Ausbildung : Bundespräsidentenpaar wirbt für berufliche Ausbildung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Beruflicher Aufstieg führt nicht nur über Abitur und Studium, sagt Bundespräsident Steinmeier. Gemeinsam mit seiner Frau tourt er in dieser Woche durch Deutschland, um für die berufliche Ausbildung zu werben - und macht Station in Hamburg.

shz.de von
17. April 2018, 17:29 Uhr

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender haben in Hamburg für die berufliche Ausbildung geworben. Deutschland sei wirtschaftlich stark, weil es in den vergangenen Jahrzehnten immer eine Balance zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung gegeben habe, sagte Steinmeier am Dienstag bei einem Besuch des neuen Berufsschulzentrums in der Anckelmannstraße. «Man darf nicht beides gegeneinander ausspielen.» Als er jung war, hätten sich Jugendliche «die Finger wundschreiben» müssen, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. «Heute ist das fast umgekehrt. Heute bewerben sich Arbeitgeber um Auszubildende.»

Er wolle deshalb auch den Eltern sagen, «Aufstieg durch Bildung, das funktioniert nicht nur über Abitur und Studium, sondern auch eine gute berufliche Ausbildung kann beruflichen Aufstieg für die Zukunft bedeuten». Gerade die duale Ausbildung sei «ein ganz wunderbarer Weg», junge Leute an den Beruf heranzuführen, sagte Büdenbender, die zusammen mit ihrem Mann die Schirmherrschaft über die bundesweite «Woche der beruflichen Bildung» übernommen hat. Jugendliche hätten so die Möglichkeit, «ihre Fähigkeiten zu entdecken und einen zufriedenstellenden Beruf zu erlernen».

Das Bundespräsidentenpaar war am Mittag von Bürgermeister Peter Tschentscher und Bildungssenator Ties Rabe (beide SPD) in dem neuen Berufsschulbau empfangen worden, der am selben Tag offiziell eröffnet wurde. 4000 Jugendliche werden dort schon seit Schuljahresanfang auf Arbeitsstellen im Einzelhandel vorbereitet. Die Stadt Hamburg hat rund 70 Millionen Euro in den Neubau investiert. Hamburg sei nicht nur deshalb vorbildlich. «Wir wissen, dass hier in Hamburg engagiert gearbeitet wird für die Verbesserung der beruflichen Ausbildung», sagte der Bundespräsident.

Es sei wichtig, dass in Berufsschulen «nicht nur ein freundliches Arbeitsklima herrscht, sondern auch Arbeitsbedingungen herrschen, bei denen die Schülerinnen und Schüler, die Auszubildenden mithalten können mit den technischen Gegebenheiten, die heute in den Ausbildungsbetrieben bestehen». Dies sei in der Anckelmannstraße der Fall. «Diese Schule ist nicht nur neu, sie ist nicht nur hell, sondern sie ist ausgestattet auf dem höchsten technischen Standard, den wir an deutschen Berufsschulen inzwischen kennen.»

Das Präsidentenpaar nahm auch an einer Schokoladenverkostung im Rahmen des Warenkundeunterrichts teil und ließ sich von angehenden Gestaltern für visuelles Marketing über die Ausbildung informieren. Die Schüler waren von dem hohen Besuch beeindruckt: «Ich finde ihn sehr locker», sagte Rafael Koch, Einzelhandelsazubi im zweiten Lehrjahr. «Ich hatte gedacht, dass der Bundespräsident mehr Fragen stellt. Aber seine Frau hat mehr geredet», sagte der 25-Jährige.

Die 32 staatlichen berufsbildenden Schulen in der Hansestadt sind im Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) zusammengefasst. Im laufenden Schuljahre besuchten 50 215 Schüler die Einrichtungen.

Im Anschluss besuchte Steinmeier die Jugendberufsagentur in Wandsbek. «Die Arbeit der Jugendberufsagentur setzt bereits in den Schulen an und begleitet die Jugendlichen auf ihrem Weg in den Beruf», sagte Tschentscher. «Darüber hinaus haben wir große Anstrengungen unternommen, um die berufsbildenden Schulen neu zu organisieren und durch moderne Gebäude beste Unterrichtsbedingungen zu ermöglichen.»

In der Agentur arbeiten mehrere Behörden zusammen, um auch schon vor dem Schulabschluss einen möglichst nahtlosen Übergang in die Ausbildung zu ermöglichen. «Es ist ein wirklich gutes Konzept», sagte Büdenbender, «weil es zusammenführt ganz verschiedene Arten der Hilfe für Jugendliche.»

Der Anspruch müsse sein: «Keiner darf verloren gehen, jeder und jede wird gebraucht», sagte Steinmeier. «Die unterschiedlichen behördlichen Möglichkeiten standen in der Vergangenheit nebeneinander.» In Hamburg seien sie in der Agentur integriert. «Es kann hier ein Angebot aus einer Hand geschneidert werden, und das ist der eigentliche Fortschritt und deshalb hat diese Agentur so großen Erfolg.»

Die «Woche der beruflichen Bildung» findet in sechs Bundesländern statt. Eine gemeinsam Übernahme einer Schirmherrschaft durch den Bundespräsidenten und seine Frau hat es vorher so noch nicht gegeben. Sie sei ein Zeichen «für die Wertschätzung der beruflichen Bildung», sagte Büdenbender. Steinmeier unterstrich: «Wir haben beide einen Lebensweg hinter uns, der uns gezeigt hat, dass Bildung hilfreich ist bei der Entwicklung.» Beide kämen aus Familien, in denen das nicht selbstverständliche gewesen sei. «Deshalb engagieren wir uns beide.»

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