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Atommeiler im Kreis Steinburg : AKW Brokdorf darf nur im abgesicherten Modus wieder ans Netz

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Die Atomaufsicht stimmt der Beladung eines neuen Reaktorkerns unter bestimmten Bedingungen zu.

Brokdorf | Das Atomkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg) an der Unterelbe darf nur mit gedrosselter Leistung wieder ans Netz. Diese Konsequenz aus ungewöhnlich schneller und starker Korrosion an Brennstäben verkündete Energieminister Robert Habeck (Grüne) am Montag in Kiel. Das Zusammenwirken mehrerer Faktoren habe zu der auffälligen Oxidation geführt. Außer dem Hüllrohrmaterial seien dies eine erhöhte Leistung sowie ein immer häufigeres schnelles Hoch- und Runterfahren des Reaktors. Unter der Voraussetzung, dass die Leistung und der sogenannte Lastfolgebetrieb reduziert werden, habe die Atomaufsicht nun der Beladung eines neuen Reaktorkerns zugestimmt.

Mit dieser Entscheidung ist noch nicht automatisch die Zustimmung zum Wiederanfahren verbunden.

„Der Betreiber PreussenElektra dreht jetzt das Rad elf Jahre zurück und stellt die Anlage auf den Betrieb von vor 2006 ein“, gab Habeck an. Für diese Zeit gebe es eine gesicherte Betriebserfahrung mit dem betroffenen Hüllrohrmaterial. „Brokdorf fährt künftig also im abgesicherten Modus“, sagte Habeck. Die Leistung werde auf 95 Prozent reduziert und die Lastwechselgeschwindigkeit halbiert. „Damit wird sicher verhindert, dass sich die überaus starke Oxidation wiederholt und die Grenzwerte überschritten werden.“

Im Februar waren im Zuge der Jahresrevision Oxidschichten an Brennstäben festgestellt worden, die nicht nur dicker waren, sondern auch schneller und an anderen Stellen auftraten als erwartet. Seitdem ist der Reaktor nicht am Netz. An einigen Brennstäben wurden die Grenzwerte deutlich überschritten. Von 5405 vermessenen Brennstäben in 92 sogenannten M5-Brennelementen wiesen 464 erhöhte Oxidbefunde unterhalb des Grenzwertes auf. In drei Brennelementen an zehn Brennstäben wurden erstmals Oxidschichtdicken über dem Grenzwert festgestellt.

Für Habeck ist der Fall Brokdorf ein Beleg für die These, dass Atomkraft „die falsche Technologie“ sei und dass sie nicht mehr benötigt werde. „Atomstrom verstopft das Netz.“ Kaum jemand werde bemerkt haben, dass das Akw Brokdorf seit Februar nicht mehr am Netz sei.

Die Anlage hat eine Restlaufzeit bis 2021. Es gebe aber Vermutungen, dass die Reststrommenge der Anlage dafür nicht ausreicht, sagte Habeck. Für April 2018 ist die nächste Revision geplant. Dann wird nachgesehen, ob die Auflagen Abhilfe geschaffen haben. Oder wie der Leiter des Atomaufsicht sagte: „Dann wird nachgemessen.“

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erstellt am 17.Jul.2017 | 14:17 Uhr

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