Hermann G. Dethleffsen-Familienholding : 275 Jahre, acht Generationen - eine Kaufmannsfamilie

Seit fast 20 Jahren führen die Cousins Hermann (links) und Andreas Dethleffsen das Familienunternehmen.
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Seit fast 20 Jahren führen die Cousins Hermann (links) und Andreas Dethleffsen das Familienunternehmen.

Die Hermann G. Dethleffsen-Familienholding, zu der sechs wichtige Unternehmen in der Region mit rund 2500 Mitarbeitern gehören, feiert einen ungewöhnlichen Geburtstag.

shz.de von
14. Juni 2013, 09:23 Uhr

Flensburg | Heute Abend feiert die Hermann G. Dethleffsen-Familienholding in der Flensburger Flens-Arena ihr 275-jähriges Bestehen. Das Unternehmen wurde seit acht Generationen von Vater zu Sohn weitergegeben. Sechs Unternehmen gehören mittlerweile zur HGDF-Familienholding, zu denen bekannte Marken wie Flensburger Pilsner und Doppelherz zählen.
Heute führen Andreas und Hermann Dethleffsen die Geschäfte. "Mit Fingerspitzengefühl und Weitblick" wollen sie das Familienunternehmen in die neunte Generation führen. Die traditionelle Devise der Familie: "Tradition ist kein Sofa, sondern ein Sprungbrett," formulieren die beiden Cousins heute so: "Uns geht es um persönliche und wirtschaftliche Entwicklung. Deswegen geben wir jedem Mitarbeiter Freiräume, die es ihm ermöglichen, als Unternehmer zu agieren. Das ist gut für die Unternehmen und gut für die Persönlichkeiten, die sie führen. Wir setzen auf Vertrauen in Menschen, glauben daran, dass wir so auch in Zukunft immer neue Märkte erschließen und die Werte der Familie Dethleffsen weiter leben können." Seit 1994 entwickeln Andreas und Hermann Dethleffsen die Familienholding mit all ihren Unternehmen nach dieser Überzeugung weiter.
Den branchenübergreifenden Expansionskurs, für den ihr Vorgänger Hans Dethleffsen gemeinsam mit dem langjährigen Freund und HGDF-Vorstandsmitglied Werner Barth schon 1976 mit dem Zukauf der Firma Doppelherz sowie 1990 des Gebäudereinigungsunternehmens Beyersdorf die Grundlage legten, führten sie konsequent weiter. Es folgten Käufe von Anteilen an der Flensburger Brauerei, Zuerwerb von Anteilen an der Flensburger Förde-Reederei, der Erwerb der Agitalis AG (Seniorenwohnanlagen in Hamburg und Niedersachsen), Anteilszukäufe am Medienhaus mh:n und der gezielte Ausstieg aus dem Spirituosengeschäft.
"Nachdem die Weichen so gestellt waren, fokussierten wir auf den Ausbau der Unternehmensstärken. Mit der Marke Doppelherz zum Beispiel fanden wir zur Internationalisierung zurück, die schon zu Schifffahrtszeiten mit dem Westindiengeschäft verknüpft war", schlägt Andreas Dethleffsen den Bogen zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Doppelherz-Hersteller Queisser Pharma ist heute ein international aufgestelltes Unternehmen und erwirtschaftet knapp die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Mit über 70 verschiedenen Produkten entwickele das Unternehmen für jedes Land genau die Nahrungsergänzungsprodukte und freiverkäuflichen Arzneimittel, die dort nachgefragt werden.
Auch die Flensburger Brauerei setzt neben der Stärkung der Marke in Deutschland auf den Export. Das herbe Bier aus dem Norden überzeuge durch Qualität, einen unverkennbar eigenen Geschmack - und mit Authentizität, die sich auch in der Werbung widerspiegele. Dies alles prägt für die Familie Dethleffsen den Charakter des Bieres und ihrer Marke.
Vor zwei Jahren machte sich die HGDF-Familienholding verstärkt auf die Suche nach Unternehmen in neuen Geschäftsfeldern. Dafür besuchten sie Unternehmen in ganz Deutschland, prüften Märkte und Chancen. Der Flensburger Apple-Distributor ComLine war es, der 2012 das Interesse von Andreas und Hermann Dethleffsen weckte. Geschäftsführer Harald Rapp und sein Team überzeugten gleich mit einem ganzen Strauß an Fähigkeiten: Sie können sich selbst und andere Menschen begeistern. Den eigenen Markt schätzen sie positiv, aber realistisch ein und agieren schnell. Sie verfügen über viele kreative Köpfe, stehen für freundlichen professionellen Service und verfügen über eine hohe Fähigkeit, sich an veränderte Marktgegebenheiten anzupassen.
"Die Unternehmen, die zur HGDF-Familienholding gehören, haben alle etwas gemeinsam: Die Persönlichkeiten, die unsere Unternehmen führen, sind für uns menschlich sehr wertvoll. Obwohl sie in unterschiedlichen Märkten agieren, leben sie die gleichen Werte und haben ein ähnliches Führungsverständnis wie wir", erläutert Hermann Dethleffsen. HGDF denke langfristig, investiere nachhaltig und reagiere zügig. Kaufmanns-Eigenschaften, die Andreas und Hermann Dethleffsen über Generationen hinweg in Geschichten über die Charaktere und Schicksalsentscheidungen der Familie kennen und schätzen gelernt haben.
Weil die Familie wächst, ist auch der Bedarf an Kommunikation gewachsen. Eine Familienverfassung, die alle gemeinsam erarbeitet und passgenau für ihre Familie entschieden haben, hat einen Rahmen geschaffen, in dem die Familiensituation reflektiert und die individuellen Wünsche respektiert werden können, ohne eigene Gedanken zu behindern.

Der Beginn einer Kaufmannstradition

Den Grundstein für 275 Jahre Kaufmannstradition legte 1738 Christian Dethleffsen. Er ist es auch, der den Geist der Dethleffsens bis heute prägt. Sein Vater Hans Dethleffsen war noch Schiffer gewesen. 1709 hatte er aus Dankbarkeit für Gottes Hilfe im Sturm seiner Heimatkirche ein Votivschiff geschenkt, das heute im Flensburger Schifffahrtsmuseum hängt.
Sein jüngster Sohn Christian Dethleffsen lernte den Kaufmannsberuf und gründete am Holm 61 mit finanzieller Hilfe seiner Brüder Hans und Lorenz 1738 das Handelsgeschäft "Chr. Dethleffsen". Mit dem Vertrauen seiner Brüder im Rücken, machte er sich auf, neue Märkte zu erschließen. Flensburg konnte damals zollbegünstigt nach Norwegen und Kopenhagen liefern, und so schickte Christian Dethleffsen Schiffe mit Mehl, Erbsen und anderen Agrarerzeugnissen aus Schleswig-Holstein sowie Eichenholz für den Schiffbau, Flachs, Hanf und Teer, das er aus Danzig, Stettin und aus Russland beschaffte, nach Norwegen. Als Rückfracht brachten die Schiffe Nadelholz für den Hausbau mit.

Auf zu neuen Ufern

Hinzu kam das Westindiengeschäft. Ab 1780 diente Christians Sohn Hans als Kontaktmann auf der Insel St. Thomas. Geliefert wurden Lebensmittel, Talglichter, Neumünsteraner Textilwaren, Kupfer- und Goldschmiedearbeiten. Die Rückfracht: Zucker, Rum, Kaffee, Tropenhölzer.
Zu dieser Zeit gedieh Flensburg zu einer florierenden Kaufmannsstadt. Während die großen Seemächte wegen des Unabhängigkeitskrieges Amerikas gebunden waren, blieb der dänisch-norwegisch-schleswig-holsteinische Gesamtstaat neutral. Christian Dethleffsen baute sein Geschäft weiter aus und übergab seinem Sohn Lorenz 1793 ein solides Geschäft mit "gutem Kredit". Er hinterließ ihm außerdem den Sinn für Familie, Fleiß, Fröhlichkeit und das rechte Maß.

Krisen umschiffen

Mit den familiären Werten ausgestattet, führte Lorenz das väterliche Unternehmen durch die Folgen der Kontinentalsperre, des dänischen Staatsbankrotts und des Ausscheidens Norwegens aus dem Gesamtstaat. Er investierte noch stärker in die Reederei und engagierte sich im Ostseehandel. Und obwohl die Verluste in diesen Jahren eine starke Belastungsprobe waren, baute er 1825 mit Blick nach vorn für seinen Sohn Hans, Kapitän und Reeder, einen Westindienfahrer: die "Urania". Hans brachte unter anderem Rum und Zucker in die Stadt. Seine Brüder Christian und Lorenz, die das Handelsgeschäft der Familie übernommen hatten, vergrößerten ihre Geschäftsräume und richteten in den großen Kellerräumen eine Branntwein-Destillation ein. Neben Holz und Kolonialwaren handelte das Familienunternehmen fortan auch mit Spirituosen.
Nach Jahren stetiger Entwicklungen überstand Christian Dethleffsen auch die Weltwirtschaftskrise 1857. Dabei halfen ihm die beim Vater gelernten Werte.

Zwei Brüder, ein Gedanke

1862 übergibt Christian Dethleffsen die Geschäfte an seine beiden Söhne Diederich und Hermann G., damals erst 22 und 26 Jahre alt. Zwei Jahre später brach der deutsch-dänische Krieg aus. Schleswig-Holstein wurde Teil des deutschen Zollgebietes und ab 1871 des Deutschen Reiches. Die Entwicklungstendenzen für den Holzhandel und die Destillation waren gut. Die Brüder beschlossen deswegen 1870 die Teilung des Familienunternehmens nach Branchen. Der Kolonialwarenhandel wurde verkauft. Diederich Dethleffsen führte den Firmennamen Chr. Dethleffsen weiter. Hermann Dethleffsen gründete die Firma Herm. G. Dethleffsen Flensburg, die heutige HGDF-Familienholding.

Das Fest in der Flens-Arena

Das 275-jährige Jubiläum feiert das Traditionsunternehmen als Dankeschön mit Mitarbeitern, Wegbegleitern und Freunden in der Flens-Arena. Das Programm umfasst unter anderem einen Beitrag der Flensburger Schauspielerin Renate Delfs, die die Jubiläumsgäste gemeinsam mit ihrem Kollegen Christian Schröder in das Familienleben der Dethleffsens zurückblicken lässt.

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