Wahlen : Europawahl: Grüne stärkste Kraft, SPD am Tiefpunkt

Anjes Tjarks (Bündnis 90/Die Grünen). /Archivbild
Anjes Tjarks (Bündnis 90/Die Grünen). /Archivbild

Bei der Europawahl fahren die Grünen in Hamburg ein sensationelles Ergebnis ein. Für die SPD zeichnet sich dagegen eine historische Schlappe ab.

shz.de von
26. Mai 2019, 20:25 Uhr

Erstmals seit Gründung des Europaparlaments werden wohl weder die Hamburger SPD noch die CDU Vertreter nach Brüssel und Straßburg entsenden. Laut ersten Hochrechnungen konnten sich bei der Europawahl am Sonntag nur Kandidaten von FDP und der Satire-Partei «Die Partei» aus der Hansestadt Mandate sichern. Deutlich stärkste Kraft in Hamburg wurden laut Hochrechnung des Statistikamts Nord die Grünen mit 30,0 Prozent.

Laut ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF stürzte die SPD bundesweit auf 15,5 Prozent ab. Mit Platz 18 auf der Bundesliste hatte der Hamburger Kandidat Knut Fleckenstein, der seit 2009 im Europaparlament sitzt, damit keine Chance auf einen Wiedereinzug. Mit Werten um 28 Prozent für die Union war davon auszugehen, dass auch der Hamburger CDU-Spitzenkandidat Roland Heintze wie schon 2014 das Ticket nach Europa verpassen würde.

Sicher reichen sollte es hingegen für die 29 Jahre alte FDP-Kandidatin Svenja Hahn. Die Hamburgerin stand auf Platz zwei der Bundesliste, ihre Partei kam laut den Hochrechnungen auf 5,6 Prozent. Freuen durfte sich aus Hamburg demnach auch Nico Semsrott, der für die Satire-Partei «Die Partei» hinter Ex-«Titanic»-Chefredakteur Martin Sonneborn auf Listenplatz zwei ins Rennen gegangen war.

Die Grünen erzielten nach einer ersten Hochrechnung des Statistikamts Nord in der Hansestadt ein Rekordergebnis von 30,0 Prozent - ein Plus von 12,8 Prozentpunkten. Dagegen musste die SPD - im Hamburger Senat der größere Koalitionspartner - wie auch im Bund große Verluste hinnehmen. Nach der Hochrechnung kamen die Sozialdemokraten nur noch auf 20,7 Prozent der Stimmen. Das wären 13,1 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2014.

Für die Hamburger CDU ging es ebenfalls nach unten: 17,9 Prozent laut Hochrechnung bedeuteten Einbußen von 6,7 Prozentpunkten. Mit 7,3 Prozent musste laut Hochrechnung auch die Linke leichte Verluste hinnehmen. Deutlich zulegen konnte hingegen die FDP, die demnach mit 5,7 Prozent ein Plus von zwei Punkte verbuchte. Die AfD konnte sich demnach um 0,7 Punkte auf 6,7 Prozent verbessern.

In der Hansestadt zeichnete sich auch eine Rekordwahlbeteiligung ab: Schon zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale hatten knapp 53 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben - so viele wie seit 30 Jahren nicht mehr. Auch bei den zeitgleich abgehaltenen Bezirksversammlungswahlen gab es eine deutlich höhere Wahlbeteiligung als 2014: Bis 16.00 Uhr machten 48,7 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch.

Mehr als 1,4 Millionen Hamburger Wahlberechtigte waren in diesem Jahr aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Viele hatten sich im Vorfeld für die Briefwahl entschieden. Die Auszählung der Bezirkswahlen sollte erst am Montagmorgen beginnen. Neun Monate vor der Bürgerschaftswahl galt der Urnengang auch als Test für die Kräfteverhältnisse in der rot-grün regierten Stadt.

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