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Test : Die neue „A7-Nord“-App: Was sie kann – und was nicht

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Aus der Onlineredaktion

Sie soll Autofahrer zum Bahnfahren bewegen, doch die App hat noch nicht einmal einen funktionierenden Routenplaner.

Speditionen und Pendler in Hamburg und Schleswig-Holstein fürchten sich vor dem Ausbau der Autobahn 7. Staus drohen auf der 65 Kilometer langen Route zwischen dem Bordesholmer Dreieck und Hamburg. Die Verantwortlichen bleiben gelassen, denn es gibt einen Retter in der Not. Die App „A7-Nord“ soll Autofahrer vor langer Warterei schützen. shz.de-Redakteurin Christina Norden hat sie getestet.

Meine Erwartungen sind hoch. Seit dem vergangenen Sommer wurde die App für Smartphones immer wieder angepriesen. Sie soll Pendlern und Spediteuren das Leben während des A7-Ausbaus leichter machen. Bevor ich mich auf den Weg über die Autobahn mache, soll ich mich per Smartphone darüber informieren können, ob es Staus gibt, welche Alternativrouten es gibt – und ob ich vielleicht mit der Bahn schneller bin. Die App hat zum Ziel, mehr Autofahrer zum Bahnfahren zu motivieren. „Wenn der Verkehr nur um zehn Prozent zurückgehen würde, könnte der Zeitverlust durch Stau um 72 Prozent reduziert werden“, rechnete Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr im vergangenen September vor. Wer im Handy künftig die neuen Baustellen sehe, steige eher auf die Bahn um, hofft er.

Seit dem 5. März kann die kostenlose App für Android im Google Play Store und für Apple bei iTunes heruntergeladen werden. Der Download funktioniert reibungslos. Auf dem Bildschirm erscheinen zehn bunte Kacheln, die mich an das Layout von Windows 8 erinnern. Über sie lassen sich die verschiedenen Features ansteuern. Beim Klick auf eine Kachel wird schnell klar: Es handelt sich nicht um eine reine native App, bei der Inhalte speziell für die App entwickelt wurden. Stattdessen greift „A7-Nord“ meistens auf Inhalte zu, die so auch schon auf hamburg.de existieren. Die App ist also im Prinzip nichts Neues, sondern bündelt bestehende Angebote.

Was kann die App – und was nicht?

1. Verkehrsinfo für Norddeutschland

Aktuelle Verkehrsmeldungen werden von der NDR-Verkehrsredaktion zur Verfügung gestellt. Angezeigt werden nicht nur Baustellen und Staus auf der A7. Die Meldungen kommen aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg.

Fazit: Bei einer App für A7-Fahrer etwas unübersichtlich.

2. Verkehrslage für Norddeutschland

Während mir die erste Kachel Verkehrsmeldungen in Textform anzeigt, bietet Kachel 2 eine Karte. Straßen, auf denen es sich staut, sind rot eingefärbt. Grün heißt freie Fahrt. Soweit ganz einfach. Ich kann mir also auf die Schnelle und in Echtzeit einen Überblick verschaffen, wie die Verkehrslage aussieht. Doch es gibt zwei Probleme: Wenn ich wissen will, warum Straßen rot markiert sind, bekomme ich keine weiteren Informationen. Und die Verkehrslage für Norddeutschland ist mehr auf Niedersachsen ausgerichtet als auf Schleswig-Holstein. Die Karte endet im Norden auf Höhe Rendsburg/Kiel. Flensburg, Schleswig, Husum und Co. gehören dann wohl doch nicht zum „echten Norden.“ Richtung Süden reicht der Kartenausschnitt hingegen bis ins Herz Niedersachsens zum Dreieck Walsrode.

Fazit: Die Funktion ist eine schlechte Kopie von www.strassen-sh.de. Für Schleswig-Holsteiner ist das Angebot des Verkehrsministeriums deutlich informativer. Die Länge der Staus und die Dauer von Baustellen werden angezeigt. Das fehlt in der A7-Nord-App.

3. Kameras rund um die A7

Bei dieser Funktion zeigt sich das bereits eingangs geschilderte Problem: Die App greift eigentlich nur auf Inhalte zurück, die es ohnehin schon gibt. Beim Öffnen der Kachel werde ich gebeten, mein Betriebssystem zu wählen – dabei habe ich mir doch die Android-Version heruntergeladen und mit iOS nichts am Hut. Aber der zusätzliche Klick ist zu verschmerzen. Gespannt schaue ich mir die Livestreams der Webcams an. Sogar den Hamburger Hafen kann ich mir ansehen (allerdings nur als Standbild). Ebenso das Hamburger Zentrum und die A1. Für die Kernzielgruppe, die A7-Fahrer, zeigt die App immerhin acht Kameras an. Die nördlichste Webcam ist allerdings in Hamburg-Schnelsen positioniert. Wie es auf der A7 in Schleswig-Holstein aussieht? Keine Ahnung.

Fazit: Die Webcams zeigen nur Bilder aus Hamburg. Schleswig-Holsteiner bleiben auf der Strecke.

4. Aktuelle Meldungen zum Elbtunnel
Foto:Screenshot

 

Wer durch den Elbtunnel fahren muss, rechnet eigentlich fast automatisch mit Stau. Wer sich sicher sein will, wirft einen Blick auf die App. Auf einer Karte wird mir der Weg grün eingefärbt angezeigt. Freie Fahrt.

Fazit: Ob es Stau vor dem Elbtunnel gibt, erfahre ich genauso gut im Radio oder über die Verkehrslage-Kachel. Mehrwert gleich Null.

5. Aktuelle Reisezeiten

Die App soll mir anzeigen, wie lange ich in diesem Moment für meinen Weg brauche. Das klingt spannend. Das Problem: Man kann keine individuelle Route eingeben. Die Funktion ist auf sechs Standorte begrenzt. Ich kann mir zum Beispiel anzeigen lassen, wie lange ich vom Hamburger Flughafen bis nach HH-Volkspark, HH-Waltershof, HH-Nordwest, zum Buchholzer Dreieck oder zum Horster Dreieck brauche.

Fazit: Schleswig-Holstein ist mal wieder außen vor. Google Maps oder Navigationsgeräte sind deutlich hilfreicher, um aktuelle Reisezeiten zu berechnen.

6. Termine und Ansprechpartner

Wie geht es weiter mit dem A7-Ausbau? In diesem Bereich informiert die App über Ausschüsse, Sprechstunden oder Informationsveranstaltungen.

7. Wochenvorschau: Baustellenreport

Der Baustellenreport ist meine Lieblingsfunktion. Hier fühle ich mich wirklich gut informiert. Wer regelmäßig auf der A7 unterwegs ist, kann sich dank der Wochenvorschau frühzeitig auf Behinderungen einstellen.

Fazit: Guter Service, könnte aber noch übersichtlicher gestaltet werden. Außerdem wären Umleitungsempfehlungen noch eine gute Ergänzung.

8. Tipps und Hinweise

Die Rubrik „Tipps und Hinweise“ sind mehr Pflicht als Kür. Hier werden Projekt- und Medienpartner vorgestellt.

9. Routenplaner für Norddeutschland

 

Was ich unter „Aktuelle Reisezeiten“ vermisst habe, finde ich hier: Ein Routenplaner, der mir meinen eigenen Weg und nicht andere vorgegebene Routen anzeigt. Toll! Der Test zerstört allerdings meine Euphorie. Ich möchte die Route von meinen Schwiegereltern in Neumünster zu meinen Eltern nach Quickborn berechnen. Auf der Strecke gibt es mittlerweile mehrere Baustellen auf der A7. Doch ich scheitere. Weder die eine noch die andere Adresse wird gefunden. Komischer Routenplaner!

Fazit: Auch hier gilt: Google Maps und Navigationsgeräte können mehr. Dafür brauche ich die A7-App nicht.

10. Verknüpfung zur App „Baustellen-SH“

Zu guter Letzt wirbt die „A7-Nord“-App noch für eine andere App: Baustellen-SH. Sie muss allerdings separat heruntergeladen werden.

Fazit: Die App ist die mobile Version von straßen-sh.de und für Schleswig-Holsteiner die bessere Alternative zur „A7-Nord“-App.

 

Gesamtfazit: Die Aufmachung ist modern und übersichtlich, der Inhalt lässt aber zu wünschen übrig. Meine Erwartungen wurden enttäuscht. Ich bin regelmäßig auf der A7 unterwegs, aber einen Sinn der App erkenne ich nicht. Verkehrsmeldungen höre ich im Radio oder lese sie im Netz - zum Beispiel auf shz.de/verkehr. Auf www.shz.de/a7 werde ich außerdem regelmäßig über neue Baustellen informiert. Wozu muss ich wissen, wie lange ich vom Flughafen zum Volkspark brauche, wenn ich aber von Neumünster nach Quickborn fahren möchte? Die App bietet viel, was ich woanders schon bekomme oder erst gar nicht brauche. Und die Hoffnung, dass Autofahrer wegen der App-Informationen auf die Bahn umsteigen, kann wohl auch begraben werden. Dazu hätte es andere Funktionen gebraucht – zum Beispiel einen Vergleichsrechner, der mir zeigt, ob ich mit der Bahn oder mit dem Auto schneller ans Ziel komme – und welcher Weg die günstigere Alternative ist.

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erstellt am 09.Mär.2015 | 13:13 Uhr

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