zur Navigation springen

Kontrollen in SH und MV : Aktion „Spürhund“: Wie die Bundespolizei gegen Schleuser kämpft

vom

160 Beamte, 1800 Kontrollen: Bei einer zweitägigen Kontrolle hat die Bundespolizei nach Menschenschmugglern gefahndet.

Schleswig | Jan L. und Michael S. kämpfen in Turnschuhen und Jeans gegen Menschenschmuggel. Die beiden Zivilfahnder haben sich in ihrem schwarzen Mercedes an einer Raststätte an der A7 nahe Schleswig auf die Lauer gelegt. Binnen Sekunden müssen die 49- und 50-jährigen Bundespolizisten entscheiden, ob sie einen der vorbeibrausenden Wagen für verdächtig halten. Ein älterer grauer Peugeot, abgedunkelte Scheiben, fährt vorbei. Michael S. gibt Gas.

Für manche Schleuser ist der Menschenschmuggel ein lohnendes Geschäft. Experten sprechen von organisierter Kriminalität.

Die Zivilstreife ist Teil einer groß angelegten Kontrolle der Bundespolizei: 160 Beamte in Autos, auf Schiffen und aus einem Hubschrauber heraus haben am Mittwoch und Donnerstag beim Einsatz „Spürhund“ zwei Tage lang in Schleswig-Holstein und im Westen Mecklenburg-Vorpommerns nach Schleusern gesucht. Rund 400 Autos und Lkw, 27 Fernbusse, 38 Züge und 17 Schiffe haben sie überprüft. Statt auf große Kontrollpunkte setzten sie dabei auf dezentrale Überwachung. „Auch um die kleinen Grenzübergänge in den Blick zu nehmen“, sagte Bundespolizeisprecher Matthias Menge.

Zwar kommen längst nicht mehr so viele Flüchtlinge nach Deutschland wie 2015 und 2016. „Wir haben es aber weiterhin mit illegaler Migration zu tun, trotz Grenzkontrollen“, so Menge. Um sie zu umgehen, vertrauen Menschen ohne Papiere oft auf illegale Schleuser. „Der Einsatz war notwendig, um das Dunkelfeld im Bereich der illegalen Migration aufzuhellen“, sagte Bodo Kaping, Präsident der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, zu der Aktion. Es geht um Bewegungen, Routen und Taktik der Schleuser.

Auch vom Hubschrauber aus geht die Bundespolizei gegen Schleuser und deren Hintermänner vor.

Auch vom Hubschrauber aus geht die Bundespolizei gegen Schleuser und deren Hintermänner vor.

Foto: dpa
 

Die Kelle zum Anhalten hat Oberkommissar L. fest im Griff. Einen Abgleich des dänischen Kennzeichens an dem Peugeot haben sie bei ihren Kollegen angefordert. „Negativ“, knarzt es aus dem Funkgerät. So wie das Fazit der beiden Beamten, als sie den Wagen überholen.

Offenbar ein älteres dänisches Paar auf dem Weg in den Urlaub, urteilt S. - und lässt sich mit dem Wagen zwischen zwei Lkw im Verkehr treiben. Wonach der gebürtige Flensburger auswählt? Kennzeichen, Autotyp, auf ein Raster lässt er sich nicht festlegen. Erfahrung, sagt er, sei das wichtigste.

2015 kümmerten er und seine Kollegen sich um Flüchtlinge am Flensburger Bahnhof. S. und L. wurden beide jeweils auch für ein paar Wochen nach Rosenheim abkommandiert, als noch stündlich Dutzende mit dem Zug aus Österreich ankamen. „Dieses Elend zu sehen, die Menschen aus den Kriegsgebieten, das hat schon bewegt“, erinnert sich S. Doch auch in Schleswig-Holstein habe er bereits eine etwa 20-köpfige Gruppe aus einem Transporter befreit: „Der Schweiß tropfte von der Decke, die Menschen japsten nach Luft. Uriniert hatten sie in Einwegflaschen.“

Solch krasse Fälle illegaler Migration haben die Bundespolizisten bei der Aktion „Spürhund“ nicht aufgedeckt. Unter den rund 1800 insgesamt kontrollierten Menschen, registrierten sie in den Inspektionen Flensburg, Kiel und Rostock insgesamt 21 Verdachtsfälle auf illegale Einreise, drei Haftbefehle wurden vollstreckt. Mehr als sonst unter der Woche, sagt Sprecher Menge. Aber auch: „Nur eine Momentaufnahme.“ Die Menschen ohne Papiere aus vor allem Afghanistan und Irak sollten nun näher befragt werden - um mehr über Routen und Muster der Migration zu erfahren. Künftig solle es auch weitere Fahndungen geben. Über das Schicksal der Menschen entscheiden wiederum die Ausländerbehörden.

Jan L. und Michael S. entdeckten bei ihrer Kontrolle entlang der A7 diesmal keine Menschen ohne Papiere oder Schleuser - bloß litauische Handwerker auf dem Heimweg oder eine Familie aus Nigeria.

zur Startseite

von
erstellt am 07.Apr.2017 | 10:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen