Fast 400 Kilo Cannabis produziert : Aktenpanne? Prozess mit 13 Angeklagten bis Mitte September unterbrochen

13 Angeklagte traten am Montagmorgen im Oberlandesgericht in Schleswig an ihren Prozess mit 16 Anwälten an.

13 Angeklagte traten am Montagmorgen im Oberlandesgericht in Schleswig an ihren Prozess mit 16 Anwälten an.

13 Männer müssen sich wegen Drogendelikten vor Gericht verantworten. Der erste Prozesstag endete unerwartet.

shz.de von
27. August 2018, 07:30 Uhr

Flensburg/Schleswig | Der Cannabisprozess gegen 13 Angeklagte am Landgericht Flensburg ist am Montag bereits am ersten Verhandlungstag unterbrochen worden. Eventuell muss die Verhandlung auch neu aufgerollt werden. Hintergrund ist der Antrag von Verteidigern auf Aussetzung der Verfahrens. Sie monierten, dass sie nicht alle Akten erhalten und einige Prozessteilnehmer einen Wissensvorsprung hätten. Dies habe sich am ersten Verhandlungstag herausgestellt. Da die Kammer den Aktenumfang selbst nicht kennt, will sie am 10. September ihre Entscheidung über den Antrag auf Aussetzung verkünden. Eventuell reiche auch eine Unterbrechung, um den Kenntnisstand anzugleichen, sagte der vorsitzende Richter.

Am Vormittag hatte Oberstaatsanwalt Thorkild Petersen-Thrö die Anklageschrift verlesen. Die Staatsanwaltschaft Flensburg wirft den beiden Hauptangeklagten vor, spätestens 2008 übereingekommen zu sein, gemeinsam mit anderen arbeitsteilig in größeren Mengen Cannabis anzubauen und zu verkaufen. Sie sollen fünf der weiteren Angeklagten angesprochen und ihnen den Betrieb einer Plantage schmackhaft gemacht haben. Einer der beiden Hauptangeklagten hat sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft um die Suche nach passenden Örtlichkeiten und die Finanzierung der Plantagen gekümmert. Der andere habe den Aufbau der Zucht in technischer Hinsicht betreut und die Plantagenbetreiber unterwiesen. Aufgrund von Erfahrungen in der Vergangenheit sei er in der Lage gewesen, Pflanzen mit hohem Wirkstoffgehalt in den Blüten zu züchten, sagte Petersen-Thrö.

Plantagen übers Land verteilt

Insgesamt wurden 210 Taten angeklagt. In den Jahren 2008 bis 2016 sollen fast 400 Kilogramm Cannabis produziert worden sein. Die Plantagen wurden der Anklage zufolge beispielsweise in Garagen, auf Heuböden oder auch in zusammengeschweißten Lkw-Containern in Flensburg, in verschiedenen Orten im Kreis Schleswig-Flensburg und in einem Ort im Kreis Rendsburg-Eckernförde errichtet. Die Plantagenbetreiber sollen sich bei der Ernte untereinander geholfen haben. Drei weitere Angeklagte haben nach Ansicht der Anklage das Cannabis regelmäßig abgenommen und mit Gewinnaufschlägen weiterverkauft.

Die Hauptangeklagten und die Plantagenbetreiber erzielten demnach Erlöse von insgesamt fast 1,5 Millionen Euro. Davon sind den Angaben zufolge die Kosten etwa für Strom, Heizung und Düngemittel abzuziehen. Die drei angeklagten Weiterverkäufer erzielten Erlöse von nahezu zwei Millionen Euro. Auch hier wurden die Aufwendungen – vor allem für die Kaufpreise – noch nicht abgezogen. Die tatsächlichen Gewinne liegen also darunter.

Prozess wegen der Größe nach Schleswig verlegt

Die meisten Angeklagten, darunter die Hauptangeklagten, ließen nach Verlesung der Anklage über ihre Anwälte ankündigen, sich zunächst nicht zur Sache äußern zu wollen.

Die Anwälte des einen Hauptangeklagten erklärten jedoch, ihr Mandat erwarte, freigesprochen zu werden. Sie rügten in einer Erklärung, dass die Vorwürfe – die Finanzierung, die Suche nach Örtlichkeiten sowie das Akquirieren von Plantagenbetreibern – nicht konkretisiert wurden. An keiner Stelle werde beispielsweise gesagt, welche Örtlichkeiten ihr Mandant genau gesucht haben soll, sagte Verteidiger Urs Pause. Ähnlich verhalte es sich bei den anderen Punkten.

Verhandelt wird wegen der Vielzahl an Prozessteilnehmern nicht am Landgericht Flensburg, sondern im Oberverwaltungsgericht in Schleswig. Dort gibt es anders als in Flensburg einen Verhandlungssaal, der groß genug ist.

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