Freimaurer in Flensburg : Auf dem Weg zur nördlichsten Frauenloge

Kulturvolles Haus: Das Logenhaus in Flensburg ist auch offen für Theatergruppen und Konzertmusiker. Foto: euler
Kulturvolles Haus: Das Logenhaus in Flensburg ist auch offen für Theatergruppen und Konzertmusiker. Foto: euler

Sieben Meisterinnen braucht es zur Gründung - dann könnte in Flensburg die nördlichste Loge der Freimaurerinnen enstehen. Brigitte Bratke will den Anfang wagen.

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22. Januar 2010, 08:29 Uhr

Flensburg | Die Neugier hat sie ins Logenhaus in Flensburg geführt. Und Feinsinn. Brigitte Bratke, Jahrgang 1943, studierte Mathematik und Kunst, war später im Beruf oft mit der Bleiverglasung von Kirchenfenstern befasst. Das riesige Glasfenster des strahlend weißen Prachtbaus im Flensburger Nordergraben fiel ihr sofort auf. Ihr Interesse an einem Rundgang stieß auf Gastfreundschaft der Freimaurer, die das Haus beleben, und mündete in Zusammenarbeit.

"Mir fehlte die Freimaurerei, die Gemeinschaft Gleichgesinnter", erkannte Brigitte Bratke schnell, nachdem sie vor einem Jahr aus Hannover ihrer Familie in den Norden gefolgt war. In der niedersächsischen Landeshauptstadt hat die derzeit nördlichste Frauenloge ihren Sitz. Viele Flensburger Logenbrüder ermutigen schon lange zur Gründung eines weiblichen Pendants der Bruderschaft. "Wir nehmen ihnen ja nichts weg", sagt Bratke lachend. Im Gegenteil, "wir harmonieren", weiß die Freimaurerin seit ihren ersten Begegnungen mit den Brüdern. Als Referenten etwa sollen sie die künftige Frauenloge bereichern. Sieben Meisterinnen sind zur Gründung notwendig; neben Bratke gebe es zwei weitere Frauen dieses Grades in Schleswig-Holstein.
Verständnis und Vorurteile

"In Flensburg habe ich gelebte Freimaurerei empfunden", erinnert sich Bratke. Dies bedeute für sie, "den Menschen so zu akzeptieren, wie er ist - mit all seinen Befremdlichkeiten". Und eine solche Toleranz zu üben, das sei Kern des Verständnisses der Freimaurerei.

Behutsam wählt sie ihre Worte, ist grazile Gastgeberin, weiß, dass Logen beargwöhnt werden. Erlebnisse korrigierten die eigenen Vorurteile. In der Hannoveraner Frauenloge beispielsweise sei es üblich, ein Jahr lang als Gast zu ergründen, ob man zueinander passe. Brigitte Bratke nahm sich damals zwei Jahre Zeit und wunderte sich anfangs über den gepflegten Umgang und äußerst höfliche Auseinandersetzungen, ohne einander ins Wort zu fallen. Doch "gegenseitige Achtung, Wertschätzung, bedingungslose Hilfe" erwiesen sich als beständig.
Ruhe bei der Tempelarbeit

Die so genannte Tempelarbeit, die ihren Ursprung bei den Steinmetzen hat, die Erkennungszeichen vereinbarten, ermögliche bei den regelmäßigen Zusammenkünften nicht mehr und nicht weniger , als dass man sich "eine Stunde, maximal zwei vom Lärm des Alltags zurückziehen kann".

Neugierige, "Suchende" in der Sprache der Freimaurer, finden aus freien Stücken zur Loge und arbeiten an sich selbst. Gespräche über Politik und Religion sind tabu, das widerspräche dem Gedanken der Toleranz. "Freimaurer missionieren nicht", betont Brigitte Bratke. Sie arbeiteten an sich selbst im Wissen eigener Fehlbarkeit. "Sei Du die Veränderung, die Du Dir wünschst für die Welt", zitiert sie Gandhi, der ihr aus dem Herzen spricht.

Frauen, die sich für Freimaurerei interessieren, sind eingeladen, sich am 20. Februar von 17 bis 19 Uhr im Flensburger Logenhaus, Nordergraben, Eingang Holstengang, umzusehen und ins Gespräch zu kommen. Wer möchte, wird künftig persönlich zu Gästeabenden eingeladen.

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