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Einwanderung : Asylbewerber überfordern Gemeinden in SH

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Verwaltungen in SH stoßen an ihre Grenzen: Der Streitpunkt ist die geeignete Unterbringung von Asylbewerbern. Der Flüchtlingsrat fordert eine Änderung des Verteilungsschlüssels.

shz.de von
erstellt am 07.02.2014 | 12:00 Uhr

Kiel | Weil die Zahl der Asylbewerber in die Höhe geht, stoßen manche Kommunen in Schleswig-Holstein in der Verwaltung an ihre Grenzen. Denn für die Ämter wird es immer schwerer, Flüchtlinge unterzubringen. „Die Verwaltungen sind stärker in Anspruch genommen, das kann zu einer gefühlten Überforderung führen“, sagt Martin Link vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Deshalb organisiert er mit dem Innenministerium und dem Flüchtlingsbeauftragten eine Tagung, bei der im April den Verwaltungsmitarbeitern Praxishilfe vermittelt werden soll.

Link fordert, dass Flüchtlinge verstärkt „in geeigneten Mittelzentren“ untergebracht werden – sprich in den Städten. „Dort haben sie einen besseren Zugang zu Ausbildung und Arbeit als auf dem Land. Und das hilft bei der Integration.“ In Schleswig-Holstein werden Flüchtlinge nach Einwohnerzahl auf die Kommunen verteilt. Die Kreise können aber laut Innenministerium schon jetzt mittels eigener Verträge die Flüchtlinge auch gezielter unterbringen, allerdings geschieht dies offenbar noch selten.

Der Geschäftsführer des Städteverbandes Schleswig-Holstein, Jochen von Allwörden, ist wenig begeistert von der Idee, Asylbewerber verstärkt in die Städte zu schicken: „Ich bin für die Beibehaltung der Quote. Die Städte stoßen jetzt schon an Grenzen, in Kiel müssen Container aufgestellt werden.“ In Lübeck ist ein Pflegeheim zur Flüchtlingsunterkunft geworden. In anderen Städten wohnen Asylbewerber in Ferienwohnungen oder Hotels. Auch Kreisstädten wie Husum fällt es schwerer, Wohnraum zu besorgen. „33 Asylbewerber in einem Jahr sind für eine Stadt von der Größe Husums schon ziemlich viel“, sagt Günter Zumach, Leiter des Ordnungsamtes. 2012 musste die Stadt nur acht Asylbewerber aufnehmen. In Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Asylbewerber von 2012 zu 2013 um 70 Prozent.

Wenn mehr Flüchtlinge in Städten unterkommen sollen, fordert von Allwörden einen finanziellen Ausgleich von den Kommunen, die dadurch entlastet werden. Das sieht auch Martin Link so. Das Land zahlt 70 Prozent der Unterbringungskosten, die Kommunen 30 Prozent.

„Der Staat spart Geld, wenn Flüchtlinge schneller auf den Arbeitsmarkt können“, sagt Martin Link. „Deswegen müssen sie auch dort wohnen, wo es Arbeit für sie gibt.“ Er lobt jedoch, dass die Aufnahmekultur für viele Flüchtlinge besser sei als in den 90er Jahren, als noch mehr Asylbewerber in den Norden kamen als jetzt. Oft kümmern sich ehrenamtliche Initiativen um die Integration – wie etwa die von Kathrin Klint auf Sylt. Dort gebe es viel dörfliche Nachbarschaftshilfe für die Asylbewerber. „Ich finde prinzipiell gut, dass die Flüchtlinge aufs ganze Land verteilt werden“, sagt sie. Dazu solle auch Sylt seinen Beitrag leisten, wo derzeit rund 50 Asylbewerber leben. Stimmen, die das angesichts des knappen Wohnraums nicht wollen, kann sie nicht verstehen. Klint: „Aber ich kann gut nachvollziehen, dass es für manche Flüchtlinge in der Stadt leichter ist, Zugang zu Arbeit und Ausbildung zu bekommen.“

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