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Schleswig-Holstein

23. August 2017 | 04:51 Uhr

Frischlingszeit : Achtung Wildschweine!

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Deutsche Wildtier-Stiftung warnt Spaziergänger: Derzeit sind viele Muttertiere mit Frischlingen unterwegs.

Das junge Pärchen in Lübeck hat Schwein gehabt. Die beiden Abiturienten hatten sich ein lauschiges Plätzchen im Schilf an der alten Trave gesucht. Da stand eine Bache mit Frischlingen vor ihnen – wütend und auf Angriff gepolt. Das Paar entkam an diesem Nachmittag des 11. Juli vergangenen Jahres nur mit einem Sprung ins Wasser. Schwimmend retteten sich beide ans andere Ufer.

Wenn Wildschwein-Bachen Frischlinge bei sich haben, sind sie gefährlicher als sonst. Man sollte ihnen nicht zu nahe kommen, weil sie ihre Jungen sofort verteidigen wollen.

Es ist äußerst selten, dass die Polizei in Schleswig-Holstein einen solchen Vorfall mit Wildschweinen notieren muss. Einzig ein Jäger – ebenfalls in Lübeck – war am Morgen des 13. März 2016 von einem verletzten Keiler angegriffen und verletzt worden. Er konnte noch das Tier an den Ohren packen, in Schach halten und die Polizei rufen. Die Beamten erlegten das Tier mit einem gezielten Schuss.

Auch Wald-Spaziergänger müssen aufpassen. Gerade jetzt, wenn die Muttertiere vermehrt ihre sieben bis acht Frischlinge durchziehen. „Bleiben Sie auf den Wegen, laufen Sie nicht querfeldein“, warnte am Mittwoch die Deutsche Wildtierstiftung in Hamburg. Sonst läuft der Naturliebhaber Gefahr, auf eine sorgsam mit Gras und Farn ausgepolsterte Wildschwein-Kinderstube, einen „Kessel“, zu stoßen. „Wer jetzt beim Spaziergang einer Bache mit Frischlingen begegnet, muss mit einem Angriff rechnen“, so Dr. Andreas Kinser, Forstexperte der Stiftung. Kräftige Bachen bringen über 100 Kilogramm auf die Waage – „und ein Biss kann äußerst schmerzhaft sein“.

Allerdings: „Wildschweine greifen normalerweise nur an, wenn sie sich bedrängt fühlen“, sagt Andreas Schober in Flintbek bei Kiel, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein. „Die Tiere brechen nicht überfallartig aus dem Gebüsch hervor.“ Im Gegenteil: „Wildschweine sind schlau. Sie wissen, dass von Menschen auf Waldwegen keine Gefahr ausgeht.“ Zudem verhält sich ein Wildschwein dann ruhig. „Der Spaziergänger würde selbst in einem Meter Entfernung an dem Tier vorbeilaufen, ohne es zu bemerken.“

Anders bei nicht angeleinten Hunden: Eine Bache greift jeden Hund an, der ihr auf den Pelz rückt. Selbst erfahrene Jagdhunde kommen nicht immer ungeschoren davon. „Je größer der Vierbeiner ist, desto geringer seine Chance“, sagt Schober. Ein großer Hund könne im Dickicht kaum ausweichen. Ein Keiler würde ihn mit seinen fast bananengroßen Eckzähnen, „Gewaff“ genannt, schlagen. Und eine Bache würde den Hund totbeißen. „Das sind keine Bisse im eigentlichen Sinne“, erklärt Wildtier-Stiftungssprecherin Eva Goris, „sondern Quetschverletzungen schlimmster Art.“

Die größte Gefahr geht von Wildschweinen aber an ganz anderer Stelle aus, betont Torge Stelck, Sprecher des Landespolizeiamtes in Kiel. „Nämlich auf der Straße.“ Ein Wildunfall hat für Autofahrer nicht selten schwere Folgen. Umgekehrt ebenso: In Schleswig-Holstein wurden im vergangenen Jahr mehr als 350 Wildschweine bei Unfällen getötet. 

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erstellt am 09.Feb.2017 | 15:40 Uhr

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