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„Ohne dich“ : 20 Jahre zusammen, fast immer Selig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Band „Selig“ aus Schleswig-Holstein feiert ihr Bandjubiläum. Doch es gibt nicht nur Grund zum Feiern.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 16:55 Uhr

Hamburg | Eine Kneipe im Hamburger Schanzenviertel. Nach und nach treffen die Mitglieder der Band Selig ein, um Interviews zu geben. Doch einer fehlt: Malte Neumann. Der Keyboarder, der in Lütjensee (Kreis Stormarn) aufgewachsen ist, hat die Gruppe kürzlich verlassen. Wegen persönlicher und künstlerischer Differenzen. Somit bekommt die CD „Die Besten (1994-2014)“, mit der die Musiker ihr 20-jähriges Bandjubiläum begehen, einen bitteren Beigeschmack – sie wird zugleich zu einem Abschiedsalbum.

Das Ende von Selig bedeutet sie indes nicht. Sänger Jan Plewka, Gitarrist Christian Neander, Bassist Lenard „Leo“ Schmidthals und Schlagzeuger Stephan „Stoppel“ Eggert – wie Plewka wohnt er in Ahrensburg – wollen jetzt als Quartett weitermachen. Weil sie eben nicht an dem Punkt sind, an dem sie Ende der 90er Jahre standen, als sie sich trennten. Damals hatten sie ein kollektives Burn-out, es gab bloß noch Streit. „Nachdem sich unser Traum erfüllt hatte“, erinnert sich Plewka, „wurde er zur Desillusion. Wir erlebten alles so schnell, dass am Schluss nichts mehr übrig blieb.“

Das Quintett verschwand für eine Dekade von der Bildfläche. Streng genommen war es also nur die Hälfte der Zeit wirklich aktiv. Das sei schon richtig, räumt Eggert ein. Dennoch findet er die Zwei-Jahrzehnte-Sause völlig in Ordnung: „Wir sind zehn Jahre zusammen, haben aber vor 20 Jahren zum ersten Mal geheiratet. Das kann man ja auch feiern.“ Auf jeden Fall war die Ehe der Seligen recht turbulent. Mal standen sie ganz oben, mal litten sie unter dem ewigen „Höher, schneller, weiter“-Druck, sie redeten kaum noch miteinander.

Allerdings scheint sich ihre Beziehung gefestigt zu haben, seit sie sich 2008 wiedervereinigten. Reifer seien sie geworden, glaubt Eggert: „Weil wir aus der Vergangenheit gelernt haben, können wir heute mit Problemen besser umgehen.“ Das macht sich bezahlt. Die Gruppe ist jetzt erfolgreicher als in ihrer Anfangsphase. Ihre Platten schaffen es stets in die Top Ten der Charts.

Selbst Journalisten, die sie früher als „oberflächliche Mucker“ beschimpften und der Hamburger Schule den Vorzug gaben, nehmen sie inzwischen ernst. „Einige Leute“, sagt Schmidthals, „haben sich sogar dafür bei uns entschuldigt, dass sie uns zuerst kritisiert haben.“

Somit ist fast alles im Lot. Nur eins fehlt Selig noch: ein Single-Hit. „Wir sind halt eine Albumband“, bringt es Eggert auf den Punkt. „Das ist doch besser, als ein One-Hit-Wonder zu sein, dessen CDs keiner kauft.“ Trotzdem würde er sich natürlich über einen Single-Erfolg freuen. Schmidthals wiederum sieht das so: „Wir haben mit ‚Ohne dich‘ einen Evergreen erschaffen, den bei unseren Konzerten jeder mitsingt. Darauf können wir stolz sein.“

Selbstverständlich wurde auch dieser Klassiker fürs Best-Of-Album umarrangiert. Er zeigt sich nun noch ein bisschen ruhiger als die ursprüngliche Version. „Beim Original hört man einen jungen Mann leiden“, erklärt Plewka. „Die Neufassung ist reflektierender.“ Nach dem Motto: runter mit dem Tempo.

Die Musiker kehren diesmal ihre sanfte Seite hervor. Stücke wie „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ würden sich mit ihren Streicherpassagen hervorragend auf einer Unplugged-Platte machen. Hier und da packen die Selig-Jungs ein paar dezente Beats obendrauf. „Wir sind am überlegen, wie wir das Ergebnis nennen sollen“, räumt Plewka ein. „Am ehesten trifft es wohl so etwas wie detailreiche Reduktion.“

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