Energie : Batterieforschungsprojekt für Münster: Itzehoe im Netzwerk

Im Labor des Batterieforschungszentrums MEET wird chemische Zusammensetzung von Oberflächen untersucht. /Archivbild
Im Labor des Batterieforschungszentrums MEET wird chemische Zusammensetzung von Oberflächen untersucht. /Archivbild

Enttäuschung im Norden: Die «Forschungsfertigung Batteriezelle» geht statt nach Itzehoe an Standorte weiter südlich. Aber die Stadt im Kreis Steinburg soll nicht ganz leer ausgehen. Der Bund will mit dem 500-Millionen-Euro-Projekt die Speichertechnik ankurbeln.

shz.de von
28. Juni 2019, 16:09 Uhr

Itzehoe hat den Wettbewerb um den Standort für eine Batteriezellern-Forschungsfabrik verloren. Gewonnen hat stattdessen Münster in Nordrhein-Westfalen, wie Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Freitag in Berlin bekanntgab. Dennoch soll die Stadt im Kreis Steinburg nicht völlig außen vor bleiben. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nahm noch am Freitag Kontakt zu Karliczek auf, wie Regierungssprecher Peter Höver der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Demnach habe die Bundesministerin klargestellt, dass Itzehoe mit seinem Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT) in einem Netzwerk zur Batterieforschung nicht leer ausgehen werde. Schon am Montag solle es dazu Gespräche auf Arbeitsebene geben. «Ich bin sicher, dass auch der Standort Itzehoe von dem zu verteilenden Kuchen etwas abbekommen wird», sagte Günther seinem Sprecher zufolge.

Der Bund steckt mehr als eine halbe Milliarde Euro in das Großvorhaben. Als Standorte für einzelne Forschungsaspekte wurden in Berlin auch Ulm, Karlsruhe (Baden-Württemberg), Salzgitter (Niedersachsen) und Augsburg (Bayern) genannt.

Schleswig-Holsteins Landesregierung wollte im Falle eines Zuschlags für Itzehoe als Fabrikstandort 145 Millionen Euro aufbringen. Technologie-Staatssekretär Thilo Rohlfs zeigte sich enttäuscht über den Standort-Ausgang. Es habe gute Argumente für Itzehoe und eine sehr gute Bewerbung gegeben.

Auch die Fraunhofer-Gesellschaft betonte die sehr hohe Qualität aller Bewerbungen. «Wir werden schon Anfang nächster Woche Gespräche in Bonn mit dem Bundesforschungsministerium über Möglichkeiten der Weiterentwicklung der Batterieforschung in Schleswig-Holstein führen», kündigte Rohlfs an. «Wir sind guter Dinge, dass das Thema Batterieforschung auch nach dieser Standortentscheidung für Münster ein wichtiges Zukunftsthema für Schleswig Holstein bleibt.»

Die Bundesregierung wolle in der Batterietechnologie möglichst den gesamten Wertschöpfungsprozess in Deutschland halten, vom Bau einzelner Teile bis zur Wiederverwertung, sagte Karliczek. Bislang kommen Zellen für Autobatterien nur aus Asien. Die Erforschung und Entwicklung leistungsfähiger Speichertechnologien sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine nachhaltige Entwicklung im Energie- und Verkehrsbereich und essenziell für den Wirtschaftsstandort Deutschland, sagte Karliczek. Die neue «Forschungsfertigung Batteriezelle» soll Mitte 2022 ihren Betrieb aufnehmen.

Der auch für den Kreis Steinburg zuständige Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich (CDU) bedauerte die Standortentscheidung. «Gerade angesichts der Klimadebatte und des Ziels, Speichertechnologien CO2-neutral zu gestalten, wäre es aus seiner Sicht zwingend gewesen, sich für den Bewerber zu entscheiden, der eine komplett klimaneutrale Wertschöpfungskette anbieten kann. Dies sei Itzehoe. Die Stadt sei in Sachen Batterie ein Hotspot auf der Forschungslandkarte. In Zusammenarbeit von Bund, Land, Kreis und Stadt sei ein hochaktives Netzwerk zum Thema Batterie entstanden. Es werde weiter dafür kämpfen, den Norden bei der Speichertechnologie nach vorn zu bringen. Hier stünden noch viele weitere Investitions- und Standortentscheidungen an.

Es gebe keinen Anlass, Trübsal zu blasen, meinte auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ingrid Nestle. «Mit der Bewerbung hat Schleswig-Holstein gezeigt, dass es fit für die Energiewelt von morgen ist.» Nun gelte es, die Potenziale an anderer Stelle im Kampf gegen die Klimakrise zu nutzen.

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