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Gestrandete Wale an der Nordsee-Küste : Abgeschleppt und präpariert: So geht es mit den Walen weiter

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Die Wale aus Wangerooge sind in Wilhelmshaven, andere wurden schon zerlegt. Die Experten hatten einige Mühe mit den großen Tieren.

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2016 | 10:51 Uhr

Nordstrand | Experten entsorgen die zwölf toten Pottwale an den Küsten Deutschlands und der Niederlande allmählich. Die Meeressäuger hatten sich wahrscheinlich auf ihrer Wanderroute einfach verschwommen. Nach einer tagelangen Reise ist auch der dritte vor Schleswig-Holstein entdeckte tote Pottwal nach Nordstrand gebracht worden.

Pottwale in der Nordsee sind extrem selten. In der vergangenen Woche strandeten aber gleich zwölf Tiere an den Küsten der Nordsee – von Helgoland bis zur niederländischen Insel Trexel.

150 Menschen sahen am Samstagvormittag zu, wie Experten das Tier zerlegten. Zunächst sei jedoch Gas, das durch den Verwesungsprozess entsteht, aus dem Kadaver abgelassen worden, sagte ein Sprecher des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Der tote Jungbulle war in der Nordsee nahe Büsum entdeckt worden.

Eine Panne die Bergung des vor Büsum gefundenen Pottwals. Der Kadaver des Tieres ging am Donnerstagabend in der Nordsee verloren, nachdem kurz vor dem Ziel Nordstrand, nahe Pellworm, die Leine zum Schlepper gerissen war. Erst nach rund zweistündiger Suche am Freitag habe die Schiffsbesatzung des Schleppers „Odin“ den Wal wiedergefunden, sagte ein Sprecher des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz.

Eine Woche nach dem Fund der beiden verendeten Wale auf der ostfriesischen Wangerooge trafen die Tiere am Freitagabend im JadeWeserPort in Wilhelmshaven ein. Die Kadaver sollten gegen 22 Uhr mit einem Schwerlastkran aus dem Wasser an Land gehievt werden, sagte Werner Duden von der Einsatzleitung der Jade-Dienst GmbH, die die Schlepper für den Transport der Kolosse bereitgestellt hatte.

An Land würden die beiden Kadaver in bereitgestellte Wannen gelegt, um die Körperflüssigkeiten aufzufangen, so Jan Wagner von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Die beiden Kadaver seien in einem verhältnismäßig guten Zustand. Am Samstag sollen die Wale dann zerlegt werden. Die beiden Tiere waren vor einer Woche am Ostzipfel der Insel angeschwemmt worden.

Der niederländische Tierpräparator sowie Wal- und Dinosaurier-Knochenexperte Aart Walen hatte die beiden Pottwale auf Wangerooge für ihre letzte Meeres-Reise vorbereitet. Er hatte zum einen acht Löcher in jeden Kadaver geschnitten, damit Verwesungsgase austreten konnten. Dann schnitt er die Seitenflossen ab, die beim Abtransport als Bremse hätten wirken können. Die beiden Tiere waren vor einer Woche am Ostzipfel der Insel angeschwemmt worden.

Die Wangerooger wollen einen „ihrer“ Wale wieder als Skelett und Touristenattraktion zurück auf die Insel bringen. Das wird nicht billig. Inselbürgermeister Dirk Lindner bemüht sich um Sponsoren. 60.000 Euro wird die Präparierung kosten, schätzt er. „Ganz grob rechnen wir im Februar oder März 2017 mit der Rückkehr des Walskeletts.“  Präparator Walen hofft, dass die ersten Arbeiten in Wilhelmshaven in zwei, drei Tagen erledigt sind. Einer der Kadaver werde nicht mehr gebraucht und fachgerecht entsorgt. Der andere soll sorgfältig aufgearbeitet werden. „Allein das Präparieren der Knochen wird wohl zwei bis drei Monate dauern“, so Walen.

Der dritte in Niedersachsen angeschwemmte Pottwal - in der Wesermündung bei Bremerhaven - soll dagegen seinem natürlichen Schicksal überlassen werden. Das tote Tier liege im Bereich des Nationalparks, der nicht betreten werden dürfe, teilte das Umweltministerium in Hannover mit. In den vergangenen Tagen verendeten in Deutschland und in den Niederlanden je sechs Pottwale.

Fünf der Wale an der niederländischen Küste sollen zerteilt und dann mit Lastwagen abtransportiert werden. Die Arbeiten sollten noch am Freitag beginnen, teilten die Behörden auf der Wattenmeer-Insel Texel mit. Wegen heftiger Sturmböen über der Nordsee waren Versuche gescheitert, sie mit einem Schiff wegzubringen. Ein sechster Meeressäuger konnte dagegen übers Wasser abtransportiert worden. Alle Kadaver sollen verbrannt werden. Experten hatten zuvor Gewebeproben entnommen, um die mögliche Todesursache festzustellen.

Die beiden nahe Helgoland gefunden Walkadaver wurden von den rund 20 Veterinären und Technikern fast vollständig zerlegt und in vier Containern verstaut. Lediglich von einem Tier waren am Freitagnachmittag noch Teile übrig. Die Skelette dieser beiden Wale sollen an einen Natur- und Kulturverein auf der Nordseeinsel Amrum sowie an die Universität Gießen gehen.

Zwei etwa zwölf Meter lange Kadaver aus der schleswig-holsteinischen Nordsee wurden von Veterinären und Technikern im Hafen Holmer Siel auf Nordstrand bereits am Donnerstag zerlegt. shz.de war dabei:

 

Ein Wal-Skelett wurde in einen Container verpackt. Ein Skelett wird an einen Natur- und Kulturverein auf der Nordseeinsel Amrum gehen, das andere eventuell von einer Universität übernommen.

Insgesamt sind in der Nordsee binnen einer Woche bislang 12 Pottwale gestrandet und verendet. Unsere Karte zeigt die genauen Orte.

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