zur Navigation springen

Krippengeld in SH : 100 Euro für jedes Kita-Kind – Entlastung oder Wahlkampf-Trick?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

150 bis 500 Euro kostet ein Krippenplatz im Schnitt. Doch die Kosten steigen und das könnte an der geplanten Entlastung knabbern.

Kiel | Das von der Koalition zum 1. Janaur 2017 geplante Krippengeld könnte für viele Eltern zur Enttäuschung werden. Er habe „registriert, dass viele Kommunen höhere Kita-Gebühren beraten oder schon beschlossen haben“, sagte der Geschäftsführer des Gemeindetages, Jörg Bülow, dem sh:z.

Um wie viele kommunale Kita-Träger und um welche Gebührensteigerungen es dabei geht, konnte Bülow zunächst nicht sagen. Das Land finanziert die Betriebskosten seit Jahren mit konstant 122 Millionen Euro. Die Kosten aber seien „drastisch gestiegen“, sagte Bülow. Die Folge: Kommunen schultern einen immer höheren Anteil, reichen die Belastung über Gebühren an Eltern weiter.

Die Landesregierung hat unterdessen am Dienstag ihren Gesetzentwurf zur Einführung des vor allem von der SPD in Aussicht gestellten Krippengeldes auf den Weg gebracht. Auf Antrag können Eltern von Kindern unter drei Jahren, die in einer öffentlich geförderten Kinderkrippe betreut werden, danach von 2017 an bis zu 100 Euro vom Land erhalten.

Steigen die Gebühren für die Kinderbetreuung, wie vom Gemeindetag beobachtet, tatsächlich auf breiter Front, bleibt vom Kita-Geld netto weniger als Entlastung für Eltern. „Es steht zu befürchten, dass im Zweifel die Träger die eigentlichen Nutznießer dieser Form der Entlastung sind“, sagte der FDP–Sozialpolitiker Heiner Garg.

Sozialministerin Kristin Alheit dagegen nannte die Einführung des Krippengeldes einen „Beitrag zur Chancengleichheit“. 23 Millionen Euro stellt das Land für den ersten Schritt zur langfristigen Kostenlos-Kita bereit. Ziel sei es, „allen Kindern eine frühe Teilhabe an Förderung und Bildung in der Krippe“ zu ermöglichen.

Fakt ist auch: Bezieher von Hartz IV erhalten keine Entlastung, Geringverdiener werden bereits über die Sozialstaffel entlastet. Die Kosten für einen Krippenplatz in Schleswig-Holstein belaufen sich Alheit zufolge zwischen 150 und 500 Euro monatlich.

Ab August stellt das Land zudem Mittel für zusätzliche Personalausgaben in der Ganztagsbetreuung für Kinder von drei bis sechs Jahren zur Verfügung. In Gruppen mit einer Betreuungszeit von mehr als sieben Stunden soll der Betreuungsschlüssel von derzeit 1,5 Fachkräften für 20 Kinder schrittweise erhöht werden. Ziel sei es, die Qualität der Betreuung zu verbessern, sagte Alheit.

Die CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann sprach mit dem Blick auf die Landtagswahl 2017 von „SPD-Wahlkampfhilfe“. Alheit konterte: Mit dem Vorwurf könne sie „gut leben“. Das Krippengeld sei lange angekündigt und in der Koalition vereinbart.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen