Umstieg auf Elektroautos : Angst vor Stau im Stromnetz: So wollen Netzbetreiber in SH Blackouts verhindern

Wenn in einem Wohngebiet 11 Elektroautos zeitgleich laden, kann das für das Stromnetz zum Problem werden, sagen Experten.

Wenn in einem Wohngebiet 11 Elektroautos zeitgleich laden, kann das für das Stromnetz zum Problem werden, sagen Experten.

Blackout beim Massen-Umstieg auf Elektromobilität befürchtet – Schleswig-Holstein bleibt dagegen gelassen.

Margret Kiosz von
15. November 2019, 21:22 Uhr

Kiel | Noch gibt es in Schleswig-Holstein nur wenige Elektroautos, und die Lade-Infrastruktur hierzulande gilt als unterentwickelt. Sollte sich das durch die Fördermaßnahmen der Bundesregierung ändern, kommen die Stromnetze in die Bredouille.

Wenn nach Feierabend alle Fahrzeughalter ihren Stromer an die Steckdose hängen, wird ein Blackout nicht mehr ausgeschlossen. Dann bleibt nicht nur die Auto-Batterie leer, sondern auch der Herd kalt und der Fernseher schwarz.

Kieler Stadtwerke arbeiten an smartem Lastmanagement

„Bereits ab einer E-Auto-Quote von 30 Prozent kann es zu flächendeckenden Stromausfällen kommen“, heißt es in der Studie der Technischen Universität München. Bis 2022 sollen eine Million E-Autos unterwegs sein. Momentan sind es nur 45.000, was einer Quote von einem Prozent entspricht. Die Stromnetzbetreiber in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Tschechien bauen bereits vor und wollen die Stromabgabe an Ladesäulen für Elektroautos in Spitzenzeiten begrenzen.

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Auch im Norden entwickelt man Konzepte, um Stress im Netz zu vermeiden. So arbeiten die Kieler Stadtwerke gemeinsam mit Wissenschaftlern an einem smarten Lastmanagement (Kielflex). Ein Ziel ist es, den Großteil der Ladevorgänge aus der laststarken Abendzeit zwischen 18 und 22 Uhr in die lastschwachen Nachtstunden zu verschieben, wenn sich die Windräder drehen, aber in den Häusern die Lichter ausgehen.

Die Eon-Tochter Schleswig-Holstein Netz AG hält zum Beispiel vergünstigte Nachttarife im Mobilitätssektor für möglich, um die „Gleichzeitigkeit“ zu verringern, erklärt Netz-Sprecher Ove Struck und beruhigt die Gemüter: Blackout-Probleme würden vorrangig die großen Städte treffen und nicht den ländlichen Raum. „Zudem haben wir im Norden in den vergangenen Jahren den Netzausbau massiv vorangetrieben und können deshalb relativ entspannt bleiben“, so Struck.

Experten: Reserven für wachsende Stromnachfrage zu gering

Eine Eon-Stress-Studie habe kürzlich gezeigt: „Bezogen auf das Netzgebiet von SH Netz ist es sogar möglich, dass die derzeit über 680.000 gemeldeten konventionellen Pkw bis 2045 komplett auf Strom umsteigen.“ Vorausgesetzt, es wird weiter investiert.

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Die Stadtwerke in Flensburg scheinen die Ausbau-Euphorie der Bundesregierung ohnehin nicht zu teilen: „Wir haben heute fünf Ladesäulen, es wird also noch lange dauern, bis der Strom knapp werden könnte“, meint Sprecher Peer Holdensen.

Trotzdem fürchten Experten, dass die Netze ins Schwitzen kommen, wenn gleich mehrere Elektroautos in einem Wohngebiet mit 11 oder gar 22 Kilowatt – das ist vergleichbar mit 22 leistungsstarken Wasserkochern – laden. Die Reserven für eine stark wachsende Stromnachfrage durch die Elektromobilität seien zu gering.

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