Alte Liebe rostet nicht: "Tanker" fährt noch heute

Faszinierend für jeden Technik-Freak: Ein Blick auf den Arbeitsplatz des Fahrers.
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Faszinierend für jeden Technik-Freak: Ein Blick auf den Arbeitsplatz des Fahrers.

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06. November 2009, 10:06 Uhr

Husum | Als Jürgen Bruhn (53) den Dieselmotor seines wuchtigen, blank geputzten "Magirus F Mercur" startet, bekommt Harald Ewert glänzende Augen. "Das ist ein Sound - eben unser alter ,Tanker", ruft der 61-Jährige. Der "Tanker", das ist ein Feuerwehr-Oldtimer, der nicht den Eindruck macht, als sei er jemals in Gebrauch gewesen: 150 Pferdestärken und ein Wassertank, der 2400 Liter fasst. Ewert war von 1987 bis 2004 Wehrführer in der Gemeinde Schobüll, das 2007 zum Ortsteil der nordfriesischen Kreisstadt Husum wurde. Just in dem Jahr, als der heutige Ehrenwehrführer in die Jugendfeuerwehr Schobüll eintrat, nämlich 1963, ist das Fahrzeug angeschafft worden. "Ich bin damit groß und alt geworden", sagt der Husumer schmunzelnd. Gleichzeitig mit seinem Abschied ist auch das 1963 gebaute Einsatzfahrzeug, das nie versagt hat, außer Dienst gestellt worden.

Da kam Jürgen Bruhn ins Spiel. Der Ingenieur und Hobby-Bastler, ein Sammler alter Traktoren, fackelte nicht lange. Er kaufte der Wehr das Fahrzeug vor fünf Jahren mitsamt Ausrüstung ab - darunter noch eine alte Holzleiter. "Platz hatte ich in meiner Halle in Hattstedt. Und da das Auto auch mich irgendwie immer begleitete, konnte ich es nicht übers Herz bringen, es verschrotten oder verkaufen zu lassen", erzählt der Husumer. "Ich war nie in der Feuerwehr. Aber bei jedem Biikebrennen war ich dabei, habe zugeschaut, wie die Männer die Technik bedienten", erzählt Bruhn. Schon als Vierjähriger, so erinnert er sich, hat er seinem Großvater erklärt, welches Fahrzeug da gerade vorbeigefahren ist.

Damals hat er sich nebenbei Geld in der Landwirtschaft verdient - und da ist auch Trecker fahren drin gewesen. Aus seinem Kindheitstraum, Lkw-Fahrer zu werden, ist dann allerdings nichts geworden. Doch dafür hat sich Bruhn den Traum erfüllt, ein nicht alltägliches Auto zu besitzen. Gerne fährt der selbstständige Ingenieur kurze Strecken mit dem "Oldie" - zur Entspannung, wie er es empfindet. Regelmäßig präsentiert er den Wagen zu Feuerwehr-Anlässen in der Region. "Die Kinder haben ihren Spaß, wenn sie auch mal an die Spritze dürfen, denn die Pumpe ist einsatzfähig." Und wenn irgendwann doch etwas kaputt gehen sollte, findet der stolze Besitzer auf dem "internen Markt" der Hobby-Tüftler das richtige Ersatzteil. Aber was soll schon schief gehen? Bruhn: "33 000 gelaufene Kilometer - das ist doch noch gar nichts."

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