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TV-Kritik : „Polizeiruf“: Der Duft von frischem Mord

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein polnischer Tischlermeister wird ermordet. Eine zwar unspektakuläre, dafür aber tiefgründige Ballade vom Leben und Sterben im ostdeutschen Hinterland.

Wenn „Polizeiruf“-Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) erst einmal ihren Unterkiefer vorschiebt, dann ist dicke Luft angesagt. Erst recht, wenn ein Mord und der dazugehörige Einsatzbefehl mitten in der Nacht kommen, so dass sie Töchterchen Alma mangels Babysitter mit ins deutsch-polnische Kommissariat in Swiecko bringen muss.

Sehr zum Verdruss von Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), der von den Kapriolen seiner Kollegin eh schon genervt ist. Dienstvorschrift? Absprachen? Teamarbeit? Das alles geht mit Lenski nicht. Und doch müssen sie sich heute zusammenraufen, um den Mord an einem polnischen Tischlermeister aufzuklären. Und sei es in einem gemeinsamen Hotelbett.

Familienvater Janusz Kubiak wurde in einem Wald bei Szczecin erschlagen aufgefunden. Wie sich zeigt, hatte er bei seinem letzten Job im nahen Wüsterow auf deutscher Seite ein Techtelmechtel mit Sabrina Uhl, der Tochter seiner Auftraggeberin. Doch nun ist Kubiak tot und die junge Frau spurlos verschwunden. Unter Verdacht gerät der Freund von Sabrina, Enrico (Anton Spieker), der sie eifersüchtig überwacht hatte. Selbst seiner Mutter (Ulrike Krumbiegel) schwant Schlimmes. Doch wie eine Glucke schützt sie ihren Sohn, so dass Lenski und Raczek tief in die Trickkiste greifen müssen, um hinter Enricos Geheimnis zu gelangen.

Dienstvorschrift? Absprachen? Teamarbeit? In ihrem dritten Fall pfeifen nun beide Kommissare drauf. Und siehe – plötzlich klappt’s auch mit dem Kollegen. Was wir Anika Wangard (Buch) und Eoin Moore (Buch, Regie) zu verdanken haben, die Simon und Gregorowicz einfach lange Leine geben. Schon, weil beide die brandenburgische Provinz offenbar antizipiert haben und uns zwei authentische Figuren zelebrieren.

Heraus kommt so erneut eine zwar unspektakuläre, dafür aber tiefgründige Ballade vom Leben und Sterben im ostdeutschen Hinterland. Ein Heimat-Krimi, wie wir ihn in „Tatort“ und „Polizeiruf“ nur noch selten so intensiv erleben. Duftig-deftig, wie ein Kuhfladen!

„Polizeiruf 110: Muttertag“, 20.15 Uhr, ARD


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