Berichte von Knochenfunden : Archäologen graben auf Norderstedter Spielplatz

<p>Auf dem Spielplatz sollen Archäologen nach möglichen Opfern des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten aus der Anstalt in Hamburg-Ochsenzoll suchen.</p>

Auf dem Spielplatz sollen Archäologen nach möglichen Opfern des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten aus der Anstalt in Hamburg-Ochsenzoll suchen.

Eine Anwohnerin hatte von Knochenfunden berichtet. Jetzt wollen Experten herausfinden, was es damit auf sich hat.

shz.de von
12. Juli 2018, 07:48 Uhr

Norderstedt | Einen Hinweis auf vermeintliche frühere Knochenfunde aus der NS-Zeit an einem Spielplatz in Norderstedt wollen Experten des Archäologischen Landesamts am Donnerstag überprüfen. „Wir gehen aber eher davon aus, dass wir nichts finden werden“, sagte der Leiter des Landesamts, Ulf Ickerodt. Neben ihm und einem weiteren Experten der Behörde ist an der Aktion auf dem derzeit gesperrten Gelände auch eine Forensikerin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) beteiligt.

Hintergrund der Aktion sind Hinweise einer Anwohnerin der Ende der 1950er entstandenen Norderstedter Wohnsiedlung. Die dort aufgewachsene Frau hatte berichtet, dass Kinder in den 60er Jahren dort immer wieder Knochen beim Spielen gefunden hätten, sagte Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek. Die Frau habe geschildert, damals habe man in der Siedlung darüber gesprochen, dass es sich möglicherweise um menschliche Überreste aus der NS-Zeit handeln und es einen Bezug zur nur wenige Kilometer entfernten Klinik Ochsenzoll geben könnte. Die Stadt wolle Klarheit und hoffe darauf, „dass an dem Verdacht nichts dran ist“.

Laut Experte Ickerodt befand sich im Bereich des heutigen Spielplatzes zur fraglichen Zeit ein Feld. Für ihn sei es nicht vorstellbar, dass man dort Menschen verscharrt habe, sagte er. Dort sei laut Informationen der Stadt Norderstedt die Jagd-Pacht einer ortsbekannten Schlachterfamilie gewesen. „Es ist davon auszugehen, dass dort möglicherweise Tierkadaver aufgebrochen wurden und zurückgelassen oder verscharrt wurden.“ Eine weitere Möglichkeit für spätere Knochenfunde könnten Schwarz-Schlachtungen im Dritten Reich oder in der Nachkriegszeit gewesen sein.

Aus seiner Sicht spricht ein weiteres Indiz gegen ein Massengrab. Dort befand sich früher ein See. Der Grundwasserspiegel sei im Bereich eines ehemaligen Sees recht hoch, sagte Ickerodt. Das würde Erdarbeiten erschweren. Wäre dort einst eine große Grube ausgehoben worden, hätte der Boden dort später absacken müssen. „Das hätte die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahrzehnten bemerkt.“

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