Totschlag in Bredstedt : Angeklagter gibt Würgeangriff auf Freundin zu

Was geschah in diesem Haus in der Osternacht? Der Angeklagte kann sich nicht mehr erinnern. Foto: Rahn
Was geschah in diesem Haus in der Osternacht? Der Angeklagte kann sich nicht mehr erinnern. Foto: Rahn

Es geschah im April: Eine Mutter wird in ihrem Haus in Bredstedt gewürgt. Nur wenig später stirbt sie an den Folgen im Krankenhaus. Ihr Freund gesteht die Tat jetzt vor Gericht.

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26. Oktober 2011, 11:39 Uhr

flensburg | Er habe seine Lebensgefährtin getötet, aber er wisse nicht, wie es dazu gekommen ist. Das teilt der 43-jährige Angeklagte am Montag vor der Ersten Großen Strafkammer des Flensburger Landgerichts über seinen Verteidiger Burkhard Gerling mit. Damit endet der erste Verhandlungstag im Totschlag-Prozess gegen einen Schiffsbauer aus Bredstedt mit einem Geständnis. Und das genau sechs Monate, nachdem er seine 27-jährige Freundin so schwer gewürgt hat, dass sie kurze Zeit später im Husumer Krankenhaus stirbt. Die junge Frau hinterlässt drei Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren.
Schlank, sportlich, gepflegt in Jeans und hellem Hemd betritt der Angeklagte K. gestern Nachmittag den Schwurgerichtssaal. Seine Vita die pure Unauffälligkeit: Eine harmonische Kindheit und Jugend. Keine Probleme mit der Familie, keine Drogen, keine Schlägereien, in der Schule sei er weder ein Anführer noch ein Außenseiter gewesen. Ordentlicher Hauptschulabschluss, Ausbildung zum Schiffsbauer. Mehrere längere Beziehungen, mit zwei Frauen hat K., der sich als Familienmensch bezeichnet, jeweils zwei Kinder. Einziger Makel die Privat-Insolvenz, die der 43-Jährige 2009 anmelden muss. Seine junge Freundin habe er zuvor niemals gewaltsam angegriffen. Wie konnte es zur tödlichen Eskalation am 24. April kommen?
Vor den Freunden herabgewürdigt
Es ist der Sonnabend vor Ostern, ein schöner Frühsommertag. K. und seine Lebensgefährtin grillen zunächst mit einem befreundeten Paar im Garten, danach spielen die vier Karten in der Küche. K. trinkt nach eigener Einschätzung mehr als seine übliche Dosis, mehr als zwei bis sechs Flaschen Bier. Seine Freundin habe ihn verbal vor den Freunden immer wieder herabgewürdigt, habe ihn vorgeführt. Er habe zurück gestichelt. Schließlich brechen die Vier das Spiel ab, die Freunde gehen.
Konkrete Erinnerungen habe der Angeklagte dann erst wieder an das Erwachen im Krankenhaus. Laut Anklage des Staatsanwalts habe K. seine Lebenspartnerin zwischen 0.20 und 0.55 Uhr mehrere Minuten heftig gewürgt. Dafür sprechen massive Einblutungen am Hals und weitere Verletzungen. Während die junge Frau bewusstlos zurück bleibt, geht der Angeklagte zu seinem Bruder, der im selben Hauskomplex wohnt, erzählt wohl von dem dramatischen Geschehen und schläft ein.
Durch Job und Kinder gestresst und erschöpft
Der vom Bruder alarmierte Notarzt kann das Opfer zunächst reanimieren, doch kurze Zeit später stirbt die dreifache Mutter an den Folgen des Würgeangriffs. "Den Tod seiner Freundin hat der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen", begründet der Staatsanwalt die Anzeige wegen Totschlags.
In der Zeit vor der Tat habe sich K. durch seinen anstrengenden Job als Schweißer in Dänemark sowie die drei Kinder der Freundin, zu denen am Wochenende oft noch die eigenen kamen, gestresst und erschöpft gefühlt. Dennoch habe man ein harmonisches Familienleben geführt, K. wollte seine junge Freundin heiraten. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. "Ich bedaure die Tat zutiefst", lässt K. durch seinen Anwalt mitteilen. Der Prozess wird am 8. November um 9.15 Uhr fortgesetzt.

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