250 Jahre Kolonisten auf der Geest: Der Atlas zum Jubiläum

Mit ihrem typischen Werkzeug, der Plaggenhacke, kultivierten die Kolonisten den Norden des Landes und einen Teil Jütlands.
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Mit ihrem typischen Werkzeug, der Plaggenhacke, kultivierten die Kolonisten den Norden des Landes und einen Teil Jütlands.

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24. März 2011, 07:19 Uhr

Eggebek | Sie heißen Königsberge, Königshöhe, Friedrichswiese, Friedrichsanbau, Friedrichsmoor, Louisenebene, Julianenhöhe, Sophienwiese, Magdalenenheide, Christiansholm oder Prinzenmoor - königliche Namen, die an ein bedeutsames Kapitel Landesgeschichte erinnern: an die Heide- und Moorkolonisation, die vor nunmehr 250 Jahren ihren Anfang nahm. Dieses Jubiläum hat der Arbeitskreis Plaggenhacke, in dem Kolonistenforscher und Familienkundler versammelt sind, zum Anlass genommen, einen Kolonisten-Atlas vorzulegen, den Ilona und Johannes Hansen aus Barderup nach über dreijähriger Recherche erarbeitet haben. Wie groß das Interesse an diesem Thema ist, verdeutlichte eindrucksvoll der mit 170 Besuchern bis auf den letzten Platz besetzte Saal des Eggebeker Gasthofes, in dem das 304 Seiten starke, reich illustrierte Werk präsentiert wurde.

Der Arbeitskreis-Vorsitzende Christian Winkel, nimmermüder Motor der Kolonistenforschung, skizzierte zunächst anschaulich den historischen Hintergrund der vom dänischen König Friedrich V. ausgelösten Zuwanderung aus Südwestdeutschland. Etwa 1000 Familien waren dem Ruf des Monarchen gefolgt und in das - wie es hieß - "nordische Paradies" gezogen. Am Beispiel eines am 28.1.1761 in Frankfurt am Main gen Norden gestarteten Trecks, der sich aus 50 Personen aus dem Kraichgau und fünf Fuhrwerken zusammensetzte, schilderte er die Schwierigkeiten und Risiken eines solchen Unternehmens. Die angehenden Kolonisten wurden nach der beschwerlichen Anreise in Altona von Beamten des dänischen Königs empfangen und nach Schleswig weitergeleitet. Dort, auf Schloss Gottorf, trafen die Mitglieder des Trecks am 17. März 1761 ein, um auf die Kolonistenstellen auf der schleswigschen Geest und in Jütland verteilt zu werden.

In ihrem Kolonisten-Atlas dokumentieren Ilona und Johannes Hansen 480 jener rund 520 Höfe, die einst in den Ämtern Flensburg, Gottorf und Tondern von Siedlern aus Südwestdeutschland gegründet wurden. Bei den Vorarbeiten konnte sich der Vermessungsingenieur Hansen auf Erfahrungen stützen, die er bei der Erstellung der Ortschroniken von Barderup und Sankelmark gesammelt hatte. Eine zusätzliche Motivation war für ihn, dass zu seinen eigenen Vorfahren auch Kolonisten zählen, die auf der Geest siedelten. Außerdem konnten er und seine Frau und Co-Autorin Ilona Hansen sich auf eine Reihe von Helfern stützen, die ihnen zuarbeiteten. Dennoch ist er nach eigenen Angaben über 2 000 Kilometer kreuz und quer durchs Land gefahren, um Kolonistenstellen aufzusuchen, sie zu fotografieren und im Gespräch mit den heutigen Eigentümern der Höfe historische Daten abzuklären. Für den Atlas wurden die Kolonistengebäude in Karten aus den Jahren 1761/63, 1800 und 1874 sowie der aktuellen Topografischen Karte (1:25 000) markiert. Für Familienforscher ist der Band eine wahre Fundgrube, da detailliert Eigentümerwechsel dokumentiert und Tausende von Namen erwähnt werden. Es ging den Autoren in erster Linie darum, darzustellen, wann die jeweiligen Kolonistenstellen gegründet wurden und was aus den rund 250 Jahre alten Gebäudekomplexen im Laufe der Zeit geworden ist.

Die Mitarbeiter des AK Plaggenhacke, deren Aktivitäten von der grenzüberschreitenden Kulturbrücke der Region Sønderjylland-Schleswig gefördert werden, bereiten zum 250-jährigen Jubiläum der Heide- und Moorkolonisation eine Reihe von Veranstaltungen an verschiedenen Plätzen der Geest vor. Die Buchpräsentation war der bemerkenswerte Auftakt. Der Band bietet eine ideale Ergänzung zur 1981 erschienenen umfangreichen "Chronik der Heide- und Moorkolonisation im Herzogtum Schleswig 1760-1765" von Otto Clausen.

Der Atlas kostet 25 Euro und ist beim Leiter der Arbeitsgemeinschaft Plaggenhacke zu bestellen: Christian Winkel, Stieglundsander Weg 1, 24992 Jörl, Telefon: 04607-720, E-Mail: h-c.winkel@t-online.de.

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