Gesundheit : Warnstreik an Hamburger Kliniken: 2000 Ärzte demonstrieren

Hunderte Ärzte und Ärztinnen demonstrieren für mehr Geld und die Sicherung ihres Tarifvertrages.
Hunderte Ärzte und Ärztinnen demonstrieren für mehr Geld und die Sicherung ihres Tarifvertrages.

Sie beklagen eine hohe Arbeitsdichte und fordern mehr Geld. Erstmals seit 2005 sind Hamburger Klinikärzte in einen Warnstreik getreten. In den betroffenen Kliniken wurden Operationen abgesagt.

shz.de von
24. April 2019, 16:03 Uhr

Protest in weiß: Zum ersten Mal seit Jahren haben Hamburger Klinikärzte mit einem Warnstreik und einem Demonstrationszug durch die Innenstadt ihrer Forderung nach mehr Geld und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck verliehen. Polizei und Ärztegewerkschaft Marburger Bund sprachen von etwa 2000 Teilnehmern.

Mit Trillerpfeifen und Transparenten hatten die Ärzte und Ärztinnen bei der Kundgebung, die im Stadtteil St. Georg begann und auf dem Gänsemarkt endete, auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht. Auf Plakaten wurden vor allem harte Arbeitsbedingungen und Bezahlung kritisiert: «Müde Ärzte machen Vehler» «Keine Zeit zum Reden» oder «Wir kosten Geld - und retten Leben».

Der Aufruf der Ärztegewerkschaft zu dem ganztägigen Warnstreik richtete sich an die Mediziner der sieben Asklepios-Kliniken sowie des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) und des Universitären Herzzentrums.

Wegen des Warnstreiks waren für Mittwoch keine Eingriffe und Operationen geplant worden. «Wir haben mit allen betroffenen Kliniken eine Notdienstvereinbarung abgeschlossen. In den Krankenhäusern wird eine Besetzung wie am Wochenende vorgehalten», sagte Katharina von der Heyde, Geschäftsführerin des Marburger Bundes Hamburg, der Deutschen Presse-Agentur. Zudem hätten zentrale Notaufnahmen selbstverständlich geöffnet. «Die Versorgung medizinischer Notfälle ist damit gesichert.»

Das UKE sprach am Nachmittag von einem ruhigen Betrieb am Mittwoch. Alle nicht dringenden Fälle seien gemäß der Notdienstvereinbarung verschoben worden. Ein Asklepios-Sprecher sagte, es seien vereinzelt Operationen abgesagt worden. Es sei aber zu keinen größeren Beeinträchtigungen gekommen, es habe auch keine breitere Arbeitsniederlegung gegeben.

Seit der zentralen Auftaktveranstaltung am 10. April in Frankfurt am Main werden vom Marburger Bund deutschlandweit weitere dezentrale Warnstreiks organisiert. Die Ärztegewerkschaft fordert bundesweit fünf Prozent mehr Lohn sowie einen weiterhin eigenständigen Tarifvertrag für Ärzte. Damit will die Gewerkschaft verhindern, dass ihr arztspezifischer Tarifvertrag aufgrund des Tarifeinheitsgesetzes durch einen Mehrheitstarifvertrag verdrängt wird. Zahlreiche Klinikverbände hätten bereits entsprechende Regelungen mit dem Marburger Bund vereinbart.

Die Gewerkschaft fordert deshalb auch von der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), die Folgen dieses Gesetzes über einen gemeinsamen Vertrag auszuschließen. Bei der Forderung gehe es nicht ausschließlich ums Gehalt. «Vielen Ärzten sind die Arbeitsbedingungen viel wichtiger. Es wird alles immer knapper, die Besetzung ist immer dünner, die Arbeitsdichte ist immer höher, es werden Überstunden noch und nöcher geleistet», so von der Heyde.

Die Arbeitgeberseite hatte zuletzt eine Erhöhung von 2,8 Prozent von Juli 2019 an sowie um 2,5 Prozent von Juli 2020 an angeboten. Zudem zeigte sie sich mit Blick auf die Sicherung des Ärzte-eigenen Tarifvertrages kompromissbereit. Das nächste Treffen beider Seiten ist für den 2. Mai geplant.

In Hamburg sind Mediziner der neun Häuser dem Marburger Bund zufolge zuletzt 2005 in den Warnstreik getreten. «Das ist auch für uns das letzte Mittel. Wir machen das bestimmt nicht leichtfertig», sagte von der Heyde dazu.

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