„Schwarzwild-Bestand um 70 Prozent reduzieren“ : Afrikanische Schweinepest in SH: Bauernverband fordert Übungen für den Ernstfall

Für Wildschweine (Foto) und domestizierte Schweine ist eine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest ein Todesurteil, für Menschen ist der Virus harmlos.
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Für Wildschweine (Foto) und domestizierte Schweine ist eine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest ein Todesurteil, für Menschen ist der Virus harmlos.

Die Angst vor der Schweinepest im Norden ist groß. Ein Ausbruch würde Milliardenschäden anrichten. Die Bauern plagen sich noch mit einem weiteren Problem herum.

shz.de von
11. Januar 2018, 11:21 Uhr

Kiel | Der schleswig-holsteinische Bauernverband hat weitere vorbeugende Maßnahmen gegen die bereits in den Nachbarländern Polen und Tschechien nachgewiesene Afrikanische Schweinepest (ASP) gefordert. Notwendig sei auch eine realistische Übung für den Ernstfall, sagte der für fünf weitere Jahre wiedergewählte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz am Donnerstag in Kiel.

Der Erreger ist für den Menschen ungefährlich. Bei Schweinen verläuft die Erkrankung aber in fast allen Fällen tödlich. Mittelfristig sollte ein Impfstoff gegen die Seuche entwickelt werden, forderte der Bauernverband. Eine Einschleppung in Zuchtbetriebe könnte deshalb zu großen wirtschaftlichen Schäden führen. Auch das Ministerium in Schleswig-Holstein ist bereits alarmiert.

Von dem Schweinepest-Gipfel, zu dem Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Freitag in Kiel eingeladen hat, erwartet der Bauernverband konkrete Abwehrmaßnahmen, um ein Eindringen des Virus von Osteuropa nach Deutschland möglichst zu verhindern:

  • Dazu gehöre das Einzäunen sämtlicher Autobahnraststätten, damit Wildschweine dort nicht an Essensreste herankämen.
  • Außerdem müssten insbesondere Lkw-Fahrer sowie Saison- und Pflegekräfte aus Osteuropa sensibilisiert werden - etwa durch aufklärende Informationsschilder, dass keine Essensreste in Mülleimer gehörten, sondern wieder mitgenommen werden müssten. Viele osteuropäische Arbeitskräfte brächten Fleisch oder Wurst aus ihrer Heimat zur Eigenverpflegung mit. Dabei könne sich das Virus etwa in einem Schinken bis zu sechs Monate halten. Daher sollten möglichst kein Fleisch mitgebracht werden, sagte Schwarz.
  • Zudem sollten Lkw-Fahrer ihre Fahrzeuge regelmäßig desinfizieren und ihre Kleidung wechseln. Und in Polen sollten kleine Schweinehaltungen, die etwa noch mit Essensresten gefüttert würden, vermieden werden.
  • Das Füttern von Hausschweinen mit Essensresten sei in Deutschland wegen der Infektionsrisiken streng verboten.
  • Zudem müsse der Bestand des Schwarzwildes vorsorglich um 70 Prozent reduziert werden.

Die Stadt Hamburg hat Wildschweine inzwischen zum Abschuss freigegeben. Ein Problem: Bereits jetzt sei es nahezu unmöglich, Wildschweinfleisch noch zu verkaufen. Der Absatzmarkt sei nahezu zusammengebrochen.

Sollte die Schweinepest in Deutschland ausbrechen, befürchtet der Bauernverband Milliardenschäden für Schweinehalter und die Fleischindustrie. Es würde ein sofortiges Exportverbot für Schweineprodukte aus Deutschland verhängt. Dabei werde in Deutschland 125 Prozent des heimischen Verbrauchs produziert, so dass 25 Prozent exportiert werden müssten. Dieser Bereich – vor allem Bauchfleisch, Ohren, Schwänze oder Innereien – würde wegbrechen. Insbesondere kleinere Schweinebetriebe würden ein Ausbrechen der ASP wirtschaftlich nicht überleben, warnte der Bauernverband.

Angehäufte an Gülle bereitet Probleme

Große Probleme bereitet den Bauern außerdem die seit Monaten angehäufte Gülle, die wegen der ungünstigen Wetterbedingungen nicht ausgebracht werden konnte. „Die Behälter sind zum Überlaufen voll“, sagte Schwarz. Seit dem 15 April 2017 habe es nur eine einzige Woche gegeben, in der weniger als zwei Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sei. Die heftigsten Niederschläge habe es Ende Juni mit 90 Litern gegeben.

Dank einer Sondergenehmigung dürfen vom 16. Januar 00.01 Uhr an Bauern im Norden Gülle ausbringen. Normalerweise herrscht eine Sperrfrist vom 1. November bis 31. Januar. Allerdings dürfen fürs Ausbringen von Gülle Flächen nicht wassergesättigt sein, was aber laut Bauernverband bei vielen Grünflächen noch der Fall ist. Immerhin seien die Amioniak-Emissionen in der Luft bei den herrschenden Temperaturen um den Gefrierpunkt sehr gering, erläuterte Schwarz.

Notwendig seien auf Dauer größere Lagerkapazitäten für Gülle. Der Staat sei gefordert, entsprechende Neubauten finanziell zu unterstützen. Denn viele Bauern könnten dies selber nicht leisten. Schwarz danke dem Landwirtschaftsministerium für seine pragmatische und vorausschauende Haltung beim Thema Gülle.

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