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Tempolimit für Fledermäuse : A20-Weiterbau: Naturschützer drohen mit neuer Klage

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Der Streckenverlauf der A20 ab Bad Segeberg nach Wittenborn sorgt weiter für Ärger. Verkehrsminister Reinhard Meyer möchte auf der geplanten Trasse weiterbauen. Der BUND Umweltverband spricht von Planungsfehlern - und droht mit einem neuen Gerichtsverfahren.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2014 | 06:49 Uhr

Bad Segeberg | Dem Weiterbau der A20 ab Bad Segeberg droht ein neuer Rückschlag: Die Naturschützer, die die Fortführung der Autobahn vor dem Bundesverwaltungsgericht gestoppt haben, drohen mit einer weiteren Klage gegen das Projekt. Anlass ist ein Streit mit Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) über den Streckenverlauf bis Wittenborn.

Während Meyer, um Zeit zu sparen, am liebsten auf der bisher geplanten Trasse weiterbauen würde und im Gegenzug ein Tempolimit von 60 Stundenkilometern zum Schutz der dort lebenden Fledermäuse erwägt, lehnt der Umweltverband BUND den Vorschlag  strikt ab. „Wir können uns nicht vorstellen, dass das Land die Planungsfehler auf der ursprünglichen Trasse beheben kann“, sagte Schleswig-Holsteins BUND-Chefin Ina Walenda gestern unserer Zeitung.

Daran ändere auch ein Tempolimit nichts: „Das ist ein Aberwitz – es gibt keinen Beleg dafür, dass die Fledermäuse durch ein Tempolimit besser geschützt werden“, schimpfte Walenda. Auch der Sprecher des Naturschutzbundes Nabu, Ingo Ludwichowski, zweifelte an dem Vorschlag: „Selbst bei Tempo 60 ist die Gefahr groß, dass Fledermäuse von Lkws erfasst werden.“ Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte die Planung des Landes für die A20 im November vor allem deshalb für rechtswidrig erklärt, weil sie zu wenig Schutz für die Fledermäuse bietet.

BUND-Chefin Walenda ist zudem verärgert über Meyer, weil der kürzlich nach einem Treffen mit den Naturschützern in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt hatte, das Gespräch habe ihn „vorsichtig optimistisch gestimmt, dass wir die Autobahn auf der bisher geplanten Vorzugsvariante fortführen können“. Das Gegenteil sei der Fall gewesen, empörte sich Walenda: „Wir haben klar gemacht, dass wir die alte Trasse nicht wollen.“ Eher habe man eine Präferenz für die von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wieder ins Spiel gebrachte Linienführung mit einem Tunnel durch Bad Segeberg erkennen lassen.

Ihrem Ärger hat Walenda in einem Schreiben an Meyer Luft gemacht. Auch hat sie weitere Treffen erst mal abgelehnt. Sollte der Minister an seinem Ziel festhalten, auf der alten Autobahntrasse zu planen, „läuft er in ein neues Gerichtsverfahren“, warnte Walenda: „Wir sind nicht klagewütig – aber wir würden alle juristischen Register ziehen, um dem Naturschutz zu seinem Recht zu verhelfen.“ Ob es am Ende wirklich so weit kommt, ist offen: Meyer lässt  bei Bad Segeberg vorsichtshalber auch neue Trassenvarianten prüfen.

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