Verkehr : Hamburg baut Nahverkehrsangebot weiter aus

Peter Tschentscher (SPD), Hamburgs Erster Bürgermeister, informiert sich über elektrothermische Energiespeicher. /Archiv
Peter Tschentscher (SPD), Hamburgs Erster Bürgermeister, informiert sich über elektrothermische Energiespeicher. /Archiv

Vollgestopfte Busse, verspätete S-Bahnen und nachts kein «Öffi» nach Hause: Solche Bilder sollen in Hamburg der Vergangenheit angehören. Vor einem Jahr haben die Betreiber mit dem Ausbau der Kapazitäten begonnen und legen nach. Der Opposition reicht das nicht.

shz.de von
25. Juni 2019, 16:03 Uhr

Mit neuen Buslinien, längeren Betriebszeiten bei der S-Bahn und engerer Taktung der U-Bahnen will Hamburg den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr weiter erleichtern. «Wir wollen den Nahverkehr umweltfreundlich und komfortabel ausbauen und damit eine echte Alternative zum Auto schaffen», sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Dienstag in Hamburg. Nach dem Wohnungsbau sei in der nächsten Dekade bis 2030 die Verbesserung der Mobilität das zentrale Thema der Politik. Dann soll der Anteil des Nahverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen von derzeit 22 Prozent auf rund 30 Prozent steigen. Mit dem sogenannten Hamburg-Takt, in den auch Mobilitäts-Angebote wie autonomes Fahren oder Shuttle-Dienste integriert werden, sollen die Bürger nach Tschentschers Vorstellungen überall in Hamburg in wenigen Minuten mit «Öffis» unterwegs sein können.

Von 2019 bis 2021 sollen mehr als 100 Millionen Euro zusätzlich in die Angebotsoffensive fließen. Rund 520 Arbeitsplätze würden geschaffen, vor allem für Busfahrer und Zugführer. Nach einem Vorstoß zum vergangenen Fahrplanwechsel - möglichst keine Kurzzüge mehr in Hauptverkehrszeiten, größere und längere Busse in höherer Taktung - haben die Verkehrsunternehmen des Hamburger Verbundes HVV nun weitere Angebote in petto. Sie sollen zum Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres sowie im darauffolgenden 2020 umgesetzt werden.

Dazu gehört unter anderem die Einführung von vier Expressbus-Linien, die aus entlegeneren Stadtteilen die Fahrgäste schnell in die Stadt bringen. So sei ein solches erstes Angebot von Bergedorf direkt nach Harburg sehr erfolgreich angenommen worden, berichtete HVV-Chef Dietrich Hartmann. Hierüber wird auch der Osdorfer Born im Westen direkter an die City angebunden. Eine nächtliche Express-Linie soll zudem von der Innenstadt aus nach Harburg führen. Kleinere Quartierbusse sollen Stadtteile in Außenbezirken «feinräumig» erschließen und die Bürger zur nächsten Schnellbahn-Station bringen.

Bei der U-Bahn soll in Großteilen des Netzes zum diesjährigen Fahrplanwechsel ganztägig ein 10-Minuten-Takt garantiert werden. Er halbiert sich zum darauffolgenden Fahrplanwechsel montags bis freitags zwischen 06.00 Uhr und 21.00 Uhr auf den Linien U1, U2 und U3. Sukzessive soll es noch schneller gehen. Der Fahrgast solle sich über den Fahrplan keine Gedanken mehr machen, sagte Hochbahn-Chef Henrik Falk.

Auch die S-Bahn will einen 5-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten ausweiten. Allerdings haperte es zuletzt bei ihrer Pünktlichkeit sowie schadhafter Infrastruktur, weshalb Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) Bahn-Verantwortliche zu einem Runden Tisch eingeladen hat. Unabhängig davon weitet die S-Bahn zum nächsten Fahrplanwechsel unter anderem die Betriebszeiten der Linien S2, S3 und S31 aus und bietet auf der S1 an Wochenendnächten zwischen Blankenese und Wedel einen 60-Minuten-Takt.

Der Opposition in der Hamburger Bürgerschaft reicht die Ausweitung allein nicht aus. «Hamburgs Busse und Bahnen sind zu teuer und auch der unübersichtliche HVV-Tarifjungle soll weiterhin nicht gelichtet werden», kritisierte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Thering. «Für eine Verkehrswende in Hamburg braucht es ein wirklich großes Angebot, damit all die Autofahrer auch umsteigen können», mahnte Heike Sudmann von der Linken-Fraktion. Sie forderte erneut eine Stadtbahn und eine Jahreskarte für 365 Euro. «Damit die Menschen vom Auto umsteigen, muss das ÖPNV-Angebot zuverlässiger, komfortabler und insgesamt qualitativ besser werden. Dazu zählen auch schnellere Umsteigemöglichkeiten, um zügig von A nach B zu kommen», forderte die FDP-Fraktion.

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