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Landtagswahl im Mai 2017 : Albig vs. Liebing: Das sind die Pläne der beiden Spitzenkandidaten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Jahr vor der Landtagswahl bringen sich Ministerpräsident Torsten Albig von der SPD und sein CDU-Herausforderer Ingbert Liebing in Position.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2016 | 09:34 Uhr

Kiel | Torsten Albig genießt. Lässig sitzt der schleswig-holsteinische Regierungschef in einem Sessel in seinem Amtszimmer und löffelt ein Eis. Man könnte im doppelten Sinne sagen, dass der Regierungschef ein Jahr vor der Landtagswahl cool bleibt, dabei sind die Meinungsumfragen eher heiter bis wolkig – so wie das Wetter draußen über der Kieler Förde.

Zwar hätte die Küstenkoalition aus SPD, Grünen und SSW heute noch eine knappe Mehrheit, aber Albig sagt selbst: „Die Wahl wird knapp ausgehen und erst auf den letzten Metern entschieden.“

Am 7. Mai 2017 sind die rund 2,8 Millionen Schleswig-Holsteiner aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Schon jetzt wissen die Bürger relativ genau, wen sie wählen können, denn die Parteien haben sich und ihre Spitzenkandidaten früh aufgestellt.

Albig setzt auf „kurz und knackig“

Es sei klug, als Amtsinhaber so lange wie möglich „Regierung zu sein und nicht so schnell in den Wahlkampfmodus zu wechseln“, meint Albig. Deshalb werde seine Kampagne kurz und knackig sein. „Für einen Herausforderer ist das natürlich um einiges schwerer.“

Der, für den es schwer wird, und den Albig nur „meinen Gegenkandidaten“ nennt, ist Ingbert Liebing von der CDU. Früh hat der 52-jährige Bundestagsabgeordnete seinen Hut in den Ring geworfen. Nach den vielen parteiinternen Querelen der Post-Peter-Harry-Carstensen-Jahre galt Liebing nur kurz als Hoffnungsträger, der vom glücklosen Reimer Böge den Parteivorsitz übernahm. Und obwohl er schnell deutlich machte, im kommenden Jahr auf jeden Fall sein Bundestagsmandat aufzugeben und nach Kiel zu wechseln, wird die CDU die Personaldebatten nicht los.

In der Partei ist es ein offenes Geheimnis, dass viele Daniel Günther für den geeigneteren Kandidaten halten. Doch der Fraktionschef leugnet bislang öffentlich alle Ansprüche auf Parteivorsitz und Spitzenkandidatur, steht solidarisch zu seinem Parteichef. Günther weiß, dass die Zeit für ihn läuft. Bei einer möglichen Niederlage Liebings wäre er zwangsläufig die unangefochtene Nummer eins in der schleswig-holsteinischen CDU.

Liebing: Diese drei Themen werden zur Chefsache

Wird Liebing aber Ministerpräsident, will er drei Dinge zur Chefsache machen. Neben der A 20 will er die innere Sicherheit stärken, fordert dafür auch mehr Polizisten. „Es kann nicht sein, dass wir steigende Einbruchszahlen und niedrige Aufklärungsquoten haben.“ Deswegen wolle er eine „Task-Force“ zur Verhinderung von Wohnungseinbrüchen gründen. Dazu fordert Liebing eine Unterrichtsgarantie für Schüler. Es könne nicht sein, dass die Schüler in Bayern deutlich mehr Unterricht bekämen als die in Schleswig-Holstein. „Und ja, um das zu ändern, werden wir auch mehr Lehrer brauchen“, sagt der Spitzenkandidat.

Albig verfolgt einen Masterplan

Auch Albig will „hundert Prozent Unterrichtsversorgung“. Dazu setzt er auf das am Dienstag vorgestellte Landesentwicklungsprogramm 2030 – eine Art Masterplan für Schleswig-Holstein, in dem geregelt wird, wie im Norden die ländlichen Räume gestärkt werden oder der Ausbau der Breitbandversorgung laufen soll. Dazu verspricht Albig bis 2030 eine komplett sanierte Infrastruktur im Land – und die kostenfreie Kita in zehn Jahren. „Dafür müsste ich dann aber gleich ein paar Mal wiedergewählt werden“, sagt er lachend.

Schneller soll es mit der A 20 gehen. Albig gibt sich dabei auch selbstkritisch: „Ich gebe zu, dass ich nicht gedacht hätte, dass Fledermäuse einen Autobahnbau so lange aufhalten können.“ Davon, das Projekt in der Staatskanzlei zur Chefsache zu machen, wie es Liebing will, hält Albig wenig. „Detailplanungen gehören in die Ministerien.“ Wer solche zu Chefsachen mache, habe keine Ahnung von Regieren, meint Albig, dem Kritiker vorwerfen, er führe nicht.

Albig lacht, wenn er solche Sätze hört. „Führung ist immer dann besonders gut, wenn sie geräuschlos ist. Wer dauernd auf den Tisch haut, der ist doch ein Kasper.“ Sein Team arbeite erfolgreich, weil er ihm viel Raum lasse. „Und sie machen ziemlich präzise das, was ich möchte, also warum soll ich daran etwas ändern?“

Ob die Wähler etwas daran ändern wollen, bleibt unklar. Bislang liegen CDU und SPD in den Umfragen gleich auf. Liebing will jedenfalls die CDU so stark machen, „dass gegen uns keine Mehrheitsbildung möglich ist“. Die FDP sei „der natürliche Partner“ der Union, aber auch andere Koalitionen will er nicht ausschließen.

Albig will – wen wundert es – die Küstenkoalition fortsetzen. „Ich übernehme Verantwortung für das Land.“ Aber gibt es Albig deswegen nur als Ministerpräsidenten? Der Regierungschef steckt den Löffel nochmal in seinen Eisbecher und sagt dann fast ein wenig zu cool: „Mein Verantwortungsgefühl endet ja nicht, wenn ich nicht mehr Ministerpräsident bin.“

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