Bildung : Konsequenzen nach jüngster Pisa-Studie gefordert

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) blickt für ein Porträt in die Kamera. /zb/dpa/Archivbild
Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) blickt für ein Porträt in die Kamera. /zb/dpa/Archivbild

Die durchwachsenen Ergebnisse der neue Pisa für Deutschland beunruhigen auch in Schleswig-Holstein: Bildungsministerin Prien, die oppositionelle SPD und Verdi sehen Handlungsbedarf. Die Grünen sehen den Bund in der Pflicht, mehr Geld zuzuschießen.

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03. Dezember 2019, 16:09 Uhr

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), aber auch die Opposition und die Bildungsgewerkschaft GEW haben sich besorgt über die Ergebnisse der deutschen Schüler bei der Vergleichsstudie Pisa geäußert. «Die Erkenntnis, dass ein Fünftel der 15-Jährigen in Deutschland den Sinn von Texten kaum richtig erfassen kann, muss uns alarmieren», sagte Prien am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. «Für ein Land, das auf Spitzenleistungen in allen Bereichen angewiesen ist und zunehmend mit Fachkräftemangel umgehen muss, besteht deshalb Handlungsbedarf.» Die deutschen Schüler haben sich in dem internationalen Leistungsvergleich leicht verschlechtert. Sowohl im Lesen als auch in Mathematik und Naturwissenschaften erzielten sie etwas weniger Punkte als bei der vorherigen Pisa-Studie von 2016.

Von einem «Armutszeugnis für die Bildungspolitik in Deutschland» sprach die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. Sie forderte mehr Geld für Bildung, bessere personelle Ausstattung der Schulen, Stärkung der Gemeinschaftsschulen durch mehr Differenzierungsstunden, stärkere Unterstützung von Schulen mit besonderen Herausforderungen sowie den Ausbau von Förderprogrammen wie «Lesen macht stark». Gute Ganztagsangebote, die Förderung von Schulen in schwierigen Lagen, die Etablierung von multiprofessionellen Teams an den Schulen und die Einbeziehung aller Schulen und Schularten in die Verantwortung müssen der Weg zu mehr Chancengerechtigkeit sein, wie der SPD-Bildungsexperte Martin Habersaat betonte.

Grundsätzlich ist es laut Prien zwar erfreulich, dass die Leistungen der deutschen Schulen noch über dem internationalen Durchschnitt liegen. Das sei auch ein Verdienst der Lehrer, die angesichts einer immer heterogeneren Schülerschaft gute Arbeit leisteten. «Auch bleibt es dabei, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg nach wie vor zu groß ist», sagte Prien. Der Norden habe eine umfassende Leseförderung in der Primarstufe und in der Sekundarstufe I aufgebaut. Parallel würden mathematische Kompetenzen gefördert. «Außerdem bilden wir Lehrkräfte zu Lesecoaches aus und es gibt eine Vielzahl von Projekten zur Förderung von Lesen und Sprache, zum Beispiel «Fake Hunter» oder «Zeitung in der Schule».»

Die große Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft bleibt nach Ansicht der GEW die Achillesferse des deutschen Schulsystems. Es sei höchste Zeit zum konsequenten Gegensteuern, kritisierte Henke. «Wer als Kind in einem gut situierten Elternhaus aufwächst, hat gute Chancen auf eine erfolgreiche Bildungslaufbahn. Wer aus sozial schwierigen Verhältnissen kommt, hat eben Pech gehabt.» Auch fast 20 Jahre nach dem Pisa-Schock schaffe es das deutsche Schulsystem noch immer nicht entscheidend, Nachteile abzubauen.

«Wir dürfen einfach nicht akzeptieren, dass mehr als ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler nicht in der Lage ist, sich Texte zu erschließen», sagte Henke. «Bei den Jungen ist es sogar ein knappes Viertel.» Zentrale Aufgabe sei es, die Schulleistung von der sozialen Herkunft zu entkoppeln, betonte auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Ines Strehlau. Der Bund müsse intensiver unterstützen, anstatt den Bildungshaushalt zu kürzen. «Wir brauchen den Bund, um zum Beispiel Ganztag flächendeckend und qualitativ hochwertig umzusetzen. Das ist auch wichtig, um die soziale Schere zu schließen.» Zwei Milliarden Euro reichten hier längst nicht aus.

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