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AktivRegion Südliches Nordfriesland : Die weltgrößten Bauernhäuser

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Die IG Baupflege der Aktivregion Südliches Nordfriesland setzt sich besonders stark für den Erhalt historischer Haubarge ein.

Einst gab es rund 400 Haubarge auf Eiderstedt. Haubarge sind die weltweit größten Bauernhäuser und bieten unter ihren gewaltigen Reetdächern Lagerplatz für Heu und ungedroschenes Korn. Um diesen Gulf, also dem Zentrum, gruppieren sich Stallungen und Wohnräume. Die Dreschtenne, auch Loh genannt, liegt in einem Seitenflügel.
Stabilität erhält das Bauernhaus durch eine gewaltige Holzständerkonstruktion, deren tragende Balken eine Mächtigkeit bis zu 50 mal 50 Zentimeter haben können. Sollte eine Sturmflut die Außenmauern zerstören, bliebe der obere Teil des Haubargs beinahe unbeeinträchtigt. Entstanden sind die Haubarge einst auf Eiderstedt durch den Einfluss der Niederländer im 17. Jahrhundert.
"Da ging schon eine Menge Geld und Arbeit rein."
Hans-Georg Hostrup ist Besitzer eines Haubargs. Der "Blumenhof" bei Tating ist schon seit Generationen im Familienbesitz, längst wurde die Landwirtschaft aber aufgegeben. Hans-Georg Hostrup übernahm ihn in den 1980er Jahren von seinen Eltern. "Und damit natürlich auch eine gewaltige Verantwortung, denn so ein großes traditionelles Gebäude zu erhalten ist schon eine Mammutaufgabe", so der"Blumenhof"-Eigentümer. Ende der 1980er Jahre, im Rahmen eines Umnutzungskonzepts, stellte er den Blumenhof auf "neue Beine", und ließ ihn in den einstigen Ursprungszustand zurückbauen. Zusätzlich ließ er einige Ferienwohnungen einbauen. 1990 kam das Blechdach wieder runter, der "Blumenhof" wurde wieder ganz traditionell mit Reet gedeckt. "Rund 1700 Quadratmeter Dachfläche hat der Haubarg, da ging schon eine Menge Geld und Arbeit rein!"
Der eigene Haubarg trug bei Hans-Georg Hostrup aber weitere Früchte. Der Tatinger begann sich für Baukultur und -pflege zu interessieren, engagierte sich zunehmend in der Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland und Dithmarschen, deren Vorsitzenderer inzwischen ist. "Wir betrachten es als unsere Aufgabe die historisch gewachsene Kulturlandschaft und das darin eingebettete historische Bauerbe vor leichtfertiger Zerstörung zu schützen und ihre Erhaltung zu fördern", so Hostrup. Darüber hinaus solle die Landschaft vor einer flächendeckenden Beanspruchung für erneuerbare Energie-Anlagen bewahrt werden, fügt er hinzu.
Beinahe alle Fördermittel wurden rigoros gekürzt
Tatsächlich wurden nach Jahrzehnten intensiver Maßnahmen zum Erhalt traditioneller Gebäude in den ländlichen Räumen Schleswig-Holsteins beinahe alle öffentlichen Mittel rigoros gekürzt. "Die Bau- und Denkmalpflege hat zurzeit nur noch eine schwache Lobby", so Hostrup. Dabei würde selbst ein ganz kleines Förderprogramm schon große Wirkung bei den privaten Eigentümern zeigen, ist der IG Baupflege-Vorsitzendesicher.
"Wir sind aber sehr dankbar, dass wir jetzt gemeinsam mit der AktivRegion südliches Nordfriesland eine Studie in Auftrag geben können, um zu ermitteln, welcher Mittelbedarf zum Erhalt der traditionellen Gebäude in dieser Region notwendig ist. Wenn wir diese Bestandsaufnahme abgeschlossen haben, können wir auch Forderungen an ein neues Förderprogramm formulieren." Für Hostrup ist klar, dass Baukultur auch etwas mit erfolgreichem Tourismus und damit auch mit wirtschaftlicher Prosperitätin der Region zu tun hat. Nur wenn die Menschen durch eine intakte Kulturlandschaft angezogen werden, kommen sie auch hierher, um ihre Ferien in schöner Landschaft zu verbringen."

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erstellt am 13.Sep.2010 | 04:07 Uhr

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