zur Navigation springen

BIBLIOTHEKEN : Am Drehkreuz für Lesestoff

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am 24. Oktober feiert Deutschland den Tag der Bibliotheken. Grund genug, einen Blick in das Herz der Büchereien im Land zu werfen.

Wenn Herr Festersen in Schnarup-Thumby (Kreis Schleswig-Flensburg) in den Bücherbus steigt und sich die Reich-Ranicki-Biografie bestellt, bekommt Jonny Voß an seinem Flensburger Schreibtisch eine E-Mail und sein Job fängt an. Er sitzt in einem hellen Klinkerbau in der Waitzstraße, in dessen Inneren sich so etwas wie der Hamburger Hafen für das Büchereiwesen im Land versteckt – die Leihverkehrs- und Ergänzungsbibliothek, kurz: LEB. Oder: „der große Player“, wie es deren Leiter, der Diplom-Bibliothekar Oke Simons, beschreibt.

„Wir sind eine Art Zentralbibliothek für alle öffentlichen Büchereien im Land“, erklärt der 44-jährige Bibliothekar. Der Einrichtung liegt das Prinzip Mehrwert durch Teilen zu Grunde. Ganz klar, dass vor allem kleine Bibliotheken und die Bücherbusse nur einen begrenzten Bestand an Romanen, Hörbüchern & Co. bereithalten können. Die LEB sorgt dafür, dass auch die Einwohner in Bad Bramstedt, St. Peter-Ording und Oxbüll mit ihren Wünschen versorgt werden können, indem sie den Leihverkehr der öffentlichen Büchereien im Land koordiniert, über einen Fahrdienst den Austausch von Medien ermöglicht und ergänzend rund 135 000 Medien in einem riesigen Magazin bereithält – daher der zweite Namensteil „Ergänzungsbibliothek“.

Damit Herr Festersen aus Schnarup-Thumby zu seiner gewünschten Lektüre kommt, muss Jonny Voss den Aufzug in die zweite Etage des Magazins nehmen und per Drehgriff riesige Regale zur Seite befördern. Auf Schienen gleiten die sogenannten Kompaktregale geräuschlos und wie auf Butter zur Seite, die oberste Regalreihe nur knapp unter der niedrigen Betondecke. Der Verwaltungsangestellte arbeitet seit 25 Jahren in der LEB und muss im Magazin nicht lange suchen, bis er den Wälzer in der Hand hält und den Bestellzettel einlegt. „Bis zu 550 Bestellungen pro Woche stelle ich zusammen“, erzählt er. Übrigens lagern in der Waitzstraße nicht nur Bücher und AV-Medien, sondern auch Bilderbuchkinos sowie Playstations samt Spielen.

Nach der Verbuchung am Schreibtisch geht’s in den Packraum mit Dutzenden Regalfächern und großen blauen Kisten, die mit Ortsnamens-Schildern versehen sind – das Versandzentrum, von wo aus der Fahrdienst die Bestellungen in die zahlreichen Bibliothekstandorte im Land kutschiert. In diesem Fall nach Tarp, von dort reist die Reich-Ranicki-Biografie per Bücherbus nach Schnarup-Thumby. „Damit leisten wir einen wichtigen Teil zur gleichberechtigten Wissensversorgung“, sagt Simons. Und die steht immerhin im Grundgesetz.

Auf die LEB kann der Norden stolz sein – denn die Einrichtung ist bundesweit einzigartig. Die zentrale Struktur des Bibliothekswesens habe sich Schleswig-Holstein von Dänemark abgeguckt, erklärt der 44-Jährige und lobt das System auch im internationalen Vergleich als „sehr gut organisiert“.

Nicht nur der regionale Leihverkehr wird von hier aus koordiniert, sondern auch Fernleih-Bestellungen – ob der Notensatz aus Kopenhagen oder der wissenschaftliche Aufsatz aus Zürich, für den sich ein Schleswig-Holsteiner interessiert. Das dauere dann natürlich eine Weile länger. Daneben bieten Oke Simons und sein Team aus elf Mitarbeitern viele Service-Leistungen: Themenrecherchen oder die Zusammenstellung von Medienboxen für Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime.

 

 

Am Tag der Bibliotheken (Donnerstag, den 24. Oktober) sowie am kommenden Wochenende finden in zahlreichen Büchereien in Schleswig-Holstein Workshops, Lesungen und Aktionen statt.

Weitere Informationen und das Programm im Internet unter: www.treffpunkt-bibliothek.de/veranstaltungen/veranstaltungskalender/

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 20.Okt.2013 | 15:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen