Umleitung bei Tribsees : Abgesackte A20: Blechlawinen rollen über Ausweichsstrecke

A20

Wo zuvor Autos rollten, klafft nun ein riesiges Loch. Bis 2021 sollen die Bauarbeiten auf der A20 andauern.

Ende Oktober versank ein Stück der A20 bei Tribsees im Moor. Anwohner und Urlauber hoffen auf eine Entspannung der Lage bis Sommer.

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16. Januar 2018, 11:51 Uhr

Langsdorf | Für das Dorffest in Langsdorf ist es zu spät. Dieses Jahr wird es wahrscheinlich das erste Mal in 14 Jahren ausfallen. Und damit auch der beliebte traditionelle Familientriathlon, meint Hartmut Kolschewski, parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Lindholz, zu der auch Langsdorf gehört. Denn selbst wenn das Land – wie versprochen – an den Plänen festhält, eine Umleitungsstrecke entlang des abgerutschten Teilabschnitts der A20 nahe Tribsees bis zum Sommer in Betrieb zu nehmen – eine Garantie sei das nicht.

Am 9. Oktober war ein Teil der A20 von zehn Metern Breite, 40 Metern Länge um rund 2,5 Meter abgesackt, sodass ein riesiges Loch entstand. Die Autobahn ist seither in diesem Abschnitt gesperrt.  Der Verkehr wird umgeleitet.

„Wir müssten jetzt schon mit den Vorbereitungen beginnen. Wenn bis zum Dorffest Ende August die Strecke doch nicht fertig ist, wäre alles umsonst“, meint Kolschewski. Lieber gehe er da auf Nummer sicher. Doch die Absage des Dorffestes sei nur ein kleiner Wermutstropfen, wenn mit der Eröffnung der Baustraße im Sommer wieder Ruhe im Dorf herrsche.

Denn da, wo sonst im August jedes Jahr Hobby-Triathleten die Straße erobern, rollen derzeit gewaltige Blechlawinen. Der gesamte Verkehr der Autobahn fließt durch den kleinen Ort bei Tribsees, seit Ende Oktober die A20 wenige hundert Meter entfernt im Moor versinkt. Zwischen 8000 und 10.000 Fahrzeuge sind es täglich. Vorher waren es gerade einmal 1500. Bis 2021 sollen die Bauarbeiten auf der A20 andauern.

Die Lage im Dorf habe sich inzwischen etwas verbessert, meint Kolschewski. Der Landkreis setzte zügig eine Geschwindigkeitsbegrenzung und in diesem Zusammenhang Kontrollen um. Das war nur eine von drei Forderungen eines Petitionsschreibens, das 482 der 600 Einwohner der Gemeinde Lindholz unterschrieben. Punkt eins war, die alte Baustraße wieder zu öffnen. Sie stammte noch aus der Bauphase der A20 und diente bereits damals als Umgehung des Dorfes. Die von der Landesregierung zuerst favorisierte Behelfsbrücke an der Abbruchstelle lehnte Kolschewski hingegen ab: „Es wird nicht die letzte Baustelle an der A20 sein. Und wenn es keine direkte Umleitung gibt, wird der Verkehr weiter durch Langsdorf fahren“, sagte er.

Die Dorfbewohner hatten Glück: Untersuchungen ergaben, dass der ebenfalls auf der Moorlinse liegende Teil der A20 hinter der abgesackten Unglücksstelle nicht ausreichend tragfähig ist, um während der mehrjährigen Bauzeit den Verkehr tragen zu können. Mit Hochdruck arbeitet man nun an der Wiederherstellung der alten Behelfsstraße. „Mit Inbetriebnahme kann auch eine Umfahrung von Langsdorf erreicht werden, so dass die aktuellen Umweltbelastungen durch den Autobahnverkehr in den Ortslagen entfallen“, sagte Energieminister Christian Pegel (SPD).

Dass die alte Baustraße östlich des Dorfes bis Sommer fertiggestellt wird, darauf hofft auch die Tourismusbranche. Die Ost-West-Achse stellt für die Ostsee-Urlauber die wichtigste Verkehrsroute dar. Pegel hatte bei einem Krisentreffen in der vergangenen Woche nochmals erklärt, an den Plänen festhalten zu wollen, nachdem er kurz zuvor Zweifel am Bautermin aufkommen lassen hatte. Bis dahin solle eine bessere Verkehrsführung die Touristen zügig an ihre Urlaubsorte bringen. Zusätzlich habe das Land zugesagt, das Verkehrsmanagement zu verbessern und zusammen mit dem ADAC und dem Innenministerium beispielsweise bei Staugefahr in Navigationssystemen Alternativstrecken anzubieten, sagte Bernd Fischer, Chef des Landestourismusverbandes.

Komme es doch einmal auf Umgehungsstraßen zu Staus, solle Urlaubern geholfen und beispielsweise Wasser angeboten werden. Mit Hoteliers, Pensionsbetreibern und Ferienwohnungsbesitzern auf den Inseln Rügen und Usedom solle zudem darüber beraten werden, die Zeiten für den Bettenwechsel zu erweitern, sagte Fischer. Es sei aber auch klar: Trotz des gesperrten Autobahnabschnitts bleibe das Urlaubsland MV weiter gut erreichbar. „Die ist nur eine von Hunderten Baustellen in Deutschland.“

Die Wiederherstellung der A20-Umfahrung ist mit hohem Aufwand und einigen Unwägbarkeiten verbunden, teilt das Verkehrsministerium in MV unterdessen mit. Die Stützen, die die Straße im moorigen Untergrund früher trugen, wurden beim Rückbau der Straße nach Fertigstellung der A20 mit schwerem Gerät abgebrochen. Grünes Licht für die Bauarbeiten gebe es bereits von den Umweltverbänden, teilt Hartmut Kolschewski mit. Und etwas Gutes hatte das A20-Drama für Langsdorf doch: „Uns wurde vom Land ein Radweg versprochen“, sagt der Bürgermeister. Auch die Straße im Ort solle erneuert und in diesem Zuge zur Verkehrsberuhigung etwas schmaler gemacht werden, so Kolschewski freudig: „Dann wären alle Forderungen der Petition erfüllt. Damit hätte ich so nicht gerechnet.“

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