Lübecker Hafen : Auf dem Weg nach Skandinavien – Flüchtlinge in Container entdeckt

Am Skandinavienkai: Die Bundespolizei geht davon aus, dass die Menschen längere Zeit in dem Container gewesen sind.

Am Skandinavienkai: Die Bundespolizei geht davon aus, dass die Menschen längere Zeit in dem Container gewesen sind.

Am Sonntagmorgen wurden zwölf Menschen ohne Ausweise gefunden. Abgesehen von Übermüdung waren sie in gutem Gesundheitszustand.

shz.de von
13. Mai 2018, 18:00 Uhr

Lübeck | Zwölf Flüchtlinge, darunter sechs Kinder, sind Sonntagmorgen in einem Container am Skandinavienkai des Lübecker Hafens entdeckt worden. Alle kamen offenbar aus Afrika südlich der Sahara. „Unter den sechs Kindern waren zwei Säuglinge“, sagte Bundespolizei-Sprecher Gerhard Stelke gegenüber unserer Zeitung. Einer davon sei keine vier Wochen alt und wohl unmittelbar vor oder sogar während der Flucht geboren worden.

Die Menschen seien vor Ort von einem Notarzt untersucht worden. „Abgesehen davon, dass sie völlig übermüdet waren, waren sie in einem den Umständen entsprechend guten Gesundheitszustand“, so Stelke. Die Kinder seien zunächst in ein Krankenhaus gebracht worden, sollten aber im Laufe des Tages wieder zu den Erwachsenen auf die Bundespolizei-Dienstelle gebracht werden.

Stelke zufolge war der Zug gegen 8 Uhr nach einer Nachtfahrt aus Italien im Güterbahnhof eingetroffen. Ein Hafenmitarbeiter sei kurz darauf auf einen der Flüchtlinge neben den Gleisen aufmerksam geworden. „Dieser gab ihm zu verstehen, dass in dem Container weitere Menschen waren“, berichtete Stelke weiter. Die Flüchtlinge hätten  augenscheinlich einen Weg gefunden, den für die Reise über mehrere Grenzen verplombten Container zu verlassen.  Ob sie Verpflegung dabei hatten, konnte Stelke zunächst nicht sagen.

Nach der Aufnahme auf der Dienststelle der Bundespolizei sollten die Flüchtlinge in eine Erstauflage-Einrichtung gebracht werden. Ziel der Flucht war augenscheinlich Skandinavien – im Güterbahnhof des Skandinavienkais werden die Container  auf Lkw verladen – für den Weitertransport nach Norden entweder über die Straße oder per Schiff. 

In einem Container versteckte Flüchtlinge gab es Angaben der Bundespolizei der dpa gegenüber seit längerem nicht mehr. Während der Flüchtlingskrise 2015 war das häufiger vorgekommen – zum Teil mit dramatischen Folgen. Im August 2015 waren 71 Flüchtlinge im Laderaum eines Kühllasters in Österreich erstickt.

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