Umwelt : Umweltverband SDN erneuert Forderung: Nationale Küstenwache

Die 'Potsdam', ein Schiff der Küstenwache, fährt über die Weser und setzt dabei die Wasserkanonen in Gang. /Archiv
Die "Potsdam", ein Schiff der Küstenwache, fährt über die Weser und setzt dabei die Wasserkanonen in Gang. /Archiv

Das Havariekommando soll bei schweren Schiffsunglücken die Maßnahmen des maritimen Notfallmanagements koordinieren. Doch es besitzt dafür nicht die notwendigen Führungs- oder Einsatzmittel, sagt die SDN.

shz.de von
15. März 2019, 14:05 Uhr

Der Umweltverband Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) hat erneut eine Nationale Küstenwache gefordert. Eine gemeinsame Küstenwache mit eindeutig gestaltetem Erscheinungsbild ihrer Schiffe, mit einheitlicher fachlicher und rechtlicher Zuständigkeit, mit kurzen und klaren Strukturen sowie mit einer Stimme im Umgang mit Havaristen sei zur Bewältigung komplexer Schadenslagen auf See und an der Küste nötig, teilte die SDN am Freitag nach Veröffentlichung des Unfallberichts zur Havarie des Massengutfrachters «Glory Amsterdam» im Oktober 2017 mit.

Damals sei es dem verantwortlichen Havariekommando «im Verlauf von insgesamt 12,5 Stunden nicht gelungen, erfolgreich auf eine Situation zu reagieren, die in der Seefahrt alles andere als ungewöhnlich ist und deren erhebliches Gefahrenpotenzial sowohl bordintern als auch extern frühzeitig erkannt worden war», kritisierte der Umweltverband. Die «Glory Amsterdam» war in der Nordsee vor der ostfriesischen Insel Langeoog auf Grund gelaufen. Sie war nach Einschätzung der SDN aus «Kraftstoffeffizienz» untermotorisiert und kam mit starkem Wind und schwerer See nicht zurecht.

Der Unfallberichts zur Havarie der «Glory Amsterdam» hat nach Einschätzung der SDN «das verworrene Zusammenwirken verantwortlicher Stellen in einem maritimen Notfall vor der deutschen Küste» gezeigt. Unter anderem bemängelte die SDN, dass das Havariekommando (HK) formal nicht mit einer echten «Kommando»-Gewalt ausgestattet sei. Auch sei das HK «noch nicht einmal in der Lage, direkt mit den am Geschehen Beteiligten zeitnah zu reden, den Havarieablauf aktuell zu beobachten oder gar einen eigenen Beobachter an den Ort der Havarie zu schicken.» Die HK-Experten bekämen Informationen im Krisenfall ausschließlich telefonisch, per Fax oder per E-Mail und können auch selbst nur mit Hilfe dieser Medien kommunizieren.

Letztendlich fordert die SDN auch die Erstellung eines zeitgemäßen und praxisgerechten «Fach- und Einsatzkonzepts Notschleppen» des Havariekommandos. «Ein solches beschreibt die Maßnahmen, die bei einer Gefahr durch ein treibendes Schiff zur Abwehr eingeleitet werden. Alle in einem solchen Fachkonzept enthaltenen Informationen dienen dazu, das von den Zuständigen vorgesehene Handeln allen an der Abwendung einer Havarie und deren Folgen Beteiligten zugänglich zu machen», hieß es. In der SDN sind die Küstenkreise sowie viele Kommunen und Verbände seit 1973 organisiert.

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