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Ex-Tchibo-Chef : A20: Landesregierung will Milliardär enteignen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das will sich einer der reichsten Deutschen nicht bieten lassen: Günter Herz soll für den Weiterbau der Autobahn zwei Hektar seines Gestüts bei Bad Oldesloe aufgeben. Der 73-jährige Hamburger klagt mit zwei Umweltverbänden vor dem Bundesverwaltungsgericht. Probleme bereitet dem Land der Umweltschutz.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 00:32 Uhr

Lasbek | Mit einem geschätzten Vermögen von über vier Milliarden Euro ist Günter Herz einer der reichsten Deutschen – jetzt liegt der frühere Chef und Miteigentümer des Kaffeerösters Tchibo im Clinch mit der Landesregierung. Ebenso wie zwei Umweltverbände und Gemeinden klagen Herz und seine Kinder Michaela und Christian derzeit vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen den Weiterbau der A20 in Schleswig-Holstein. Grund sind Enteignungspläne des Landes: Der 73-jährige Hamburger Unternehmer und seine beiden Kinder sollen ein fast zwei Hektar großes Stück des familieneigenen Gestüts in Lasbek bei Bad Oldesloe abgeben.

Das Land braucht das Areal als Ausgleichsfläche für die Fortführung der Autobahn bei Bad Segeberg. Weil Schleswig-Holstein dort durch den A20-Bau in ein europäisch geschütztes Flora-Fauna-Habitat (FFH) eingreift, muss der Landesbetrieb Straßenbau von Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) dafür sorgen, dass an anderer Stelle ein neues FFH-Gebiet entsteht und nach Brüssel gemeldet wird. Dafür hat das Land das Süderbeste-Tal im Kreis Stormarn auserkoren. Und dazu gehört das Stück vom Gestüt Lasbek, das Herz und seine Kinder rausrücken sollen – natürlich gegen Bezahlung.

Das Geld allerdings scheint Pferdenarr Herz weniger zu interessieren als das uneingeschränkte Verfügungsrecht über das Gestüt. Kein Wunder – haben Herz und seine Schwester doch allein beim gemeinsamen Ausscheiden aus dem Tchibo-Konzern vor zehn Jahren von den Brüdern gut vier Milliarden Euro für ihre Anteile erhalten. Heute gehört Herz über seine Investmentgesellschaft Mayfair unter anderem die Restaurantkette Vapiano zu 40 Prozent.

Sein Anwalt lehnte bei der gestern beendeten zweitägigen Gerichtsverhandlung zur A20 in Leipzig jedenfalls nicht nur eine Enteignung ab, sondern nahm auch ein Kompromissangebot des Landes nicht an: Das sieht vor, dass die Familie Herz das betreffende Areal in Lasbek zwar behalten darf – jedoch eine Nutzungsbeschränkung ins Grundbuch eingetragen wird. Die soll sicherstellen, dass die Fläche im natürlichen Zustand belassen wird.

Wie der Streit ausgeht, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht am 6. November. Dann verkünden die Leipziger Richter auch die Urteile zu den weiteren Klagen gegen die A20 von den Umweltverbänden und den Gemeinden Klein Gladebrügge und Wittenborn.
 

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