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Puttgarden-Rødby : 200 Syrer wollten nach Schweden – Dänemark nur Transitland

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach einer kleinen Flüchtlingswelle am Wochenende ist in Dänemark ist die Debatte über Grenzkontrollen neu entfacht.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2015 | 13:45 Uhr

Puttgarden | In Dänemark rechnet man damit, dass viele syrische Flüchtlinge nicht in Deutschland Halt machen, sondern auch versuchen werden, über die Landgrenze einzureisen. Doch wie es seit gestern scheint, sind viele bloß auf der Durchreise – und das nicht nur über den Landweg: Am Sonntag kamen mehr als 200 Flüchtlinge über die blaue Grenze mit der Fähre von Puttgarden nach Rødby.

Nach ihrer Ankunft am Bahnhof Rødby versuchten einige, über die Felder zu flüchten. Ihre Begründung für diesen Fluchtversuch: Sie wollen nach Schweden. Für die Fahrt über den Öresund hatten die meisten sogar ein Ticket, berichtet der dänische Sender TV2. Doch wohl aus Furcht, in Dänemark festgehalten zu werden, ergriffen sie die Flucht. In zwei Hotels in Rødby und Umgebung haben die Beamten in der vergangenen Nacht 166 Flüchtlinge untergebracht. Sie alle wollten nach Schweden und benutzten Dänemark und Deutschland nur als Transitländer.

64 Flüchtlinge wurden noch gestern Abend ins nordseeländische Flüchtlingslager Sandholm gebracht, wo nun ihr Antrag auf Asyl in Dänemark geprüft werden soll. Ob einige der Flüchtlinge wieder nach Deutschland abgeschoben werden sollen, will die dänische Polizei heute klären.

Am Montagmorgen kamen weitere 100 Flüchtlinge mit dem Zug bei Pattburg über die deutsch-dänische Grenze. Bei der Kontrolle im Zug kam es laut der Polizei in Südjütland zu einem Zwischenfall, bei dem ein Beamter Pfefferspray einsetzen musste. Ansonsten gab es keine Vorfälle. Die Erfassung und Einstufung der Flüchtlinge, die in dem DSB-Zug aus SH kommend in Rothenkrug bei Apenrade von der Polizei gestoppt wurden, dauert an. Am liebsten möchten die größtenteils aus Syrien geflüchteten Männer, Frauen und Kinder im Zug bleiben und ihre Reise nach Schweden fortsetzen. Dort haben die meisten Familie.

Integrationsministerin Inger Støjberg (Venstre) sagte im dänischen Fernsehsendersender TV2, man müsse zwischen Asylsuchenden und Migranten unterscheiden. Wirtschaftsmigranten müssten sofort nach Hause geschickt werden, auch um mögliche Nachahmer abzuschrecken.

Die Dansk Folkeparti hat die vermehrte Einreise von Flüchtlingen aus Deutschland zum erneuten Anlass genommen, die Einführung strenger Grenzkontrollen zu fordern. Jetzt müsse die Regierung Charakter zeigen, so Parteichef Kristian Thulesen Dahl. Das Schengen-Abkommen sei zerbrochen. „Wir müssen jetzt Grenzkontrollen einzuführen. Ob vorübergehend oder dauerhaft - es muss passieren“.

In den anderen Oppositionsparteien ist man sich einig, dass mit rot-weißen Schlagbäumen keineswegs erreiche, dass weniger Flüchtlinge einreisen. „Die Menschenschmuggler werden immer einen anderen Weg finden. Wir sind umgeben von Meer“ schrieb Jacob Mark von der Sozialistischen Partei auf Facebook. Es mache im Gegenteil Sinn, die europäische polizeiliche Zusammenarbeit zu stärken und mehr Mittel für die zusätzliche Polizeikräfte an der dänischen Grenze auszugeben.

Pernille Skipper (Enhedslisten) ließ auf Twitter andere Töne anklingen: „Wenn ich heute Abend in Rødby wäre, dann würde ich „willkommen“ rufen, so laut ich kann. Komm. In Dänemark kümmern wir uns gegenseitig, auch um Menschen auf der Flucht.“

Die Regierung hat den Vorstoß der rechten Dansk Folkeparti bisher mit dem Hinweis auf das Schengener Abkommen abgelehnt, ist aber nach Informationen des „Nordschleswigers“ aber bereit, den Kontrolleinsatz an der deutsch-dänischen Grenze zu verstärken.

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