Unternehmen stellen zu wenig ein : Arbeitsagentur kritisiert Vorurteile gegenüber Behinderten

Behinderte sind seltener krank und überdurchschnittlichqualifiziert im Vergleich zu anderen Arbeitslosen.

shz.de von
12. Dezember 2018, 08:21 Uhr

Kiel | Viele Menschen mit Behinderung bekommen nach Einschätzung der Agentur für Arbeit immer noch wegen unberechtigter Vorurteile keine Chance auf dem Arbeitsmarkt.

„Arbeitgeber meinen häufig: Die werden wir nicht wieder los, die sind öfter krank und weniger flexibel“, sagt die Regionaldirektorin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann. Dies stimme so nicht. Es sei zwar richtig, dass Behinderte einen besonderen Kündigungsschutz haben. „Aber wenn gekündigt werden muss, stimmen die Integrationsämter in 80 Prozent der Fälle zu.“

Behinderte sind überdurchschnittlich qualifiziert

Zudem seien Beschäftigte mit Behinderung seltener krank als der Durchschnitt. „Bezogen auf alle Arbeitslosen sind Arbeitslose mit Behinderung überdurchschnittlich qualifiziert“, sagte Haupt-Koopmann. „53,6 Prozent haben eine berufliche Ausbildung.“ Bei den Arbeitslosen insgesamt seien das 46,6 Prozent.

Doch trotz des bestehenden oder drohenden Mangels an Fachkräften seien derzeit 4700 Behinderte arbeitslos. „Es gibt zahlreiche positive Beispiele – auch in kleinen Betrieben“, sagte Haupt-Koopmann. „Doch noch zu viele Arbeitgeber sehen zuerst die Probleme und nicht die Chancen.“

Mit einem Anteil von 4,4 Prozent an den Beschäftigten liegt die Quote der Menschen mit Behinderung im Land unter dem Bundesmittel von 4,7 Prozent. Vorgeschrieben sind bei mindestens 20 Beschäftigten eigentlich fünf Prozent. „Die öffentlichen Arbeitgeber erfüllen die Quote“, sagte Haupt-Koopmann. „Bei privaten werden nur 3,8 Prozent erreicht.“ Insgesamt seien 7350 Pflichtarbeitsplätze unbesetzt. 1360 Arbeitgeber, die Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigen müssten, hätten keine solchen.

Vielfalt dient dem Image

„Ich wünsche mir, dass mehr Arbeitgeber Bewerbern mit Handicap die Chance geben, sich zumindest vorzustellen oder sie drei Monate zur Probe arbeiten zu lassen“, sagte Haupt-Koopmann. Darüber hinaus finanzierten die Arbeitsagenturen und Jobcenter Lohnkostenzuschüsse, deren Höhe und Förderungsdauer von der Schwere der Behinderung und dem Lebensalter abhängig ist. „Es dient dem Image eines Unternehmens, Vielfalt zu ermöglichen und bei der Inklusion mitzumachen“, sagte Haupt-Koopmann.

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