zur Navigation springen

Sechsspuriger Ausbau in SH : Besuch bei den Autobahn-Bauern: 400.000 Kubikmeter Beton für die A7

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Täglich fahren Tausende durch die Großbaustelle: Die A7 wird sechsspurig ausgebaut – aber wie kommt eigentlich der Beton auf die Fahrbahn?

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 09:36 Uhr

Was zählt sind Meter. 400 bis 500 schaffen Ralf Lehners und seine Kollegen jeden Tag – wenn es gut läuft. Der über 16 Meter breite und mindestens so lange Betonfertiger SP 1500 rattert über die Autobahn 7 Richtung Süden. Vor einigen Tagen haben die Männer angefangen, die drei Fahrspuren und den Standstreifen des Bauabschnittes 2 zu betonieren – in rund zwei Wochen wollen sie die zehn Kilometer geschafft haben. „Da muss alles passen“, brüllt Lehners gegen den Lärm der Maschine an und schaut gen Himmel. „Wir können nur arbeiten, wenn es trocken ist – und nicht zu kalt.“

Die Dübel sorgen für Stabilität: Einbauleiter Ralf  Lehners hat Tausende davon.
Die Dübel sorgen für Stabilität: Einbauleiter Ralf Lehners hat Tausende davon. Foto: Michael Ruff
 

Nun soll die Ausfahrt der Anschlussstelle Neumünster-Mitte in Fahrtrichtung Hamburg betoniert werden. Deshalb wird sie von Mittwoch (11.10.), 9 Uhr, bis Montag, 23. Oktober, 6 Uhr, gesperrt – kurzfristige witterungsbedingte Verschiebungen nicht ausgeschlossen.

Bautechnisch sei der Sommer für die Via Solutions, die den sechsstreifigen Ausbau der A7 zwischen der Hamburger Stadtgrenze und dem Dreieck Bordesholm koordiniert, eine Katastrophe gewesen, sagt Sprecher Florian Zettel. Immer wieder seien die Arbeiten durch Regen ausgebremst worden, dennoch habe man den Zeitplan für die Fahrbahnen halten können. Bis Ende 2018 soll die größte Autobahnbaustelle Deutschlands fertig sein.

Und dafür ist jede Menge Beton nötig: 400.000 Kubikmeter. Denn nur an ganz wenigen Stellen wird asphaltiert: In besonders dicht besiedelten Gebieten wie Neumünster oder Hamburg wird Flüsterasphalt verlegt – oder auf Bauwerken mit denen die A7 Flüsse oder Bahnstrecken quert. Sonst gibt es 27 Zentimeter dicke Betonschichten. „Asphalt hält fünf bis sieben Jahre – Beton so an die 30“, sagt Zettel. Dafür sei Beton aber auch deutlich teurer.

Glatt wie ein Baby-Popo: Der fertige Oberbeton muss 28 Tage aushärten, bis er vollständig haltbar ist.
Glatt wie ein Baby-Popo: Der fertige Oberbeton muss 28 Tage aushärten, bis er vollständig haltbar ist. Foto: Andera Lange
 

Dass der rechtzeitig auf die Straße kommt – dafür sorgen zwei Betonmischwerke, die direkt an der Autobahn stehen. Ein Laster nach dem anderen kommt aus Großenaspe südlich von Neumünster angefahren, wendet auf der Baustelle und kippt seine fast flüssige Ladung auf die Fahrbahn. Einige Lastwagen haben ein „U“ für Unterbeton an der Windschutzscheibe hängen, andere ein „O“ für Oberbeton. Ein Bagger verteilt den Unterbeton direkt auf der mit Sand, Geröll und Mörtel versehenen Trasse – auf einer Bahn aus Geotextil, einer Art Fleece, das verhindern soll, dass Risse aus der Unterschicht sich im Beton fortsetzen, wie Einbauleiter Lehners erklärt. Der Fertiger verdichtet die rund 22 Zentimeter dicke Masse, auf die sofort danach noch einmal fünf Zentimeter Oberbeton kommt. Anschließend wird die mit einem Film aus Industriezucker versehen, den ein Bürstenwagen dann so behandelt, dass die Autoreifen zwar Halt bekommen, aber nicht zu viel Lärm verursachen.

Wenn der Beton auf der Fahrbahn liegt, wird er gleich wieder eingeschnitten – entlang der Fahrbahnen und alle fünf Meter in der Breite. Darunter befinden sich auf der ganzen Breite der Fahrbahn alle fünf Meter 53 rund 50 Zentimeter lange Dübel, die der Betonfertiger automatisch in den Beton einsetzt. Sie sorgen dafür, dass die Betonplatten aneinanderhalten. In die Fugen werden Gummilippen eingesetzt, die verhindern sollen, dass Wasser eindringt. „Und man kann sie auch relativ leicht ersetzen“, sagt Zettel. So soll verhindert werden, dass die Platten auf der A7 einmal so uneben voreinander stehen wie es bei alten Betonfahrbahnen aus den 70er Jahren oft der Fall war.

Damit jeder weiß, wo er ist: Die Kilometrierung wird in den Beton gestanzt.
Damit jeder weiß, wo er ist: Die Kilometrierung wird in den Beton gestanzt. Foto: Andrea Lange
 

Frisch gegossen sieht der Beton auf der A7 glatt wie ein Baby-Popo aus. Am Rand des Standstreifens wird mit einem Eisen die Kilometerzahl in den Beton gedrückt – damit die Autofahrer bei Pannen wissen, wo sie sind. Gerade sind Ralf Lehners und seine Kollegen 100 Kilometer südlich von Flensburg angekommen. Dabei hat der Einbauleiter schon halb Europa gesehen. Seit 22 Jahren arbeite er auf Betonfertigern. „Wir haben schon alles gebaut: Start- und Landebahnen auf dem Flughafen in Stuttgart, Parkplätze in Holland und Autobahnen in Kasachstan – ich war schon überall in Europa.“

Dass die A7 rechtzeitig fertig wird, daran hat Lehners kaum einen Zweifel – er wird hart dafür arbeiten, auch wenn das Wetter ihm einen Strich durch die Rechnung macht. Rund zwei Stunden müsse der Beton liegen, bevor er dem Regen standhalte. Sobald es also von oben feucht wird, stoppen die Arbeiten. Dafür wird dann an anderer Stelle Vollgas gegeben, um die nötigen Meter wieder reinzuholen – zur Not läuft der Betonfertiger Tag und Nacht – dann schafft er bis zu einem Kilometer in 24 Stunden.

Alles zum Ausbau der A7 in Hamburg und Schleswig-Holstein finden Sie auf unserer Dossierseite www.shz.de/a7. Aktuelle Verkehrsmeldungen für die Region unter www.shz.de/verkehr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen