Interview : Als Mensch leuchten

Sarah MacLachlan nimmt sich stets vor, es morgen besser zu machen.
Sarah MacLachlan nimmt sich stets vor, es morgen besser zu machen.

Singer/Songwriter Sarah MacLachlan über den Tod, das Leben und die Liebe.

shz.de von
15. Juni 2014, 15:52 Uhr

Sie haben sich in mehreren Liedern Ihres Albums „Shine On“ mit dem Tod Ihres Vaters auseinandergesetzt.
Als er gestorben ist, war das natürlich ein einschneidendes Ereignis für mich. Meine Familie und ich haben seine Asche im Meer verstreut. Ich bin dann mit seinen sterblichen Überresten durchs Wasser geschwommen, weil ich meinem Dad in diesem Moment so nah wie möglich sein wollte. Es fiel mir nicht leicht, ihn loszulassen.

Hatten Sie ein sehr enges Verhältnis zu ihm?
Mein Vater war mein Rettungsanker, er hat mich bedingungslos geliebt. Ich wusste, dass ich in jeder Situation auf ihn zählen konnte. Dieses Gefühl versuche ich jetzt an meine beiden Töchter weiterzugeben.

Heißt das, Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft?
Ehrlich gesagt haben meine Älteste und ich nicht das einfachste Verhältnis. Sie ist ziemlich streitsüchtig, damit macht sie es mir als Mutter oft schwer. Andererseits erden mich die ständigen Auseinandersetzungen mit ihr. Wenn sie mir meine Fehler vorhält, weiß ich: Ich habe keinen Grund, abzuheben.

Fühlen Sie sich in dieser Situation schlecht?
Ich bin duldsamer geworden – mit ihr und mit mir selbst. Sicherlich gibt es Tage, an denen alles schiefläuft und ich mich nicht gerade für eine Super-Mami-Auszeichnung qualifiziere. Das verzeihe ich mir, indem ich mir vornehme, morgen alles besser zu machen.

Ist das Ihre Lebensphilosophie?
Irgendwie schon. Ich habe gelernt, dass es nichts bringt, sich an Wut oder Frustration zu klammern. Als mein Bruder Krebs bekommen hat, wurde er richtig verbittert. Er konnte sich keinen Millimeter von seinem Groll lösen, deswegen ging es ihm immer schlechter. Mein Vater war da völlig anders. Er trat seiner Krankheit würdevoll entgegen und nutzte wirklich jeden Moment bis zu seinem Tod.

Inspirieren Sie als Songschreiberin eigentlich nur solche dunklen Augenblicke?
In einigen Stücken stecken durchaus positive Emotionen. „The Sound That Love Makes“ ist zum Beispiel ein Liebeslied. Obwohl ich niemals damit gerechnet hätte, habe ich mich nach meiner Scheidung tatsächlich wieder verliebt. Das hat mir gezeigt: Ich möchte auch in der zweiten Hälfte meines Lebens nicht bloß irgendwie über die Runden kommen, sondern als Mensch leuchten und strahlen.

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