BDK: Polizeiliche Kriminalstatistik NRW: Erfreuliche Rückgänge bei der Einbruchs-, Diebstahls- und Straßenkriminalität - Kriminalpolizei in dramatischer Verfassung

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07. März 2018, 16:13 Uhr

Düsseldorf (ots) - Wie passen die in der Überschrift formulierten
Feststellungen zusammen? Die Erklärung liegt in der polizeiliche
Kriminalstatistik (PKS), der vermutlich am häufigsten
missverstandenen und fehlinterpretierten Statistik Deutschlands.
Obgleich dies oft von deutschen Innenministern und Medien suggeriert
wird, liefert sie gerade kein wirklichkeitsgetreues Abbild der
Kriminalitätsentwicklung sondern allenfalls den Ausschnitt eines
Tätigkeitsnachweises der Polizei. Riesige Kriminalitätsfelder fehlen.
So enthält die Statistik ausgerechnet keine Daten zu der besonders
Besorgnis erregenden Staatsschutzkriminalität, zur Steuerkriminalität
oder zu der "Cyberkriminalität", bei der die Täter aus dem Ausland
heraus agieren. Viele Kriminalitätsbereiche weisen riesige
Dunkelfelder auf. Nur der geringste Teil der Wirtschafts-, Umwelt-,
Korruptions-, Rauschgift- und Organisierten Kriminalität gerät an die
Oberfläche und wird von der Polizei bekämpft. Es handelt sich um
sogenannte Kontrollkriminalität, d. h. die Höhe der Fallzahlen
korreliert unmittelbar mit der Anzahl des zur Bekämpfung dieser
Delikte eingesetzten Personals. Anders ausgedrückt ist die Zunahme
der Rauschgiftdelikte eine erfreuliche und die Abnahme der
Wirtschaftsdelikte eine alarmierende Entwicklung.

Bei ca. zwei Dritteln aller Delikte liegt die einzige Motivation
der Täter darin, auf illegale Weise Eigentum oder Vermögen zu
erlangen. Von den geschätzten 20 Milliarden Euro, die in NRW jährlich
kriminell erwirtschaftet werden, bekommen die
Strafverfolgungsbehörden nur weniger als 1 Prozent zu Gesicht.
Überlegungen der Landesregierung, ausgerechnet die 140 sog.
Sockelstellen für Finanzermittler zu streichen, muten angesichts
dieser Dimensionen geradezu grotesk an.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW fordert bereits seit Jahren
Periodische Sicherheitsberichte und umfassendere Lagedarstellungen,
die u. a. Aussagen zur tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung, zu
Erkenntnissen über Dunkelfelder sowie den Präventionsbemühungen
enthalten. "Das wäre eine ehrlichere Information der Bevölkerung. Die
wiederkehrend zu positive Interpretation der Polizeilichen
Kriminalstatistik hat uns erst in die missliche Lage gebracht, dass
wir zu wenig Personal und zu wenige Qualifizierungs- und
Spezialisierungsangebote in NRW haben. Nun erleben wir das in diesem
Jahr erneut. Die Kripo pfeift buchstäblich aus dem letzten Loch. Wir
sollten uns über die Rückgänge bei bestimmten Delikten freuen, aber
der Bevölkerung reinen Wein einschenken, denn Grund zum Jubeln oder
gar zum Aufatmen haben wir noch lange nicht.", so die erste
Einschätzung des BDK-Landesvorsitzenden Sebastian Fiedler.

Sinkende Fallzahlen bei der Einbruchskriminalität.

Das ist eine besonders erfreuliche Entwicklung. Sie belegt
eindrucksvoll, dass die Einschätzung des BDK NRW, dass die erhöhten
Fallzahlen der letzten Jahre auf das Konto professioneller Täter
gingen, augenscheinlich richtig war. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen
gehen diese Fallzahlen zurück. Auch andere Bundesländer sowie
Österreich vermelden vergleichbare Rückgänge. Es spricht alles dafür,
dass das Bemühen, die kriminalpolizeiliche Arbeit in diesem Bereich
zu verbessern und zu verstärken, gute Präventionskonzepte, eine hohe
öffentliche Aufmerksamkeit, gesteigerte Sozialkontrolle sowie nicht
zuletzt das Schließen der sog. Balkanroute dazu beigetragen haben,
dass professionelle Tätergruppen ihren Aktionsraum Richtung Norden
verlagert haben. Nach Erkenntnissen der europäischen Polizeibehörde
Europol haben die skandinavischen Länder derzeit mit einer Zunahme
der Wohnungseinbruchskriminalität zu kämpfen.

"Wir sollten das eine tun ohne das andere zu lassen. Wir können
uns über die Rückgänge in bestimmten Kriminalitätsfeldern freuen.
Zeitgleich dürfen wir keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass die
Kriminalpolizei in NRW erheblich gestärkt werden muss, wenn wir den
tatsächlichen Herausforderungen gewachsen sein wollen. Beim nächsten
Anschlag wird die Frage lauten: Was hat die Landesregierung getan, um
die Sicherheitsbehörden in die Lage zu versetzen, ihn zu verhindern?
Zwar liegt der Vorschlag für eine Anpassung des Polizeigesetzes auf
dem Tisch. Allerdings gibt es bislang keine Verstärkung der
überalterten Kripo, keine kriminalpolizeiliche Ausbildung und ein
massives Defizit an Qualifizierungsangeboten. Die Fehleranfälligkeit
steigt daher Tag für Tag. Wer eine gute Kripo will, muss die
Rahmenbedingung dafür schaffen. Derzeit ist da reichlich Luft nach
oben." fasst Sebastian Fiedler zusammen.




Rückfragen bitte an:

Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK NRW)
Telefon: +49 173 5437253
E-Mail: lavo.nrw@bdk.de
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