Katastrophenschutz : Herbst-Deichschau in Schleswig-Holstein gestartet

Im Herbst werden Schleswig-Holsteins Deiche vor Ort auf ihre Sicherheit geprüft. Die Deichschauen sollen bis Mitte November abgeschlossen sein.

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16. Oktober 2019, 15:49 Uhr

Die Deichgrafen und andere Experten haben am Mittwoch mit der routinemäßigen Herbst-Kontrolle der Hochwasser-Dämme Schleswig-Holsteins begonnen. Diese ist nach Angaben des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) gesetzlich festgelegt und findet zweimal jährlich statt. Erster Termin war auf Nordstrand in Nordfriesland.

Nach Angaben des Kieler Umweltministeriums gibt es bei den Deichen keine spezielle Wintervorbereitung. Der Küstenschutz wird ständig in Stand gehalten und verbessert, sagte ein Sprecher. Dazu zählen unter anderem Erhöhungen und Verstärkungen bestehender Deiche sowie der Bau von Sielen und Schöpfwerken.

Das ist wichtig, denn Schleswig-Holstein ist ein flaches Land zwischen zwei Meeren. Ein Großteil liegt im Einflussbereich von Nord- und Ostsee mit der Gefahr von Sturmfluten. Als Schutz vor dem «Blanken Hans» erfanden die Küstenbewohner vor rund 1000 Jahren den «Deich». Doch einen hundertprozentigen Schutz boten solche Hochwasser-Schutzwälle nicht, wie beispielsweise die erste und die zweite «Manndränke» zeigten - zwei verheerende Sturmfluten 1364 und 1642 mit tausenden Toten. Sie haben sich ins kollektive Gedächtnis der Schleswig-Holsteiner eingegraben. Die letzte Sturmflut, bei der Menschen ertranken, gab es 1825.

Auch der moderne Küstenschutz kann heute nicht auf Deiche verzichten. Denn kein Ort im nördlichsten Bundesland liegt mehr als 60 Kilometer vom Meer entfernt. Knapp ein Viertel des Landes kann bei extremem Hochwasser überflutet werden. Nach Angaben des Kieler Umweltministeriums schützen insgesamt 433 Kilometer Landesschutzdeiche an Nord- und Ostsee mehr als 95 Prozent der überflutungsgefährdeten Küstenniederungen. Entlang der Westküste sind die Deiche laut LKN zum Teil bis zu 9,10 Meter über NN hoch. An der ruhigeren und teilweise mit Steilküsten versehenen Ostküste sind die Deiche, sofern überhaupt vorhanden, weitaus niedriger. Denn die Höhe einer Sturmflut wird unter anderem durch Windrichtung, -stärke und -dauer beeinflusst.

Moderne Deiche sind nicht einfach nur irgendwelche Sandwälle, sondern Hightech auf Grundlage der Erfahrung aus Jahrhunderten. Auf einem Kern aus Sand kommt eine bis zu zwei Meter dicke Schicht aus Kleiboden - das ist ein besonders schwerer und fester Boden, der zusätzlich noch durch Grasbewuchs gegen Wind- und Wassererosion gesichert wird.

Nach Ministeriumsangaben hat Schleswig-Holstein seit 1962 insgesamt rund 3,3 Mrd. Euro in den Küstenschutz gesteckt. In diesem Jahr stehen insgesamt rund 77 Mio. Euro zur Verfügung. Die Herbst-Deichschauen sollen bis Mitte November abgeschlossen sein.

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