Fata Morgana? : Aufregung um Wetter-Radar: Riesige Insektenwolke bedeckt das Grenzland

Visualisierung der vermeintlichen Regenwolke.

Visualisierung der vermeintlichen Regenwolke.

Man spricht schon von Dürre und plötzlich zeigt der Radar Regen an. Ist es so trocken, dass schon die Geräte spinnen?

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03. Juli 2018, 14:09 Uhr

Flensburg | Es ist der Morgen des 2. Juli 2018: Die Apokalypse naht. Während der Wetterbericht nichts als Sonne voraussagt, zieht sich im Regenradar des Dänischen Wetterdienstes (DMI) plötzlich ein riesiger Fleck über Südjütland, Nordfriesland und Angeln. Dass die Bilder ein nahendes Unwetter anzeigen – wovon die Landwirte derzeit nur träumen können – kümmert die Sonne herzlich wenig. Die Erklärung aus Dänemark: Die Echo-Wolke in zwei Kilometern Höhe ist eine von unten unsichtbare Erscheinung, eine Art Fata Morgana. Nur formiert sich dort oben keine Regenwolke, es schwirren Millionen von Insekten umher.

Rollt hier also eine Heuschreckenplage biblischen Ausmaßes über das Land? Vermutlich nicht, sagt der DMI. Solch ein Insektenhimmel über Südjütland könne ganz andere Gründe haben, erklärt der wachhabende Meteorologe Thyge Rasmussen. Man wisse noch nicht mal, um welche Art Insekten es sich handelt.

Normal ist, dass thermische Konvektion in den Stunden nach Sonnenaufgang Insekten nach oben in die Atmosphäre hievt. Doch diese Bilder entschärfen sich nicht, wenn man die Hintergründe nicht kennt. „Wir haben gerade im Frühjahr neue und empfindlichere Radargeräte bekommen“, erklärt Rasmussen im Dänischen Rundfunk. Diese seien so sensibel, dass die Filter sich hier und dort schwertun mit der Unterscheidung.

Das „Sommerphänomen“ der Fake-Echos durch Radar-Insekten habe sich mit dem finnischen Fabrikat verstärkt. Wenn Insekten in Form und Größe an Regentropfen erinnerten, werde die Unterscheidung schwierig, erklärt der Experte.

Nur ein Verdacht

<p>Die Hainschwebfliege macht Wetterfröschen das Leben schwer.</p>
imago/blickwinkel

Die Hainschwebfliege macht Wetterfröschen das Leben schwer.

Bei früheren Phänomenen dieser Art hatten Insektologen die Schwirrfliege als möglichen Wolkenmacher ausgemacht. Der im Lehrbuch Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus) genannte Zweiflügler begibt sich in Höhen von bis zu drei Kilometern und kann wie ein Hubschrauber auch in der Luft stehen. Die einer Wespe ähnelnden Insekten sind überdies dafür bekannt, bis zu 25 Kilometer pro Stunde zurücklegen zu können. Man könnte daher sagen, sie sind „mutmaßlich wetterrelevant“.

Aber ob es diese nicht stechenden Insekten wirklich waren – man weiß es nicht. Und inzwischen ist die Luft über Kimbrien ja auch wieder rein – und weiterhin trocken.

 
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