater Staat die Deckenerneuerung auf der A7 kosten. Weiter 11,2 Millionen investiert er auf der A23 unter anderem in den knapp acht Kilometer langen Abschnitt zwischen Tornesch und Horst/Elmshorn. Auf der A24 wird zwischen Reinbek und Talkau auf einer Länge von knapp neun Kilometern die Decke für 6,5 Millionen Euro erneuert.

Landesweit sind bis zum Jahresende auf 20 Autobahnabschnitten schaufelnde Bauarbeiter, blinkende Verkehrsschilder und Warnbarken zu sehen. 62,5 Millionen Euro kosten die Baumaßnahmen. Knapp ein Viertel kommt aus dem Konjunkturprogramm des Bundes. Der Geldsegen aus Berlin wird also für die Autofahrer zum Fluch. Ihnen droht ein Stausommer. Verkehrsminister Jörn Biel bittet um Nachsicht und verspricht bessere Zeiten. Das Straßennetz im Norden werde durch die Investitionen demnächst "erheblich leistungsfähiger".

Ob die Autofahrer sich damit wirklich trösten lassen, ist fraglich. Zumal, wenn sie durch Baustellen fahren, auf denen kein Bagger, kein Laster und kein Bauarbeiter am Werk ist. "In der Tat hat man optisch oft den Eindruck bekommen, dass nichts passiert", meint auch Rolf-Dieter Cahl vom ADAC in Schleswig-Holstein. Doch das habe oft technisch Gründe: "Der Beton muss Zeit zum Abbinden haben, den kann man nicht sofort befahren." Das Argument, dass witterungsbedingt nur im Sommer gebaut werden könne, will er allerdings nicht gelten lassen. "Die öffentlichen Haushalte sind ungemein schwerfällig und sind mit ihren Auftragsvergaben immer erst zur Haupturlaubszeit fertig. Das ist in der freien Wirtschaft ganz anders", meint Kahl.
Viele Baustellen werden erst einmal eingerichtet, um den Auftraggeber zu beruhigen
Doch auch bei den Straßenbauunternehmen gibt es Handlungsbedarf. Das hat kürzlich eine Studie der Porsche Consulting im Auftrag des Autobahnbauers Kirchhoff ergeben. Das Ergebnis der Experten: Viele Baustellen werden erst einmal eingerichtet, um den Auftraggeber zu beruhigen - obwohl die Maschinen und Mitarbeiter noch auf anderen Baustellen gebunden sind. Geht es dann endlich los, ist die Organisation miserabel. Mal sind keine Lastwagen mit frischem Asphalt verfügbar, mal stauen sich fünf auf einer Baustelle und der Asphalt kühlt ab.

Dass sich die Optimierung der Abläufe lohnt, stellten die Experten kürzlich auf der A8 bei Pforzheim unter Beweis: Die Kosten für die vier Kilometer Fahrbahnerneuerung wurden um 40 Prozent gesenkt. Die Bauzeit verkürzte sich auf von 12,2 auf 7,3 Tage. Zum Segen der Unternehmen und der Autofahrer, die jedes Jahr durchschnittlich 60 Stunden im Stau stehen.

Im Gegensatz zu Autofahrern aus anderen Regionen Deutschlands reagieren allerdings die Norddeutschen relativ gelassen auf Verkehrsstaus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Nur 20 Prozent gaben demnach an, Stau raube ihnen die Nerven. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fühlen sich fast 32 Prozent durch Stau gestresst.

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