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Kommentar : „All in!“: Habecks gefährlicher Poker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der grüne Minister riskiert alles - und setzt alles auf Berlin. Ein Kommentar von Peter Höver.

Der Mann pokert hoch. Und zwar im Wortsinn. „All in!“, nennt Robert Habeck das. Er wirft sein Amt als Minister in die Waagschale, dazu die sichere Aussicht auf ein Mandat im Kieler Landtag nach der Wahl im Mai 2017. Habeck, der Super-Pragmatiker auf dem Posten des Energie-, Umwelt- und Agrarministers im Norden, will höher hinaus. Vielleicht, weil es ihm zwischen den Meeren zu eng geworden ist. Vielleicht auch, weil die Arbeit im Kabinett eines seit langem auffällig unauffällig agierenden Regierungschefs mittlerweile eher politische Langeweile bedeutet als Herausforderung. Er will Politik machen, wo „seine“ Themen „gesamtstaatlich und europäisch entschieden werden“. Habeck will nach Berlin.

Im Mai hatten sie ihm dafür schon den Rücken gestärkt – beim Landesparteitag in Lübeck. Bei der Delegiertenkonferenz in Neumünster Ende April setzt Habeck nun auf ein „deutliches und kraftvolles Votum“. Ob das hilft, gegen Konkurrenten wie Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter und – demnächst gewiss auch – Parteichef Cem Özdemir das Rennen zu machen, ist eine offene Frage. Klar ist nur: Schleswig-Holstein ist ein winziger Landesverband. Die Entscheidung über die Spitzenkandidatur fällt nicht bei gut 2000 Mitgliedern zwischen Nord- und Ostsee. Da sind Landesverbände wie Nordrhein-Westfalen oder Bayern davor.

So ambitioniert Habeck ins Rennen geht gegen das Berliner Duo, so hartnäckig hält sich die Theorie, die Parteilinke hätte das Nordlicht ins Spiel gebracht, um den Superrealo Özdemir zu verhindern.

Habeck gleichsam als „kleineres Übel“? Im Ergebnis könnte diese Rechnung sogar aufgehen. Wenn sich Habeck und Özdemir bei der Urwahl kannibalisieren, dürfte Hofreiter der lachende Dritte und damit zweite Spitzenkandidat sein. Habecks „All in“ ist dann zwar sicher nicht das Ende aller Ambitionen. Eine weitere Verwendung als Minister aber wäre dann abhängig von der Gnade seiner Landespartei.

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