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Erweiterung der A7 : So natürlich kann der Autobahnbau sein

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei der sechsstreifigen Erweiterung der A7 sollen die Eingriffe in Flora und Fauna ausgeglichen werden. Das sind konkrete Maßnahmen.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 10:56 Uhr

Grün ist sie nicht. Noch nicht. Dabei soll die breiteste Brücke, die beim sechsstreifigen Ausbau der A7 zwischen Bordesholm und Hamburg errichtet worden ist, genau das sein: eine Grünbrücke. Gebaut wurde sie neben der Raststätte Brokenlande (Kreis Segeberg) nicht für Autos, Radfahrer oder Fußgänger, sondern für Tiere. „Das wird hier schon schnell grün“, sagt Mathias Mey, der als Umweltbaubeauftragter den A7-Ausbau begleitet. 62 Meter breit ist die Brücke. „Ist schon ein ganz schöner Klopper, man könnte denken, dass man in einen Tunnel fährt“, meint Mey. Die Konstruktionsart entspreche der jeder anderen Brücke über die A7. „Und stabil ist die auch – da könnte sogar ein ICE drüberfahren.“

<p>Eine Querung für die Tiere: Die Pflanzen auf der Grünbrücke bei Brokenlande werden demnächst gesetzt. </p>

Eine Querung für die Tiere: Die Pflanzen auf der Grünbrücke bei Brokenlande werden demnächst gesetzt.

Foto: Luftbildservice Bernot
 

Dies ist auch für Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) interessant. Er informierte sich in Brokenlande zusammen mit den Akteuren des A7-Ausbaus über die ökologischen Schutz-Projekte. Vor allem wollen die Autobahnkonstrukteure so deutlich machen, wie naturverträglich der Bau sein kann. Und sie vermeiden Klagen von Umweltverbänden gegen Planfeststellungsbeschlüsse, die den Bau zwar nicht endgültig aufhalten, aber doch lange verzögern können. Auch deswegen werden Millionen in den Naturschutz an den Autobahnen gesteckt, allein der Bau einer Grünbrücke liegt im unteren einstelligen Millionenbereich.

„Es ist nie optimal für Tiere, wenn eine Betontrasse durch die Landschaft gezogen oder auch nur verbreitert wird“, sagt Mey als er auf den Bitumenbelag der Grünbrücke stapft. „Aber man kann versuchen, dass die Eingriffe so wenig Folgen wie möglich haben.“ Manchmal können sogar durch Ausbauten wie den der A7, der Ende 2018 abgeschlossen sein soll, Sünden der Vergangenheit zumindest zum Teil revidiert werden. „Durch den Straßenbau sind immer verschiedene Wildtierpopulationen auseinandergerissen worden – wie etwa bei der A7 die der Rothirsche. Die können jetzt wieder zueinander finden“, sagt Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Denn auch Tiere brauchen Straßen.“ Ziel sei es, durch die Grünbrücken wieder einen Biotopverbund zu schaffen.

Neben der Brücke in Brokenlande entsteht noch eine bei Bad Bramstedt. „Die werden sogar noch mehr Tiere nutzen können, denn sie steht an einem perfekten Ort“, sagt Schulz. Die beiden sind nach der bei Kiebitzholm über die A 21 und der bei Geschendorf über die A 20, die neuesten Grünbrücken im Norden. „Bei jeder neuen lernen wir wieder etwas hinzu“, sagt Schulz.

Damit möglichst viele Tierarten, die Brücken nutzen können, sind sie alle gleich aufgebaut. „Erst gibt es einen Streifen mit Sand, dann einen mit Gras- und Buschbewuchs, und dann einen, auf dem auch Bäume stehen“, sagt Mathias Mey. Dazu werde die Brücke zur Fahrbahn hin noch mit Sichtschutzwänden versehen.

Lärmschutzwände für Tiere

Diese Steine sollen Lärm abhalten.
Diese Steine sollen Lärm abhalten. Foto: Michael Ruff
 

Die Grünbrücken sind nicht die einzigen Bauten, die den Autobahnausbau für Naturschützer erträglich machen sollen. Ein paar Kilometer weiter südlich hält Mathias Mey auf dem Standstreifen neben einer Lärmschutzwand. Als er die Böschung hinunterklettert, wird unter der Autobahn die Osterau sichtbar. „Die war früher richtig eingeengt“, sagt Mey. Jetzt liegen Steine neben dem Flusslauf, ein Angler stapft grüßend über eine kleine Brücke. Die Geräusche von der Autobahn sind nicht mehr sehr laut.

Fließt unter der A7: die Osterau.
Fließt unter der A7: die Osterau. Foto: Michael Ruff
 

Direkt neben der Lärmschutzwand steht eine frisch gepflanzte Hainbuchenhecke, die vermutlich schon vielen Autofahrern aufgefallen ist. „Die Pflanzen sollen verhindern, dass Gischt und Dreck von der Autobahn in der Osterau landen – sie sollen wie ein Filter wirken.“

Schmutzschutz: Hainbuchenhecke.
Schmutzschutz: Hainbuchenhecke. Foto: Michael Ruff

Für den Ausbau der A 7 sind nicht nur Ausgleichsflächen geschaffen worden, ganze Tierkolonien mussten umziehen. Jahrelang gab es Debatten um die Haselmäuse, jetzt leben sie in einem extra für sie angelegten Gebiet abseits der Autobahntrasse. In der Osterau lebten direkt unter der A 7 Neunaugen, die ein Experte mit Strom aus dem Sediment aufscheuchte, um sie einige hundert Meter weiter im Flusslauf wieder anzusiedeln. Erst dann durften die Bagger rollen.

Gitterwände sollen Fledermäuse schützen

Die Schutzgitter für Fledermäuse.
Die Schutzgitter für Fledermäuse. Foto: Michael Ruff
 

Das war auch so an drei Stellen im Verlauf der A 7, an denen Autofahrer Gitterwände am Fahrbahnrand sehen. „Die stehen auf den Flugrouten der Fledermäuse. Die erkennen per Echolot, dass dort ein Hindernis ist, steigen in die Höhe und sinken auf der anderen Seite der Fahrbahn wieder herunter. So vermeiden wir Schlagverluste“, sagt Mey. Die verschiedenen Siedlungsorte der Tiere wurden zum Teil jahrelang erforscht.

Die Autobahnbauer versuchen auch Reststoffe zu recyceln – wie etwa Leitplanken. Abgetragener Beton und Asphalt dienen als Untergrund für die neue Fahrbahn. Und die am Straßenrand gerodeten Bäume werden geschreddert und „einer thermischen Verwertung zugeführt“, wie Mey in schönstem Beamtendeutsch sagt als er einen letzten Blick auf die Grünbrücke wirft. Ende des Jahres soll sie fertig sein. Noch hängen Kameras an den Wildzäunen, die den Zugang zur Brücke versperren – bald werden sie auf der Brücke installiert. Dann kann Björn Schulz sehen, wie stark der grüne Überweg genutzt wird. Dass das so sein wird, davon ist der Naturschützer überzeugt: „Unsere Kameras haben schon die ersten Hirsche an den Zäunen fotografiert. Die warten nur darauf, endlich rüber zu können.“

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