Kiel: Zahl der Straftaten in Kiel auf dem niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre

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22. Mai 2018, 10:33 Uhr

Kiel (ots) -

Nach Auswertung der in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS)
für 2017 registrierten Straftaten zeigt sich, dass die Gesamtzahl auf
dem niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre ist.

Nach dem Rückgang um 0,6 Prozent in 2016 ist die Anzahl der
Straftaten im Vergleich 2017 zu 2016 deutlich um 7,6 Prozent
gesunken. Das entspricht einer Anzahl von knapp 2.000 Taten. Bei der
Kriminalitätsbelastung, gemessen an der Häufigkeitszahl errechnet auf
100.000 Einwohner, weist die Landeshauptstadt mit einem Wert von
9.673 den niedrigsten Wert aller kreisfreien Städte in
Schleswig-Holstein auf.

Die Zahl der festgestellten Einbrüche konnte erneut um knapp 8,5
Prozent gesenkt werden. Rückgänge von insgesamt etwas über 7 Prozent
gab es ebenfalls bei den sogenannten Rohheitsdelikten. Besonders
deutlich ist mit über 35 Prozent der Rückgang der Fahrraddiebstähle.
In Zahlen: 2017 wurden in Kiel über 1.100 Fahrräder weniger gestohlen
als im Vorjahr. Ein Erfolg, den der Leiter der Polizeidirektion Kiel,
Thomas Bauchrowitz, auch in der Einrichtung der "Ermittlungsgruppe
Speiche" beim 2. Polizeirevier sieht. "Die dortigen Kollegen konnten
mehrere Tatverdächtige ermitteln und zum Teil internationale
Verschiebungen aufklären".

Die intensiven Bemühungen im Bereich der Einbruchskriminalität
sind Bauchrowitz zufolge auch 2017 für den Rückgang der Taten
verantwortlich. "Durch offene und verdeckte Maßnahmen - bis hin zum
Hubschraubereinsatz - und die enge Verzahnung von Ermittlungen und
Streifentätigkeit, sowie der Durchführung einer Vielzahl von
Beratungsveranstaltungen zum Thema Einbruchschutz haben wir hier
erfolgreich einen deutlichen Arbeitsschwerpunkt gesetzt." Es ist den
Kieler Ermittlern gelungen, mehrere Tatverdächtige vorläufig
festzunehmen beziehungsweise in Untersuchungshaft zu bringen. "Der
Verschärfung des Strafrechts, das den Einbruch in dauerhaft genutzte
Wohnungen nun als Verbrechen einstuft, wird hier Rechnung getragen",
so der Behördenleiter.

Bauchrowitz betont erneut die Wichtigkeit von Anrufen der Bürger
beim Polizeiruf 110 bei verdächtigen Beobachtungen. "Durch Ihre
Hinweise haben wir in mehreren Fällen Tatverdächtige auf frischer Tat
festgenommen. Scheuen Sie sich nicht, die 110 zu wählen!" Gegenüber
den genannten Rückgängen ist die Zahl der angezeigten Straftaten
gegen die sexuelle Selbstbestimmung in 2017 um 146 Fälle auf nun 330
Taten deutlich angestiegen. Thomas Bauchrowitz sieht die Zunahme
unter anderem auch dadurch begründet, dass es eine Änderung des
Strafrechts, unter anderem durch die neuen Paragraphen 184i StGB
(Sexuelle Belästigung) und 184j StGB (Straftaten aus Gruppen),
gegeben habe. Dadurch haben allein schon 60 Taten Eingang in die PKS
gefunden, die in den Vorjahren nicht erfasst werden konnten. Hinzu
kommt die öffentliche Diskussion und Enttabuisierung (#MeeToo, "Ein
Nein ist ein Nein!"), wodurch eine Vielzahl Delikte angezeigt wurde,
wodurch mehr Taten aus dem Dunkelfeld ins sogenannte Hellfeld gerückt
sind. Des Weiteren gab es im Bereich der Kieler Universität eine
kleinere Tatserie eines Exhibitionisten, der mittlerweile aber
gefasst ist.

Matthias Arends

Zahlen & Daten:

Straftaten

23.934 Straftaten sind 2017 in der PKS für die Landeshauptstadt
Kiel aufgeführt. 2016 waren es 25.908, was einem Rückgang von 1974
Taten beziehungsweise 7,6 Prozent entspricht. Im 10-Jahres-Vergleich
haben sich die Straftaten in Kiel von 31.900 in 2008 damit deutlich
um knapp 25 Prozent reduziert und befinden sich gleichzeitig auf dem
niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Bei der
Kriminalitätsbelastung weist Kiel mit einer Häufigkeitszahl von 9.673
erstmals wieder eine Belastung von weniger als 10.000 Straftaten pro
100.000 Einwohner aus. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 846
(8%) gesunken. Im Vergleich mit den drei anderen kreisfreien Städten
Neumünster (12.238), Lübeck (10.896) und Flensburg (10.187) schneidet
Kiel, wie auch in den Vorjahren, hier am besten ab.

Aufklärungsquote

Bezogen auf alle Deliktsbereiche liegt die Aufklärungsquote bei
23.934 bekannt gewordenen Straftaten bei 48 Prozent. 2016 betrug die
Aufklärungsquote 50 Prozent.

Ermittelte Tatverdächtige

7.949 Tatverdächtige hat die Kieler Polizei 2017 ermittelt. Das
ist zwar ein deutlicher Rückgang gegenüber den 2016 ermittelten 9.249
Personen, lässt sich aber auch dadurch erklären, dass durch den
versiegenden Flüchtlingsstrom deutlich weniger Verstöße gegen
aufenthaltsrechtliche Bestimmungen zu erfassen waren. Etwa 38 Prozent
der Tatverdächtigen waren bereits polizeilich bekannt. Knapp 67
Prozent aller Tatverdächtigen sind in Kiel wohnhaft, 80 Prozent der
ermittelten Tatverdächtigen sind männlich.

Deutlich überrepräsentiert sind die Jugendlichen und
Heranwachsenden (Altersgruppe 14-21), die zusammengefasst 18,09
Prozent aller Tatverdächtigen stellen, jedoch nur 6,81 Prozent der
Kieler Bevölkerung ausmachen.

Dieser überdurchschnittlich hohe Anteil wird bereits seit Jahren
festgestellt und im Allgemeinen mit der entwicklungstypischen Phase
junger Menschen erklärt. Zur Verhinderung einer Verstetigung dieser
Entwicklungen werden Ermittlungen gegen jugendliche Intensivtäter
seit mehreren Jahren im Kommissariat 13 der BKI Kiel konzentriert
bearbeitet. Darüber hinaus werden auch bei den Polizeirevieren
Ermittlungen gegen Jugendliche durch spezialisierte
Jugendsachbearbeiter bearbeitet.

Nichtdeutsche Tatverdächtige

Von den ermittelten 7.949 Tatverdächtigen waren 27,6 Prozent
nichtdeutscher Nationalität. Rechnet man die rein
ausländerrechtlichen Verstöße ab, ergibt sich eine Prozentzahl von
knapp 25 Prozent.

Eine mögliche Zuwanderungshistorie kann mit der PKS nicht
dargestellt werden, da nur die bei Begehung der Straftat aktuelle
Staatsangehörigkeit aufgenommen wird. Gleichfalls gibt es Delikte,
wie zum Beispiel im Ausländerrecht, die ausschließlich von Ausländern
begangen werden können.

Diebstahlsdelikte

Den größten Anteil aller in Kiel begangenen Straftaten machen wie
auch in den Jahren zuvor mit knapp 48,28 Prozent die
Diebstahlsdelikte aus. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2017 um 53
Taten gegenüber dem Vorjahr gesunken, insgesamt gab es 572 Taten. Das
entspricht dem zweitniedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre.
Darin enthalten sind 281 Versuche, also rund 50 Prozent. Die Zahl der
angezeigten Fahrraddiebstähle ist von 3.314 auf 2.123 in 2017
gesunken. Mit Einrichtung der EG Speiche hat die Polizeidirektion
Kiel in diesem Deliktsfeld erfolgreich einen neuen Arbeitsschwerpunkt
gesetzt. Dennoch appellieren wir an die Eigenverantwortlichkeit der
Fahrradbesitzer: Ein hochwertiges Schloss hält so manchen Fahrraddieb
von seinem Vorhaben ab.

Rohheitsdelikte

Einen Rückgang von 7,2 Prozent (250 Taten) verzeichnete die Kieler
Polizei im Bereich der Rohheitsdelikte. Insgesamt haben
Rohheitsdelikte einen Anteil von 13,49 Prozent an der
Gesamtkriminalität. Die Zahl der angezeigten Raubtaten (284) sank im
Vergleich zu 2016 um acht Taten. Die Gesamtzahl der
Körperverletzungen ist von 2.551 Taten in 2016 auf 2.353 Taten
(-7,8%) gesunken.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist im
Vergleich 2016 zu 2017 um 146 Taten auf 330 Taten angestiegen, was
einer Steigerung von knapp 80 Prozent entspricht. Als ein Grund
hierfür kommt unter anderem in Betracht, dass die Änderung des
Strafrechts durch neue Paragraphen nun Fälle erfasst, die zuvor nicht
in der PKS abgebildet werden konnten. Dies betrifft rund 60 Fälle aus
2017. Weiterhin ist eine Enttabuisierung durch die öffentliche
Debatte zu diesen Themen festzustellen, so dass auch eine
Verschiebung vom Dunkel- zum Hellfeld stattgefunden hat.

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Die Vermögens- und Fälschungsdelikte machen 12,26 Prozent aller in
Kiel bekannt gewordenen Straftaten aus. Im Vergleich zum Vorjahr sind
die 2017 2.935 angezeigten Taten fast exakt gleich geblieben (2016:
2.934).

Rauschgiftkriminalität

2017 stellte die Polizei insgesamt 964 Fälle von
Rauschgiftkriminalität fest, das sind 92 Fälle mehr als im Vorjahr.
Die meisten Fälle standen im Zusammenhang mit Cannabis-Produkten. Da
es sich bei Rauschgiftdelikten in der Regel um sogenannte
Kontrollkriminalität handelt, ist die Steigerung auch auf eine beim
4. Polizeirevier eingerichtete Ermittlungseinheit zur Intensivierung
des Straßendeals zurückzuführen. Aus der Bevölkerung erlangt die
Polizei zudem vermehrt Hinweise auf Cannabisplantagen in Wohnungen
oder Aktivitäten von Dealern im öffentlichen Raum. 13 Drogentote gab
es 2017 in der Landeshauptstadt, im Vorjahr waren es sieben.

Einsatzzahlen

Die Regionalleitstelle hat 2017 etwa 60.000 Einsätze in der
Landeshauptstadt koordiniert. Darin enthalten sind direktionsweit 267
geschlossene Einsätze (z.B. Fußball, Demonstrationen), bei denen für
die Polizisten - außerhalb des täglichen Reaktionsdienstes - etwa
72.000 Einsatzstunden anfielen.

Die vollständige Version der PKS ist im Internet unter http://www.
schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/POLIZEI/DasSindWir/PDen/Kiel
/pdKiel_index.html abrufbar.




Rückfragen bitte an:
Polizeidirektion Kiel
Stabsstelle/Öffentlichkeitsarbeit
Gartenstraße 7, 24103 Kiel

Tel. +49 (0) 431 160 - 2010 bis 2012
Fax +49 (0) 431 160 - 2019
Mobil 1 +49 (0) 171 290 11 14
Mobil 2 +49 (0) 171 30 38 40 5
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