Arbeitslosigkeit : Mit neuem Gesetz weniger Langzeitarbeitslose im Norden

Besucher der Agentur für Arbeit gehen durch eine Tür. /dpa-Zentralbild/dpa
Besucher der Agentur für Arbeit gehen durch eine Tür. /dpa-Zentralbild/dpa

Neue Chancen für Langzeitarbeitslose. Wer schon seit Jahren keinen Job hat, dem hilft die Arbeitsagentur jetzt langfristig mit hohen Lohnkostenzuschüssen. Ein Punkt überrascht selbst Experten.

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14. Februar 2020, 14:41 Uhr

Die 39-jährige, allein erziehende Mutter von vier Kindern, ohne Schulabschluss, hatte noch nie einen richtigen Job. Am 1. März fängt sie bei der Stadt Kiel als Servicekraft in Teilzeit an. Die Frau profitiert von einem Gesetz, das seit Anfang 2019 in Kraft ist. Ohne die Neuerung hätte sie wohl keine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen, sagte am Freitag in Kiel die Regionalchefin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann.

Mit dem Teilhabechancengesetz können erstmals sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse über einen Zeitraum von maximal fünf Jahren mit Lohnkostenzuschüssen von bis zu 100 Prozent gefördert werden. Bisher wurden im Norden 1700 solcher Verträge geschlossen. 1340 betrafen Menschen, die mindestens sechs Jahre keinen Job hatten. 16 Millionen Euro brachte die Arbeitsagentur für die Förderung der 1700 Jobs 2019 auf. Die Abbruchquote betrage nur fünf Prozent, sagte die Agenturchefin. Als Erfolgsfaktoren erwiesen sich dabei Coaches, die von der Arbeitsagentur bezahlt werden und laut Haupt-Koopmann in allen Lebenslagen helfen.

Im vergangenen Jahr waren im Land 25 000 Frauen und Männer mindestens ein Jahr lang ohne festen Job. Das waren 14,3 Prozent weniger als 2018. Der Anteil an allen Arbeitslosen fiel von 34,5 auf 31,4 Prozent. 2019 seien 2000 Menschen weniger langzeitarbeitslos geworden als im Jahr zuvor, sagte Haupt-Koopmann. Sie verwies auf eine wichtige sozialpolitische Komponente: Kinder hätten wieder arbeitende Eltern, das «Vererben» von Hartz IV könne verringert werden.

Laut Haupt-Koopmann wurden 35 Prozent der genannten 1700 Verträge in der Privatwirtschaft abgeschlossen. «Damit hätte ich nicht gerechnet», sagte sie. 5 Prozent entfielen auf Kommunen, 45 Prozent auf Sozialwirtschaft und Vereine, nur 15 Prozent auf Beschäftigungsträger. Ein Drittel der Beschäftigten waren mindestens 55 Jahre alt und ein Drittel Frauen. «Da haben wir noch Luft nach oben», sagte Haupt-Koopmann. Sie verwies auf die besondere Situation von Menschen, die schon lange keinen Job und in ihrem Umfeld oft auch nur Arbeitslose haben. Sie hätten kaum noch Selbstbewusstsein und die Hoffnung, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Man müsse zehn Betroffene ansprechen, um einen zu finden, der es versucht. Die Arbeitsagentur kann auch die Qualifizierung dieser Menschen fördern.

Schleswig-Holstein stehe beim Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit im Ländervergleich gut da, sagte Arbeitsstaatssekretär Thilo Rohlfs. Besonders erfreulich seien der relativ hohe Anteil der Privatwirtschaft an den Jobs, die mit dem neuen Gesetz geschaffen wurden und die niedrige Abbrecherquote. Trotz des Erreichten bleibe das Thema eine Herausforderung. «Die nachhaltige Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit ist kein Kurzstreckenlauf, sondern ein Marathon», sagte Rohlfs.

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