Den Unfallflüchtigen auf der Spur - 1. Bundesfachtagung in Kiel

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30. Oktober 2019, 13:12 Uhr

Kiel (ots) - Am 29. und 30.10.2019 fand in Kiel eine bundesweite Expertentagung
zum Einsatz von Spurensicherungsfolien bei Verkehrsunfallermittlungen statt.

Die Landespolizei Schleswig-Holstein hatte im Jahr 2017 das besondere Verfahren
zur Spurensicherung mit der Spurensicherungsfolie und USB-Mikroskop landesweit
eingeführt. Diese Ermittlungshilfe hat sich im täglichen Einsatz bewährt. 53
Experten aus elf Bundesländern trafen sich zur ersten Bundesfachtagung im
Marinestützpunkt Kiel. Darunter waren Fachleute aus den Bereichen Auswertung von
Spurensicherungsfolien, Kriminaltechnik, Gutachter der Versicherungswirtschaft
und aus den Justizbehörden

Die Anzahl der Verkehrsunfallfluchten stieg bundesweit in den vergangenen zehn
Jahren kontinuierlich an, in Schleswig-Holstein von 16.645 auf 20.832 Fälle.
1013 Verkehrsteilnehmer wurden im vergangenen Jahr bei diesen Verkehrsunfällen
leicht und 76 schwer verletzt. 2018 erlitten drei Unfallbeteiligte tödliche
Verletzungen, nachdem der Unfallverursacher sich unerlaubt vom Unfallort
entfernte. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort ist kein "Kavaliersdelikt",
sondern eine Straftat, die Fahrerlaubnisentzug und Freiheitsstrafe zur Folge
haben kann.

Im Rahmen der Unfallaufnahme (Beweissicherung) und Sachbearbeitung (Auswertung)
bei unerlaubtem Entfernen vom Unfallort wird seit dem 01.10.2017 die
Spurensicherungsfolie als Ermittlungshilfe angewendet. Die gesicherten
Unfallspuren werden mittlerweile von über 70 Verkehrsermittlern landesweit
ausgewertet. Ziel ist es, die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich zu
erhöhen. Mit Einführung der Spurensicherungsfolie in Schleswig-Holstein ist das
Entdeckungsrisiko für die Unfallflüchtigen deutlich gestiegen.

Bei der Verwendung der Spurensicherungsfolie können nicht nur Lackspuren,
sondern auch vergleichbare Partikel, z. B. Sedimente, markante Kunststoffe,
Farbpartikel, Holz oder pflanzliche Rückstände, gesichert werden. Das gesamte
Spurenbild mit abgebildeten Konturen zeigt sich in der Folie und kann im Rahmen
der Auswertung durch die Verwendung eines USB-Mikroskops auf Deckungsgleichheit
geprüft werden. Bei der Auswertung werden vermeintliche Unfallverursacher
ausgeschlossen oder der Tatverdacht kann erhärtet werden. Zudem wurden auch
fingierte Verkehrsunfälle aufgedeckt.

Bei einem Großteil der über 20.000 Verkehrsunfallfluchten ist die
Spurensicherungsfolie im vergangenen Jahr zum Einsatz gekommen. Nach
Einschätzung der Verkehrsermittler sind 75-80 % der genommenen Spuren (Folien)
in Hinblick auf die Beweiszwecke auch tatsächlich verwendbar, enthalten also
auswertbare und bewertbare Spuren.

Tagungsleiter Ulrich Baschke aus dem Verkehrsdezernat im Landespolizeiamt zeigte
sich mit der Tagung sehr zufrieden: "Die Tagung war für die weitere Entwicklung
und die Verbesserung der Ermittlungsmöglichkeiten bei Verkehrsunfallfluchten
sehr wichtig und wertvoll. Vom regen fachlichen Austausch zwischen den
Teilnehmern werden wir profitieren."



Rückfragen bitte an:
Torge Stelck
Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration
Schleswig-Holstein
Landespolizeiamt
Mühlenweg 166
24116 Kiel
Telefon: +49 (0)431 160 61400
E-Mail: pressestelle.kiel.lpa@polizei.landsh.de

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