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Gewalt gegen Beamte : Ämter erhöhen Schutz für ihre Mitarbeiter

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Bürger bedrohen Beamte - und das immer häufiger. Verwaltungen in Schleswig-Holstein investieren deshalb in Sicherheitsprogramme und Wachleute.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2013 | 07:54 Uhr

Ratzeburg | Wachmänner, Schulungen, Alarmsysteme – nach den Bluttaten der vergangenen Monate in Kreisverwaltungen rüsten die Behörden jetzt auf. Viele Kreise im Land prüfen derzeit, ob und wie sie ihre Sicherheitssysteme verbessern können. So etwa in Nordfriesland: „Sicherheit ist bei uns ein Thema“, sagt der Sprecher des Kreises, Hans-Martin Slopianka. Es sei wiederholt vorgekommen, dass renitente Bürger Mitarbeiter bedroht hätten. „Da mussten wir auch mal einen Wachmann einsetzen, der den Kollegen über Tage und Wochen  beschützt hat“, so Slopianka. Einen ähnlichen Fall hat es  im Kreis Pinneberg gegeben, die Polizei ermittelt noch.

Auch wenn dies noch Einzelfälle sind, haben Mitarbeiter in Jobcentern oder Verwaltungen immer wieder mit Bürgern zu tun, die ausfällig werden. „Das gab es auch in jüngster Zeit“, so der Sprecher des Kreises Dithmarschen, Björn Jörgensen. Fast alle Verwaltungen haben Alarmsysteme in den Büros installiert, mit denen Mitarbeiter Kollegen zu Hilfe rufen können wenn sie bedroht werden. Gerade hat die Stadt Rendsburg beschlossen, für das System 12.000 Euro zu investieren.

Doch auch diese Sicherung konnte nicht verhindern, dass sich vor einem halben Jahr im Kreishaus in Ratzeburg ein 70-Jähriger vor den Augen des Landrats erschoss. Kaum einen Monat später tötete ein Mann in Hameln zuerst den Landrat, dann sich selbst. Und in Lürschau (Kreis Schleswig-Flensburg) wurde im Mai eine Mitarbeiterin der Zulassungsstelle des Kreises in ihrem Haus von einem 57-Jährigen erstochen, weil sie ihm den Führerschein nicht zurückgeben wollte. Im Kreishaus in Schleswig wurde anschließend im Gedenken an die Kollegin nicht nur ein Kondolenztisch aufgestellt. Natürlich diskutiere man auch Schritte, wie man das Sicherheitsempfinden der Mitarbeiter am Arbeitsplatz verbessern könne, so Landrat Wolfgang Buschmann. Technische Details nannte er nicht. Auch andere Kreisverwaltungen reden nicht gern darüber, um Tätern nicht zu verraten, wie sie sich schützen – so etwa in Steinburg oder Stormarn. Doch einige Kreise prüfen auch bauliche Veränderungen oder Videoüberwachung, etwa Ostholstein.

In vielen Kreisen werden Mitarbeiter geschult, damit sie Konflikte deeskalieren können. Das geschieht vor allem in „sensiblen Bereichen“ wie Ordnungs- oder Jugendämtern, Ausländerbehörden, Veterinärämtern oder eben Zulassungsstellen, weil Bürger dort am häufigsten auffällig werden.

Bei allem Schutz setzen Behörden wie im Kreis Herzogtum Lauenburg, der besonders betroffen war, auf Transparenz: „Wir sind ein offenes Haus und bleiben ein offenes Haus“, so Kreissprecher Karsten Steffen. Und Flensburgs Stadtsprecher Clemens Teschendorf ergänzt: „Absolute Sicherheit gibt es nicht, wenn jemand mit einer Schusswaffe reinkommt, hilft meist auch kein gutes Zureden mehr.“

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