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Schleswig-Holstein

19. Oktober 2017 | 13:28 Uhr

Amerikanerin sucht ihre Wurzeln

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erstellt am 29.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hattstedtermarsch | Als Karen Marguerite Moloney in Kalifornien die Volksschule besuchte, sollten die Schüler dort eines Tages auf einer Karte ihre Lieblingsorte zeigen. Für sie war dies ein fantastischer kalifornischer Strand - und Schobüll in Nordfriesland, nördlich von Husum gelegen.

"Ich bin nie zuvor da gewesen, doch ich wusste, dass meine Großmutter mütterlicherseits von dort stammt, und das hat mich schon damals sehr interessiert", erzählt Karen Marguerite Moloney, die heute eine Professur an einer Universität in Salt Lake City im US-Staat Utah innehat.

Sie wusste, dass die Schwester ihrer Großmutter, Bertha, noch lebte, und nachdem sie jeden Cent für die Reise zusammengekratzt hatte, fuhr sie 1972 zum ersten Mal nach Nordfriesland, wo sie drei Wochen verlebte.

"Schnell wurde ich ein Teil der Familie", erzählt sie.

Nachfolgend reiste sie häufiger nach Nordfriesland und dorthin, wo sie Informationen über ihre Familie fand. Die Familiengeschichtsforschung erfreut sich in den USA, wo sich unter anderem die Mormonen in Utah intensiv mit der Ahnenforschung befassen, großer Beliebtheit.

"Die Vorfahren fast aller Menschen in den USA stammen aus anderen Ländern, daher genießt dieses Thema dort ein enormes Interesse", erzählt Karen Marguerite Moloney.

Wie sich herausstellte, ist ihre Großmutter im Jahr 1898 in die USA ausgewandert. Es gab elf Kinder in der Familie, und viele von ihnen waren bereits ausgewandert, so wie es damals viele Familien im Landesteil taten, als Nordfriesland ebenso wie ganz Südschleswig von Preußen regiert wurde.

Die Großmutter sprach Friesisch, Hochdeutsch und Plattdeutsch - in den USA erlernte sie die englische Sprache.

"Sie lernte meinen Großvater kennen, dessen Eltern auch aus Deutschland stammen und die noch die deutsche Sprache beherrschten. Die beiden ließen sich auf einer Farm in Nebraska nieder", schildert Karen Marguerite Moloney.

Ihr Interesse an der Ahnenforschung wurde mit dem Stammbaum eines Onkels geweckt, den dieser erstellt hatte. Der Stammbaum zeigte, dass die Familie auch Wurzeln in Deutschland und Irland hat. "Nordfriesland und ich - das war Liebe auf den ersten Blick. Ich radelte nach Husum und schaute mir dort die alten Häuser an. Für Europäer sind diese eine Selbstverständlichkeit; wir in den Staaten aber haben nicht viele alte Häuser. Mit dem Rad erkundete ich die Nordseeküste, und in der Kirche von Hattstedt begann ich mit meiner Familienforschung", erzählt Karen Marguerite Moloney.

Wie sich herausstellte, lebte die Familie ihrer Großmutter bereits seit mehr als 500 Jahren in der Gegend - die meisten ihrer Mitglieder in der Hattstedtermarsch. Und noch heute wird ein Großteil der Häuser an der Straße Sterdebüll in der Hattstedtermarsch zum Teil von fernen Nachfahren derselben Familie bewohnt. Nach 1972 hat Karen Moloney Nordfriesland zwölf- bis 13-mal besucht, und jedes Mal hat sie sich dort willkommen gefühlt.

"Nach Nordfriesland zieht es mich immer wieder: Es sind die Deiche, die Felder, die frische Luft und die Familie, die mich nicht loslassen", verrät die Professorin aus Utah.

Sie forscht, genießt es, in Nordfriesland zu sein - und sie hat die Genugtuung erfahren, dass eine amerikanische Literaturzeitschrift einen umfassenden Artikel über Teilergebnisse ihrer Forschung angenommen hat. Die Nordfriesen werden gleichfalls in den Genuss von Karen Marguerite Moloneys Forschung kommen. In Verbindung mit dem Nordfriesischen Sommer-Institut wird sie am 31. Juli um 19.30 Uhr im "Nordfriisk Instituut" in Bredstedt einen Vortrag unter dem Titel "Vom Finden meines friesischen Selbst" halten. "Ich erwäge auch, mir hier ein Haus zu kaufen, und wenn ich mal in Rente gehe, werde ich mich vielleicht sogar hier niederlassen: Dann wird sich der Kreis wieder schließen. Wir werden sehen!", sagt Karen Moloney.

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